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Karma-Diagnostik

Бесплатный фрагмент - Karma-Diagnostik

Buch 6. Die Stufen zum Göttlichen


Объем:
280 стр.
Возрастное ограничение:
18+
ISBN:
978-5-4483-4418-3

18+

Книга предназначена
для читателей старше 18 лет

Einführung

Als ich im Jahr 1997 das vierte Buch beendete, war ich davon überzeugt, dass die Beschreibung der menschlichen Werte beendet sei. Je besser ich mich in allem orientiere, was als “das menschliche Glück” bezeichnet wird, desto einfacher ist es für mich festzustellen, was ich zu vergöttern begann und wovon ich abhängig geworden bin, um mich schließlich von dieser Abhängigkeit zu befreien. Die Klassifizierung war anscheinend vollständig abgeschlossen, was bedeutete, dass man sich von allen Anhaftungen befreien sowie Gesundheit für sich selbst und für die Nachkommen erlangen konnte. Die Erforschung des Karmas konnte man also beenden. Damit ich jeden Patienten heilen konnte, musste ich nur sorgfältig nachforschen, was diesen Patienten daran hindert, seine Anhaftung an irgendetwas aufzulösen, und eine wirkungsvollere Methode zu finden, um seinen Charakter zu verändern.

Die Theorie war abgeschlossen, nun blieb die Praxis. Mein Enthusiasmus, dieses Thema betreffend, kühlte sich etwas ab. Zum ersten war doch sowieso alles klar, zum zweiten hätte ich nicht gedacht, dass Denkprozesse Abscheu und physischen Schmerz hervorrufen können. Ich wollte wieder einfach nur fühlen, ich wollte die Malerei wieder aufnehmen. Dann wollte ich mich noch mit dem Problem des Älterwerdens beschäftigen.

Die Arbeit an mir selbst änderte in all den Jahren vieles in meinem Charakter und an meiner Gesundheit. Sie wirkte sich jedoch nicht verjüngend aus, eher umgekehrt. Je mehr ich mich aufs Denken, Verstehen und Verallgemeinern konzentrierte, desto schmerzhafter reagierte ich auf jeden Stressfaktor, desto aktiver verlief der Alterungsprozess. Ich beschloss, mit der Forschung aufzuhören und mich gründlich um mich selbst zu kümmern, da mir früher die Zeit dafür fehlte. Die Reihe aller menschlichen Werte fasste ich zu ein paar Gliedern zusammen. Materielle Werte bilden das erste Glied. Das war nachvollziehbar. Als nächstes kommen die Schichten der geistigen Werte. Die geistigen Werte unterteilen sich in zwei Gruppen: Die erste sind zwischenmenschliche Beziehungen. Die Abhängigkeit davon erzeugt Eifersucht. Fähigkeiten und Intellekt bilden die zweite Gruppe. Die Abhängigkeit von ihnen erzeugt Hochmut. Wenn ein Patient mit einer ausgeprägten Anhaftung an die geistigen Werte kam und ich sah, dass sie mit dem Beziehungsthema im Zusammenhang steht, erklärte ich ihm, wie man die Abhängigkeit davon auflösen könnte. Man müsste einfach etwas anderes finden, worauf man sich stützen kann. Die moderne Psychologie empfiehlt, seine Interessen auszuweiten, dann wird die Niederlage auf einem Gebiet nicht mehr so schmerzhaft empfunden, da man seine Interessen auf andere Bereiche verlagern kann.

Dieses Schema funktioniert jedoch nur auf einer oberflächlichen Ebene im Falle einer Kränkung, eines Streits oder der Untreue. Wenn es um große Schicksalsschläge geht, z. B. beim Tod eines geliebten Menschen, sind die Psychologen und Psychotherapeuten selbst nicht in der Lage, dies zu bewältigen. Nur die Hinwendung zu Gott führt sie aus dieser hoffnungslosen Sackgasse heraus. Je stärker das Verlangen nach Göttlicher Liebe in uns ist, desto weniger sind wir von der menschlichen Liebe abhängig. Wenn sie zerstört oder destabilisiert wird, ist es keine Tragödie mehr. Aus meiner Sicht hat der Mensch nur zwei Hauptfunktionen, sich am Leben zu erhalten und sich fortzupflanzen. Das ist ein Beziehungsthema. Sich selbst, seine Fähigkeiten und die Möglichkeit der Steuerung seiner Umgebung weiterzuentwickeln ist das Thema des Talents und des Intellektes. Ohne all das können wir nicht leben. Wenn es aber zum Selbstzweck wird, entsteht zuerst die Abhängigkeit, dann die Aggression, und schließlich kommt es zum Zerfall. Die menschlichen Werte sind also die Gesamtheit des Materiellen und des Geistigen.

Ich musste so schnell wie möglich die Befreiung von materiellen und von geistigen Werten erreichen. Je mehr ich mich darauf konzentrierte, desto mehr wurde die Zeit beschleunigt. In einer bestimmten Beschleunigungsphase sah ich, wie die Abhängigkeit von einem Wert fließend in die Abhängigkeit von einem anderen Wert übergeht. Ein äußerlich auf das Geld konzentrierter Materialist und Pragmatiker wird so, weil er innerlich ein hoffnungsloser Idealist ist, und eine weitere Verstärkung der Abhängigkeit von geistigen Werten für ihn sterbensgefährlich wäre. Ein anderer bezwingt seine Eifersucht und sucht dabei den Halt nicht in der Liebe zu Gott, sondern in seinen Fähigkeiten und seinem Intellekt. Aus der entschwundenen Eifersucht entsteht ein ganz reeller Hochmut. Mir wurde klar, dass es neben diesen Stufen und Schichten des Menschlichen noch tiefere und umfassendere Schichten gibt. Schließlich kam ich auf die Kategorie der Ideale, der Geistigkeit und der edlen Gesinnung. Diese Schicht war weitaus feinstofflicher und umfassender. Auf ihr basierten sowohl Beziehungen als auch Fähigkeiten. Plötzlich begriff ich, dass es außer diesen Schichten des Menschlichen noch viel umfassendere, tiefer liegende Stufen gibt. Letztendlich kam ich auf eine solche Kategorie: Sie umfasste Ideale, Geistigkeit und Edelmut. Das war eine viel feinstofflichere, breitgefächerte Ebene. Sie bildete die Grundlage für Beziehungen und Fähigkeiten. Die Abhängigkeit von dieser Schicht führte zur Abhängigkeit von Beziehungen oder Fähigkeiten. Wenn die Abhängigkeit sehr stark war, wurden im Menschen sowohl die Eifersucht als auch der Hochmut gleichzeitig entfacht. Das Thema der Geistigkeit, des Edelmuts, der Ideale und Hoffnungen war gleichzeitig das Thema des Kontakts mit der Zukunft. Je höher die geistige Ebene eines Menschen ist, je erhabener und edler er ist, je größer seine Träume angelegt sind, desto größere Möglichkeiten zur Steuerung der Zukunft werden ihm eröffnet. Die Vergangenheit ist materiell, die Zukunft ist geistig. Je größer unser Zukunftspotential ist, desto ganzheitlicher und prächtiger gestaltet sich unsere Gegenwart. Je geistiger und edler ein Mensch ist, desto aktiver werden sich in ihm oder in seinen Nachkommen früher oder später Fähigkeiten und Intellekt offenbaren, und desto prachtvoller und harmonischer werden sich ihre Beziehungen gestalten. Alles, was wir haben, kommt zu uns aus der Zukunft und verwandelt sich in die Gegenwart, deswegen bestimmt die Stufe unserer inneren Geistigkeit unsere Fähigkeiten in der Gegenwart. Je geistiger und edelmütiger ein Mensch ist, desto mehr nicht nur geistige, sondern auch materielle Werte werden seine Nachkommen besitzen. Auch wenn seine Kinder und Enkelkinder aufhören, geistig und edelmütig zu sein, werden innere Vorräte ihnen ermöglichen, für eine Weile gar nicht so schlecht zu leben.

Warum sagen sich die Nachfahren oft von der Geistigkeit und dem Edelmut los? Weil die Vergötterung der Zukunft die Abhängigkeit davon erzeugt und schließlich zum Verlust der Zukunft führt. Wenn die Zukunft einem verschlossen ist, stirbt man oder wird unheilbar krank. Je geistiger man ist, desto mehr ist man versucht, diese Geistigkeit anzubeten und von ihr abhängig zu sein.

Erste Anzeichen für eine Abhängigkeit sind die Angst um die eigene Zukunft und um die Zukunft seiner Nächsten und eine starre Konzentration auf Pläne und Träume. Es folgt die schmerzhafte Ablehnung der Zukunftsschwankung, wenn Pläne und Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen und das eingebildete Weltbild sich als unhaltbar erweist, letztlich die Unfähigkeit, das Scheitern der Ideale, Pläne und Hoffnungen anzunehmen. Der Verrat oder die Ungerechtigkeit seitens anderer Menschen oder der ganzen Gesellschaft sind ein Indikator für eine sehr starke Abhängigkeit von der Zukunft, die zu Schicksalsschlägen und gesundheitlichen Problemen führen kann.

Egal wie viele Patienten mit Krebs oder mit Unfruchtbarkeit ich untersuchte, bei jedem von ihnen sah ich, dass ihre Abhängigkeit von Idealen und der Zukunft um ein Vielfaches die kritische Grenze überschritt.

Das Materielle steht also für die Vergangenheit, das Geistige für die Zukunft. Dazu gehören zwischenmenschliche Beziehungen einerseits, Fähigkeiten und Intellekt andererseits. Man muss das ganze Leben überdenken und alle Ereignisse, bei denen diese Werte erniedrigt wurden, als Läuterung annehmen. Man muss das Bedauern der Vergangenheit und die Zukunftsängste auflösen. Gott lernen wir über das Gefühl der Liebe kennen, die von nichts abhängig ist, wohingegen uns jede Aggression von Gott abstößt und uns tief in das Menschliche versenkt. Daher ist das Erste, was beim Überdenken des eigenen Lebens getan werden soll, die Aggression gegenüber der Liebe aufzulösen, die sich als Lebensunlust, Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Schicksal, als Verurteilung und Groll äußerte. Dieses Schema half reibungslos: Tatsächlich wurden Schicksalsschläge, Tragödien und Situationen, die von Fachleuten jahrelang behandelt wurden, einfach und natürlich in ein paar Stunden gelöst.

Eine Patientin erzählte mir zum Beispiel:

“Ich sehe, dass mit meinem Sohn etwas Schreckliches geschieht und kann nichts dagegen tun. Er hatte eine Freundin, sie trennten sich vor kurzem, und er litt sehr darunter. Jetzt gingen alle seine Pläne und Hoffnungen sowohl im beruflichen, als auch im privaten Leben den Bach runter. Er verlor jegliche Kontrolle über die Situation. Mein Sohn ist ein Meister in Kampfkünsten, wurde aber in den letzten paar Monaten mehrfach auf der Straße verprügelt, und es war so, als ob ihn etwas lähmte, so dass er sich nicht zu Wehr setzen konnte. Er spürt die Ausweglosigkeit seiner Situation und fängt an zu trinken. Er rutscht immer tiefer ab und ich bin machtlos, ihm zu helfen.”

Ich brauchte nur wenige Sekunden, um diese Situation auf der feinstofflichen Ebene zu betrachten.

“Sie können sein Schicksal in ein paar Stunden ändern”, sagte ich zu der Frau. “Alles, was Sie aufgezählt haben, wird sich wie Rauch verflüchtigen. Sie müssen jedoch ernsthaft an sich arbeiten. Ihr Sohn hat eine Anhaftung an Ideale, und das bedeutet, dass ihm die Zukunft verschlossen ist, und zwar zu einem Wert, der um das Fünffache das gefährliche Niveau übersteigt. In bedeutendem Ausmaß ist das über Sie gekommen, da sie nicht für die Göttliche Liebe, sondern für Ideale, Geistigkeit und Edelmut gelebt haben. Sie verachteten geistig Arme, also die unfähigen, dummen, prinzipienlosen und ehrlosen Menschen. Sie wollten nicht mehr leben, wenn Ihre Ideale erniedrigt wurden, wenn man Sie verriet oder Sie unfair behandelte. Bevor man ein Kind empfängt, um es mit einer größeren Portion göttlicher Liebe zu versorgen, muss man von allem Menschlichen Abstand nehmen. Aber je mehr man an etwas hängt, desto schmerzhafter erfährt man diese Loslösung, die über die Kränkung seitens anderer Menschen kommen kann. Wenn wir das nicht annehmen, kommt die Loslösung über Krankheiten, Unglücksfälle oder gar Tod. Wenn wir nicht verstehen, dass die uns von einem anderen zugefügte Kränkung eine von Gott gesandte Gnade ist, werden unsere Kinder zur Läuterung Krankheiten und Unglück bekommen. Gehen Sie Ihr Leben noch einmal durch, spüren Sie, dass die allerhöchsten und heiligsten Werte nichts im Vergleich mit der Liebe zu Gott sind. Nehmen Sie jede Erniedrigung oder Ungerechtigkeit an als eine Chance, Ihr Kind zu retten, als eine Möglichkeit, sich selbst zu verändern über die Loslösung vom Menschlichen und Ausrichtung auf das Göttliche. Dabei müssen Sie nicht nur für Ihr Kind, sondern auch für die Enkelkinder beten. Auf der feinstofflichen Ebene sehe ich einen dunklen Fleck, der sich an ihren Sohn lehnt. Das ist sein zukünftiges Kind. Um gesund auf die Welt kommen zu können, muss seine Seele gereinigt werden. Das geschieht bereits über die Erniedrigung der Ideale und der Geistigkeit bei seinem zukünftigen Vater. Je mehr Sie sich nachträglich auf die Läuterung einlassen und durch die eigene Veränderung Ihren Sohn und Ihre Enkelkinder in Ordnung bringen, desto mehr schwindet die Notwendigkeit einer Zwangsläuterung. Je weniger unsere Seele von den menschlichen Werten abhängig ist, desto weniger Unannehmlichkeiten und Unglücksfälle sind notwendig, um sie zu reinigen. Wenn Eltern ihre Einstellung zur Vergangenheit und zur Gegenwart reell veränderten, änderte sich nicht minder reell sowohl ihre Gegenwart und Zukunft, als auch die ihrer Nachkommen”.

Ich habe schon längst aufgehört, mich darüber zu wundern, wenn der Charakter eines Kindes und sein Schicksal sich in einigen wenigen Stunden änderten. Ich erinnere mich, wie ich einer meiner Bekannten immer wieder sagte, dass ihr ältester Sohn umkommen könnte. Sie betete, arbeitete an sich, aber nichts änderte sich.

“Weißt du”, erzählte sie mir, “ich versuchte, meinen Sohn ebenfalls irgendwie an der Arbeit zu beteiligen. Aber kaum schalte ich das Video mit deinem Auftritt ein, läuft er schreiend aus dem Zimmer, und wenn ich versuche, ihm aus deinen Büchern vorzulesen, weigert er sich rigoros, mir zuzuhören.”

“Ich möchte nicht, dass du mir im Nachhinein böse bist”, sagte ich zu ihr, “aber die Überlebenschancen deines Sohnes verringern sich immer mehr”.

Auf die stumme Frage in ihren Augen antwortete ich:

“Entweder fängst du jetzt an, dich tatsächlich zu ändern und überzeugst deine Seele, dass das Göttliche wichtiger als das Menschliche ist, dass jedes menschliche Glück nur eine Möglichkeit ist, die Liebe zu Gott zu akkumulieren, oder dein Kind kann in der nächsten Zukunft sehr krank werden und sterben.”

Sie saß bewegungslos eine Weile einfach nur da, dann sagte sie: “Gut, ich werde es versuchen”.

Am Abend rief sie mich an. Anfangs konnte sie nicht sprechen, da sie heftig weinte. Ich dachte, es wäre ein Unglück geschehen.

“Weißt du”, erzählte sie schluchzend, “vor einer halben Stunde kam mein Ältester zu mir mit deinem Buch in der Hand und bat mich, ihm daraus vorzulesen”.

“Warum weinst du denn?”, wunderte ich mich.

“Weil ich glücklich bin.”

Meine Forschungsarbeit nahm also einen abgeschlossenen Charakter an. Dennoch ließen sich viele schwere Erkrankungen nur mühsam behandeln. Ehrlich gesagt verstand ich nicht, woran es lag. Eine annehmbare Erklärung lautete: In diesem Fall musste das Ausmaß der Verletzung höherer Gesetze und der Aggression gegen die Liebe in den letzten Leben sehr groß sein. Deswegen verliefen die charakterlichen Änderungen sehr langsam. Die zweite Ursache verbarg sich wohl in der Tatsache, dass es außer der Ebene der Ideale und der Geistigkeit noch weitere tiefergreifende und umfassendere Ebenen geben musste. Als ich Dutzende und Hunderte möglicher Varianten sondierte, kam ich zum Ergebnis, dass nach den Idealen die Ebene des Willens kommt, danach kommt die Ebene des Lebens.

Die gesamte Reihenfolge sah so aus: Zuerst materielle Güter, dann Beziehungen und Fähigkeiten, gefolgt von Geistigkeit, Edelmut und Idealen, und schließlich Wille, das menschliche Schicksal und Leben. Wenn ich also die Anhaftung an das menschliche Leben auflöse, verringert sich meine Abhängigkeit gleichermaßen vom Willen, von Idealen und von allem anderen. Man könnte daher so beten: “Herr, mein ganzes Leben und jedes menschliche Glück sind ein Mittel, die Liebe zu Dir zu mehren.”

Zeitweises Abstandnehmen von allen Freuden des Lebens reduziert die Abhängigkeit vom Menschlichen und verleiht dem Gebet mehr Wirksamkeit. Man könnte das Ausmaß der Abhängigkeit von jedem Wert feststellen, wobei das Augenmerk besonders auf die Hauptwerte gelegt werden soll: das Leben, das Schicksal, der Wille. Als ich das verstand, wusste ich, dass meine Diagnose im Jahr 1991 und die darauffolgende Vorbereitung auf den Tod nicht zufällig waren.

Im November 1991 traf ich den zukünftigen Redakteur und Herausgeber meines ersten Buches. Im Juni 1993 wurde das Buch fertiggestellt. Da es vom Göttlichen handelte und eine sehr ernstzunehmende und gewaltig wirkende Information enthielt, musste das Buch energetisch rein sein. Dem Tod in die Augen blicken, von allem Abschied nehmen, was mir lieb und teuer war, letztendlich der Abschied vom Leben selbst, all das half mir, mich in Ordnung zu bringen und die Seele zu reinigen.

Die Glieder der Wertekette waren beschrieben, das System wurde vollendet. Im Prinzip können alle Ursachen für eine Erkrankung beseitigt werden, wenn man die Abhängigkeit von allen Gliedern des Menschlichen auflöst. Da jedoch die menschliche Liebe verschiedene Ausmaße hat, muss man lernen, die Liebe zu Gott auch dann zu bewahren, wenn nicht nur die ersten Schichten der menschlichen Liebe erschüttert werden, sondern auch die weiteren, viel tiefer greifenden. Es blieb mir nur, mich selbst nach diesem System vollständig in Ordnung bringen. Dennoch musste ich ehrlich zugeben, dass das Gefühl der vollständigen Zufriedenheit fehlte. Bei jeder Sprechstunde mit unerklärlichem Vorfall erschienen immer wieder neue Tatsachen, die mich zum Umdenken und zur weiteren Entwicklung bewogen haben. Einmal wurde ich von meinen Freunden gefragt:

“Ist es möglich, die menschliche Seele zu vergöttern?”

“Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht”, antwortete ich. “Der Logik zufolge befindet sich der größte Teil unserer Seele, der nicht ewig lebt, in Zeit und Raum und kann somit auch zum Anbetungsobjekt werden.”

In meinem System gab es jedoch kein Konzept dafür, so konnte ich nichts mehr dazu sagen.

Es gab noch eine seltsame Tatsache in meiner Forschung. Sie hing mit der Zukunft zusammen. Der Zukunftsparameter verhielt sich aus irgendeinem Grund instabil. Im Prinzip, wenn es keine Abhängigkeit vom Leben, glücklichem Schicksal und vom Willen gab, sollte es schon gar keine Anhaftung an die Zukunft, d. h. an Prinzipien, Träume, Ideale, darauffolgende Beziehungen oder Fähigkeiten geben, geschweige denn von materiellen Werten. Dennoch stieß ich von Zeit zu Zeit auf problematische Patienten, deren Parameter alle in Ordnung waren, abgesehen von dem der Zukunft. Das Thema der Zukunft schien mit noch etwas verbunden zu sein, irgend etwas nährte es noch. Wenn ich nicht verstehe, woher die Destabilisierung dieses Parameters kommt, sehe ich nicht die grundlegenden Ursachen, die eine Krankheit hervorrufen können und stehe in einer schwierigen Situation hilflos da. Zwar war mir das alles klar, dennoch blieben alle meine Versuche, diese Situation zu erklären, erfolglos. Ich muss zugeben, ich hatte auch keine Kraft dafür, denn jede von den Feldstrukturdeformationen, die ich erkenne, bedeutet für sich alleine noch gar nichts. Das Wichtigste ist, sie zusammenfassend auszuwerten, zu systematisieren. Dafür braucht man sehr viel feinstoffliche Energie. Hier stellten mein wachsender Bekanntheitsgrad und die damit verbundene Verbesserung der finanziellen Lage eine immer größere Gefahr da. Ich konnte mir früher nicht vorstellen, wie viel Kraft für Einkäufe, Besorgungen und Haushaltsarbeiten verbraucht wird. All das erfordert ständige Kontrolle über die Situation. Eine solche Lebensführung war für mich neu und stellte eindeutig eine Überforderung dar. Jedes Buch schrieb ich, um die damals aktuelle Situation in Ordnung zu bringen. Das erste Buch erschien als Erkenntnis der Tatsache, dass wir absolut falsch leben und einander falsch behandeln. Niemand wusste damals wirklich Bescheid, welchen Sinn unser Leben hat, was die Ursache für Krankheiten ist und wie das Verhalten der Eltern sich auf die Gesundheit und das Schicksal ihrer Kinder auswirkt. Heute schreiben viele über dieses Thema, da es sehr attraktiv geworden ist. Damals war es eine Entdeckung. Ich schrieb das erste Buch und erkannte dann, dass die wichtigste Ursache für Krankheiten sich nicht in der Vergötterung des Materiellen verbirgt. Der Wunsch, Familie, Beziehungen zu den nahestehenden Menschen, Fähigkeiten und Intellekt zum Sinn des Lebens zu machen, kann eine weitaus ernster zu nehmende Ursache für eine Krankheit sein, als alle materielle Aspekte es je sein können.

Im ersten Buch schrieb ich, dass die Hauptquelle der Krankheiten die Anbetung des Materiellen und des Irdischen ist. Es stellte sich jedoch heraus, dass das größere Problem der heutigen Welt die Vergötterung des Geistigen ist. Da aber das erste Buch und auch die nachfolgenden Bücher auf meiner eigenen Forschung und den Schlussfolgerungen, die sich während meiner Arbeit mit Patienten mehrfach bestätigt haben, basierten, stellte sich seine Auswirkung als enorm stark heraus. Das Wichtigste dabei war der Impuls der Ablösung vom Menschlichen. Im zweiten Buch versuchte ich, den Mechanismus der Überwindung von menschlichen Werten irgendwie auszubalancieren. Unter normalen Bedingungen hätte ich zum Schreiben jedes Buches 5—7 Jahre gebraucht. In diesem Fall trieb mich die Erkenntnis der Tatsache, dass eine nicht ausbalancierte Information gefährlich werden kann, zur weiteren fieberhaften Suche.

Als ich das zweite Buch beendete, wollte ich für ein paar Jahre Pause machen. Aber auf einmal wurde mir klar, dass es noch etwas geben müsste, was vieles erklären konnte. Es ging um die Vergötterung menschlicher Liebe. Die Fähigkeit, die Liebe zu Gott zu bewahren und nicht nach den Schuldigen zu suchen, wenn der Gipfel des menschlichen Glücks — die menschliche Liebe — erniedrigt ist, bedeutet die Fähigkeit, im bedeutenden Ausmaß die Anziehungskraft des Menschlichen aufzulösen. Die Menschen, die nach dem Lesen meiner ersten drei Bücher zu mir in die Sprechstunde kamen, waren im Großen und Ganzen in Ordnung, bis auf eine seltsame Tatsache: Die Abhängigkeit von den höchsten geistigen Werten und vom Bewusstsein überstieg bei ihnen die kritische Grenze um das Mehrfache. Genau das ist oft die Ursache für Unfruchtbarkeit und Krebs. Das bedeutete, dass die Information nicht vollständig war, und ich in manchen wichtigen Aspekten den

Leidenden nicht helfen konnte. So erschien das vierte Buch. Für gewöhnlich fangen bei mir vor Beginn jedes Buches und nach seiner Fertigstellung große Schwierigkeiten an. Je wertvoller die Information ist, desto stärker werde ich durchgerüttelt, damit mein Buch energetisch in Ordnung gebracht werden kann, da das Buch die Information des Autors in sich trägt, wie ein Kind die Information seiner Eltern. So wie Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind und für sie büßen, wenn diese von ihnen falsch erzogen wurden, so bin auch ich für jedes Buch verantwortlich.

Nach dem vierten Buch bemerkte ich keine besonderen Läuterungserscheinungen. Ich dachte, dass alles mehr oder minder in Ordnung gebracht wurde und ich mich erholen und mit etwas anderem beschäftigen kann. Da jedoch meine Hauptinformationsquelle die Arbeit mit Patienten ist, hielt ich ab und zu Sprechstunden ab, bei denen ich zudem überprüfen konnte, wie effektiv meine Entdeckungen den Kranken helfen können.

Sehr langsam, mühsam vergleichend, diagnostizierend, kam ich zu der Schlussfolgerung, dass das Thema der Zukunft, der Prinzipien und Ideale eine noch feinstofflichere und tiefer greifende Schicht hinter sich haben muss. Diese ist mit solchen Begriffen verbunden, wie Moral, menschliche Liebe, religiöse Weltanschauungen, und aus irgendeinem Grund mit Alterungsprozessen. Letzten Endes kam ich zu der Erkenntnis, dass diese Schicht als menschliche Seele bezeichnet wird.

Ich werde nicht in jeder Einzelheit beschreiben, wie ich auf all das kam. Darüber könnte man ein eigenes Buch schreiben. Hier nur eine kurze, komprimierte Beschreibung des Weges, den ich zurücklegte. Mir wurde klar, dass meine vorherigen vier Bücher alle menschlichen Werte zu zwei Gruppen zusammenfassen: den materiellen und den geistigen. Es gibt aber noch einen weiteren Begriff, und zwar “seelische Werte”, und es stellt sich heraus, dass alle menschlichen Werte letztendlich zum Begriff “der Mensch” selbst zurückzuführen sind, das heißt zu Körper, Geist und Seele. Die Vergötterung des geliebten Menschen erzeugt die Abhängigkeit vom Körper, vom Geist und von der Seele, und das bringt die Abhängigkeit von allen anderen menschlichen Werten hervor. Das bedeutet, dass man den geliebten Menschen nicht als die Quelle des persönlichen Glücks ansehen soll, sondern als eine Hilfe im Streben nach Gott, bei der Akkumulation der Göttlichen Liebe. Je größer die Abhängigkeit vom geliebten Menschen ist, desto mehr Ansprüche werden an ihn gestellt. Dementsprechend löst die Fähigkeit, dem geliebten Menschen zu verzeihen und keine Ansprüche an ihn zu stellen, die Anhaftung an Ideale, Moral, Fähigkeiten, Beziehungen und auch materielle Werte.

Das war eine neue Information, die ich erst dann veröffentlichen konnte, nachdem ich mich von ihrer Richtigkeit in der Praxis, bei der Behandlung der Kranken überzeugt hatte. Das bedeutete für mich, dass ich mich wieder sammeln und meine Forschung fortsetzen musste.

Ich führe ein paar Beispiele an, wie ich mit der neuen Information arbeitete.

Ein Moskauer Bekannter erzählte mir von einem seltsamen Fall, der ihm widerfahren ist:

“Ich kehre von meinem Sommerhäuschen zurück, die Straße ist absolut frei, die Geschwindigkeit ziemlich hoch. Plötzlich kommt von nirgendwo ein Stein herbeigeflogen. Er fliegt direkt in die Frontscheibe, auf meinen Kopf zu. Wie durch ein Wunder konnte ich noch etwas nach rechts ausweichen. Die Frontscheibe ging zwar kaputt, ich blieb aber am Leben. Kann man erklären, womit das zusammenhängt?” Ich schloss die Augen und betrachtete die Situation,

dann sagte ich zu ihm:

“Du hast eine junge Geliebte. Du bist in sie verliebt und weil du viel älter bist als sie, hast du deswegen Minderwertigkeitskomplexe. Je mehr du darunter leidest, desto stärker wird bei dir das Selbstvernichtungsprogramm. Dieses Programm wird zuerst im Bereich des Kopfes blockiert. Da sich das Programm bei dir sehr schnell entwickelt hat, hast du keinen allergischen Schnupfen bekommen, sondern die Gefahr eines ernsthaften Schädeltraumas.”

Er schaute mich erstaunt an:

“Es stimmt alles hundertprozentig. Warum war die Warnung denn so hart, fast tödlich?”

“Weil in euren Feldern ein gemeinsames Kind ist. Ob es in diesem Leben geboren wird, oder im nächsten, kann ich jetzt nicht sagen. Aber jetzt bildet es sich auf der Feldebene heraus. Ein falsches Verhalten, besonders in emotionaler Hinsicht ist gefährlich für das Kind.”

Er rang immer noch mit seiner Verwunderung:

“Ich verstehe immer noch nicht, wie du auf all das kommst und wie du das sehen konntest”.

“Hier gibt es nichts Mysteriöses”, antwortete ich. “Dein Selbstvernichtungsprogramm beträgt 500 Einheiten. Der Hintergrund ist eine Frau, aber nicht die Ehefrau. Dabei kommt bei dir ständige Selbstverachtung zum Vorschein. Diese hängt mit dem Thema der Seele auf das ich neulich kam zusammen und zwar mit dem Bereich, der sich auf das Alter bezieht. Das war es auch schon.”

“Wie soll ich mich jetzt weiter verhalten?”

“Wenn es um die Liebe geht, dann vergiss, wie alt deine Geliebte ist und wie sie aussieht. Du solltest schon auf dein Äußeres achten, aber sich grämen, weil du arm, hässlich oder alt bist, ist nicht zulässig.”

Beim zweiten Fall handelte sich um eine Patientin aus Israel. Sie erzählte:

“Wissen Sie, mein Mann hat obsessive Zustände. Er ist dann wie vom Teufel besessen. Kann ich ihm irgendwie helfen?”

“Natürlich können Sie das”, sagte ich. “Hatten Sie Emotionen der Verachtung und Verurteilung gegenüber den orthodoxen Juden?”

Sie zuckte leicht mit den Schultern:

“Nein, noch nie.”

“Ich frage Sie noch mal: Hatten sie irgendwelche negativen Emotionen ihnen gegenüber?”

Sie wurde nachdenklich und sagte:

“Naja, ich war schon immer ihnen gegenüber kritisch eingestellt, und mein Mann glaubt überhaupt nicht an Gott.”

“Im letzten Leben war ihr Mann ein orthodoxer Gläubiger”, sagte ich. “Die Religion erlaubte ihm, ein hohes Niveau der Sittlichkeit und der Geistigkeit zu erreichen, und Sie fingen an, die höchsten Aspekte der menschlichen Seele in ihm und in sich selbst zu vergöttern. Je mehr Sie etwas in jemandem vergöttern, desto mehr verliert er das. Was ein an Geld armer Mensch ist, wissen wir. Ein körperlich Armer ist ein behinderter oder ein schwächlicher Mensch. Ein geistig Armer ist ein primitiver, dummer, untalentierter Mensch. Ein seelisch Armer ist ein moralisch verkommener Mensch, ein Schuft, ein Mörder, oder der, der sich vom Glauben an Gott abwendet, oder jener, welchen man als “besessen” bezeichnet.

Je mehr Sie die menschliche Seele anbeten, desto mehr verliert sie Ihr Ehemann. Da sich unsere Seele in einem gewaltigen Ausmaß durch religiöse Gebote und religiöse Weltanschauungen entwickelt, verstärkt die Verurteilung jeder beliebigen Religion oder deren Anhänger die Anhaftung an die Seele, was uns und unseren Nächsten dann das Unglück bringt. Deswegen müssen Sie Ihr Leben noch mal Revue passieren lassen und jegliche Vorurteile gegenüber jeder Religion auflösen. Beten Sie um Vergebung für die Verurteilung der Menschen, die ihre religiösen Empfindungen verletzt haben. Kein religiöses Gebot kann zum Selbstzweck gemacht werden. Sie sind, wie auch alles andere, nur ein Mittel, um die Liebe zu Gott zu mehren. Nicht umsonst zerbrach Moses die Steintafeln mit 10 Geboten. Je weniger Sie religiöse Aspekte vergöttern und von ihnen und von den höchsten Aspekten Ihrer Seele abhängig sind, desto mehr wird Ihr Mann zu seiner eigenen Seele wiederfinden.”

Ich erinnere mich an eine weitere interessante Situation.

Eine junge Frau kam zu mir mit einem Problem:

“Ich habe zu nichts Lust. Alle meine Gefühle sind verschwunden. Ich bin vollkommen abgestumpft.”

“Gefühle sind mit der Seele verbunden”, erklärte ich ihr.

“Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihre Seele verlieren, ist Ihre Anhaftung an sie wohl sehr groß. Die Ursache ist folgende: Sie verachteten ständig die Gesellschaft und den Staat.”

“Warum wurde ich dann nicht krank? Warum muss ich auf diese Weise leiden?”

“Wenn Sie gezielt auf einen konkreten Menschen böse wären, würde auch das Selbstvernichtungsprogramm gezielt zurückkommen. Sie hassen — das Sehvermögen lässt nach, Sie sind eifersüchtig — Schlaganfall oder Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, langer Groll — Herzund Lungenerkrankungen, ständige Kritik und logische Verurteilung — Leber. Da sie aber gegen große Menschengruppen und gegen die ganze Welt Groll hegten, hat ihr Selbstvernichtungsprogramm ein enormes Ausmaß und befällt nicht nur den Körper und den Geist, sondern auch die Seele. Wenn Sie sich wieder an ihren Gefühlen erfreuen wollen, lösen sie nachträglich die Unzufriedenheit mit der Welt, mit dem Staat und mit allen Menschengruppen auf.”

Psychologische hilfe für die oberstufenschüler

Betrachten wir kurz die Probleme, vor denen Schüler der oberen Klassen stehen können. Damit man ein beliebiges Problem lösen kann, muss man die Situation steuern können. Je abhängiger der Mensch von jeder Situation ist, desto weniger Möglichkeiten hat er, sein Potential zu entfalten und die wichtigsten Lebensfragen zu lösen. Da der Schüler im Kreise seiner Familie lebt, braucht er die Fähigkeit, die mit der zwischenmenschlichen Kommunikation verbundenen Familienprobleme zu lösen. Jugendliche, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, bereiten sich auf das eigenverantwortliche Arbeiten oder auf das weitere Studium vor. Das Spektrum ihrer Möglichkeiten und dementsprechend der Anforderungen, die an sie gestellt werden, wächst rapide. Die erste Liebe, Aufbau seriöser Beziehungen zum anderen Geschlecht — all das geschieht auf einer viel höheren emotionalen Ebene, als es in der Pubertät der Fall war. Viele junge Männer bereiten sich auf den Wehrdienst vor, und das übersteigt in der Regel ihre gewöhnliche psychische und physische Belastbarkeit.

Fasst man alle Probleme zusammen, vor denen Jugendliche in diesem Lebensabschnitt stehen, sieht man, wo der Kernpunkt ihrer Veränderungen liegt: Das ist der Beginn des selbstständigen Lebens, was zwar viel größere Möglichkeiten, aber auch viel größere psychische Belastung bedeutet. Je nachdem, wie sehr der Jugendliche emotional ausgeglichen ist, wie er seine Umwelt aufnimmt und auf sie reagiert, kann er sich selbst entsprechend in der Zukunft verwirklichen. Folglich sollte man feststellen, was die wichtigste Bedingung für die Bildung einer richtigen Reaktion auf die Umwelt ist, und wie man sein muss, um von der Situation nicht abhängig zu werden und die Möglichkeit zu haben, Probleme zu überwinden und gesetzte Ziele zu erreichen.

Wenden wir uns an die Erforschung des Empfindungsvermögens als solches. Was ist die Natur der Emotionen? Was sind unsere Gefühle? Ist das Empfindungsvermögen nur lebenden Organismen zu eigen? Es gibt Dutzende Theorien über die Herkunft des Empfindungsvermögens und zahlreiche Versuche, seine Natur zu verstehen. Versuchen wir, eine neue Vorstellung davon zu bilden, ausgehend von den wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen der letzten Jahrhunderte.

In den letzten Jahren wurde die Welt vor ein sehr ernstes wissenschaftlich-ethisches Problem gestellt — das Klonen jeglicher lebender Organismen, einschließlich des Menschen selbst. Erinnern wir uns, wie der Mechanismus des Klonens entdeckt wurde. In einer gewöhnlichen Zelle teilt sich die genetische Doppelspirale nicht. Das geschieht nur in den Geschlechtszellen. Das Chromosom in der Geschlechtszelle hat die Fähigkeit, sich zu teilen. Die Wissenschaftler entfernten aus der Geschlechtszelle das Chromosom und führten ein anderes Chromosom aus der gewöhnlichen Zelle ein. Die Zellflüssigkeit zerriss das Chromosom und zwang es somit, sich zu vermehren, was bedeutete, dass jede Zelle eines Organismus einen neuen Organismus hervorbringen könnte. Früher nahm man an, dass alle Prozesse in der Zelle von dem in ihrem genetischen Code abgespeicherten Programm bestimmt sind. Das, was die Zellflüssigkeit mit dem Chromosom machte, zeugt von einem Vermehrungsmechanismus, der unabhängig von der genetischen Information funktioniert. Diesen Mechanismus können die Wissenschaftler noch nicht erklären.

Die nächste Entdeckung: Anfang des letzten Jahrhunderts wurde ein Paradoxon entdeckt, das nach Einstein, Podolski und Rosen benannt wurde (EPR-Effekt). Bei diesem Effekt geht es um Folgendes: Zwei Teilchen, die von einem Punkt kommen und sich voneinander entfernen, behalten dennoch eine bestimmte Verbindung zueinander. Wenn wir auf ein Teilchen einwirken, sehen wir die Reaktion auch bei dem zweiten Teilchen. Das bedeutet, dass eine energetische Wechselwirkung in Zeit und Raum stattfindet. Der Kernpunkt dieses Paradoxon ist, dass die Verbindung augenblicklich stattfindet. Die Geschwindigkeit des Impulses kann um das Tausendoder sogar um das Millionenfache die Lichtgeschwindigkeit übersteigen. Die Wissenschaftler konnten eine mögliche Erklärung dafür abgeben: Diese unendlich schnelle Wechselwirkung zwischen den zwei Teilchen kann man nur dadurch erklären, dass, obwohl sie sich auf der physischen Ebene voneinander entfernen, sie dennoch auf der feinstofflichen Informationsebene miteinander verbunden bleiben, und zwar dort, wo es keine Zeit und keinen Raum gibt, oder genauer gesagt, dass sie zu einem Punkt, zu etwas anderem werden.

Eine weitere Entdeckung: Wenn ein Weltraumobjekt sich uns nähert, verschieben sich die Spektrallinien näher zum violetten Bereich des Spektrums. Wenn das Objekt sich entfernt, verschieben sich die Spektrallinien in den roten Spektrumsbereich. Im Jahr 1942 wurde vom österreichischen Physiker Christian Doppler der Effekt der Rotverschiebung entdeckt. Es stellte sich heraus, dass jedes Weltraumobjekt, das wir von der Erde beobachten, sich mit einer großen Geschwindigkeit von uns entfernt. Dabei gibt es kein Zentrum für die Expansion des Weltraums. Er dehnt sich gleichmäßig in jedem Punkt aus. Interessant, dass einige Jahrzehnte zuvor der amerikanische Dichter Walt Whitman in einem Gedicht den folgenden Gedanken äußerte:

“Ich schaue aus dem Fenster und sehe den Himmel, sehe die Sterne und Galaxien, die sich von mir weiter und immer weiter entfernen.” Derselbe Walt Whitman sagte einmal:

“Zwischen dem Hut und den Schuhen habe ich nicht genug Platz.” Er war ein gewöhnlicher Reporter und schrieb keine Gedichte. Ein genialer Dichter wurde er an einem Tag. Diesen Moment beschreibt er so: “Eines Tages legte ich mich ins Gras und schaute zum Himmel. Auf einmal spürte ich, dass der Sinn der Existenz des ganzen Universums die Liebe ist.” Auf diese Weise können wir über unsere Gefühle die Information über die Prozesse im ganzen Universum, über die Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft erhalten.

Darauf kommen wir noch zurück.

Seit den 30er Jahre des letzten Jahrhunderts sahen die Wissenschaftler das Universum ganz anders. Statt eines statischen, unerschütterlichen Weltbilds kam das Modell eines beweglichen, pulsierenden Universums auf. Die Wissenschaftler kamen zu der Erkenntnis, dass das Universum aus einem Punkt entstanden ist. Dieses Ereignis erhielt den Namen “Big Bang”.

Dann stellte sich heraus, dass dieses Modell der Menschheit bereits seit vielen Jahrtausenden bekannt ist und in der altindischen Philosophie beschrieben wurde.

Vor der Entstehung des Universums waren Zeit und Raum also in einem Punkt zusammengepresst und hatten eine ganz andere Natur. Jede neue Entdeckung des letzen Jahrhunderts stellte den Mythos der Unerschütterlichkeit unseres Weltbildes bloß. Anfang des letzten Jahrhunderts dachten die Physiker, dass die Beschreibung des physischen Weltbildes im Prinzip abgeschlossen sei und nur mit feineren Details ergänzt werden könnte. Die darauf folgende Quantenphysik stellte alle Vorstellungen über die Welt auf den Kopf. Es stellte sich heraus, dass jedes Teilchen gleichzeitig auch eine Welle ist, und 1906, ein paar Jahre vor der Veröffentlichung der Relativitätstheorie, stellte Minkovski fest, dass Raum, Zeit und Materie ein einheitliches Kontinuum darstellen, und da sie ein Ganzes sind, können sie ineinander überfließen und sich ineinander verwandeln. Einige Jahrzehnte später wurden virtuelle Teilchen entdeckt. Das Vakuum lässt Teilchen entstehen, die Sekundenbruchteile existieren und dann wieder zerfallen. Die Physiker änderten ihre Einstellung gegenüber der Materie. Es entstand eine neue Definition der Materie. Das, was wir früher als Materie bezeichneten, stellte sich als auf eine bestimmte Weise strukturierter Raum heraus.

Zurück zum Empfindungsvermögen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen ihm, der Entstehung des Universums und den darin ablaufenden Prozessen? Jede Emotion eines Lebewesens ist ein Programm, das sich in Zeit und Raum entwickelt. Je größer das Ausmaß der Emotionen, desto größere Möglichkeiten hat das Subjekt, die Ereignisse um es herum zu beeinflussen und sich an seine Umgebung zu adaptieren. Jede ablaufende Situation, die sich in Zeit und Raum entwickelt, entsteht aus einem Punkt, einem Ursprung.

Egal welche Ausmaße sie annimmt, sie behält ihre ursprüngliche Einheit. Das heißt, dass für jedes Ereignis sozusagen ein Keim existiert, in dem seine Entwicklung als ein Programm angelegt ist. Damit man ein Ereignis steuern kann, muss man es modellieren können.

Diese Modellstudie kann man auf zwei Weisen betreiben. Bei der ersten Herangehensweise stellt man den Vergleich zwischen verschiedenen Situationen an, die auf der äußerlichen, physischen Ebene ablaufen, man bereitet sie nach und nach auf und fasst sie zu einem Informationspunkt zusammen. Der Sinn des abstrakten Denkens (der Zusammenfassung) liegt also darin, dass man das sich in Zeit und Raum ausgebreitete Ereignis wieder zu einem Punkt zurückführt. Der zweite Weg der Erkenntnis führt über die Gefühle. Das ist ein unmittelbares Zusammenwirken mit dem primären Informationskern. Hier spielen der Verstand, die Analyse und die Bewertung absolut keine Rolle und können sogar die Erkenntnis stören. Das heißt, dass in jedem Menschen ständig zwei gegensätzliche Prozesse ablaufen. Der Gedanke, das Bewusstsein verdichten Raum, Zeit und Materie, darauf bestrebt, sie zum Punkt zusammenzupressen. Gefühle gebären Raum, Zeit und Materie und dehnen sie immer weiter aus. Die Pulsation kann man in jedem Objekt des Universums beobachten. Da das Universum nicht nur im Raum sondern auch in Zeit holografisch ist, verbergen sich in jeder Sekunde gleichzeitig das Entstehen und das Verschwinden des Universums.

Je größer und breiter gefächert unsere Gefühle sind, desto größere Zeitabschnitte und auch größeren Raum umfassen sie. Die Informationsdichte eines Gefühls kann wachsen und letztendlich die Größe des gesamten Universums erreichen. Wenn jedes Teilchen gleichzeitig auch eine Welle,

d. h. der Raum ist, können wir behaupten, dass jedes Objekt im Universum eine wellenartige Natur hat. Folglich nimmt jedes Objekt auf der feinstofflichen Ebene das Volumen des ganzen Universums ein. Beliebige Objekte im Universum können sich auf der äußeren Ebene grundlegend unterscheiden, auf der Wellenebene sind sie unverbrüchlich miteinander verbunden, und auf der primären Informationsebene sind sie absolut einheitlich.

Folglich hat jedes Objekt vollständige Information über das ganze Universum und die in ihm stattfindenden Ereignisse. Da der Mensch gleichzeitig sowohl eine Feldals auch eine räumliche Struktur darstellt, die auf der feinstofflichen Ebene das ganze Universum ausfüllt, kann man vermuten, dass sich die wichtigsten Informationsprogramme bei ihm nach dem einheitlichen Informationsfeld in den Feldstrukturen befinden, und erst dann in die physischen Strukturen übergehen.

Es gibt Tausende und Abertausende von Fakten, die beweisen, dass das menschliche Empfindungsvermögen, das informative Zusammenwirken mit der Umgebung, auch nach dem Einstellen der physiologischen Funktionen fortbestehen. Das Sehen, nachdem der Mensch das Sehvermögen verloren hat, Kommunikation nach dem Zerfall des Gehirns usw. zeugen davon, dass unser Empfindungsvermögen und unsere Emotionen eine Feldnatur haben, und dass es außer dem physischen Genotyp, außer den stofflichen Chromosomen, auch einen Feldgenotyp geben muss. Nur damit kann man die Möglichkeit des Klonens erklären, wenn die Zellenflüssigkeit ein Programm ausführt, dessen stoffliche Träger fehlen. Wenn es jedoch den Feldgenotypen und das Empfindungsvermögen auf der Feldebene gibt, können wir behaupten, dass die menschliche Persönlichkeit auch nach der vollständigen Zerstörung der physischen Hülle existiert, d. h. der Mythos über die Seelen der Verstorbenen wird zu Realität. Wir reden vom Ausmaß der menschlichen Emotionen, das ein bestimmtes Volumen an Zeit und Raum umfasst.

Die größte von allen Emotionen ist das Gefühl der Liebe. Sie ist am wenigsten von zeitweiligen Ereignissen abhängig und ist durch die äußere Welt nur minimal bedingt. Je tiefer das Empfindungsvermögen des Menschen, je umfassender sein Gefühl der Liebe, ein desto größeres ZeitRaum-Volumen kann er modellieren, kontrollieren und steuern, dementsprechend größere intellektuelle, geistige Fähigkeiten kann er besitzen.

Aggressivität ist eine Art Schutz. Sie entsteht dann, wenn ein Lebewesen die Situation nicht kontrollieren kann, in die es hineingeraten ist. Folglich: Je mehr Liebe der Mensch in seiner Seele hat, desto weniger aggressive Emotionen braucht er, um die Situation zu steuern. Wenn jedes beliebige Objekt auf der feinstofflichen Ebene das ganze Universum einnimmt, muss es also das absolute Gefühl der Liebe geben, dass mit seiner Größe das gesamte Universum umfasst und alles im Universum erzeugt. Jedes Objekt im Universum trägt in sich dieses Gefühl als ein absolutes Programm. Folglich besitzt nicht nur die belebte Natur ein Empfindungsvermögen, sondern auch die unbelebte. Wenn die unbelebte Natur empfindungsfähig ist, können wir davon ausgehen, dass bei ihr bestimmte Formen von Bewusstsein vorhanden sind, mit Hinblick darauf, dass sowohl das Empfindungsvermögen als auch das Bewusstsein in der unbelebten Natur auf der Feldebene existieren.

Das Universum entstand aus einem Punkt und es bleibt einheitlich, ungeachtet der immer neu erscheinenden Formen des Raums und der Materie. Je mehr der Mensch seine Möglichkeiten zur Bewahrung und zur Mehrung des Gefühls der Liebe entfaltet, je weniger dieses Gefühl von den äußeren Ereignissen abhängt, desto näher wird dieser Mensch dem ursprünglichen Wissen sein, desto schneller werden sich seine Möglichkeiten zur Steuerung der Umwelt entfalten und desto harmonischer wird er sich entwickeln.

Die Schüler der Oberstufe bereiten sich auf ein neues Leben vor, das um einiges komplexer als ihr vorheriges Leben ist. Wenn sie lernen, Ereignisse zu modellieren, sie zu verstehen, werden sie diese erfolgreich steuern können. Je erfolgreicher der Lehrer ihnen die bewusstseinsorientierten und die sensitiven Erkenntnismethoden vermittelt, desto einfacher wird ihre Anpassung verlaufen.

In erster Linie findet die Erkenntnis auf dem sensuellen, emotionalen Weg statt. Wenn der Lehrer es schafft, die Schüler davon zu überzeugen, dass innere Friedfertigkeit und das Gefühl der Liebe Hauptbedingungen für die Anpassung an die Lebensumstände sind, werden die jungen Menschen schneller und einfacher schwierige und qualvolle Situationen überstehen. Eine fehlerhafte Weltanschauung erzeugt einen fehlerhaften Charakter. Ein fehlerhafter Charakter erzeugt falsche Handlungen. Falsche Handlungen führen zu Krankheiten, Unglücksfällen und zum Schwinden von Perspektiven und Möglichkeiten.

Die Weltanschauung eines Menschen gründet auf einigen wichtigen Fragen:

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Glück?

Wie wird man glücklich?

Wie verhält man sich richtig in der Gesellschaft und in der Familie?

Wie kann man im Leben etwas erreichen? Wie kann man sich selbst besser machen?

Wenn ein Kind materielle Werte zum Sinn des Lebens erhebt, wird seine emotionale Welt ärmer und seine kognitiven Fähigkeiten nehmen ab. Von vornherein hat es eine schlechte Anpassungsfähigkeit an die Umwelt und reagiert mit aggressiven Gedanken und Handlungen auf jede ungewöhnliche Situation.

Wenn der Sinn des Lebens für einen Jugendlichen in der Entwicklung seiner Fähigkeiten und seines Intellektes besteht, ist sein emotionales Spektrum weitaus breiter. Deswegen hat er viel größere Möglichkeiten, sich an die Umwelt anzupassen und glücklich zu werden. Er mag zuerst materiell auf der Verliererseite stehen, später wird er zwangsläufig Größeres erreichen. Egal, wie der menschliche Intellekt, seine Fähigkeiten und seine Logik ausgeprägt sind, sie kontrollieren und steuern nur eine geringe Menge an Zeit und Raum. Deswegen kann die Anpassung eines solchen Menschen bei größeren Prozessen nicht schnell sein, und er ist zu langsam verlaufenden, aggressiven Emotionen gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt verdammt. Entsprechend groß ist auch das Ausmaß der aggressiven Handlungen, und die Folgen sind entsprechend schwerwiegend. Solche Menschen können chronische unheilbare Krankheiten und eine ganze Reihe an Unannehmlichkeiten und Unglücksfällen bekommen. Jede aggressive Emotion breitet sich in Zeit und Raum als ein Programm der Zerstörung der Welt aus. Je länger diese aggressive Emotion existiert, desto größeres Ausmaß in Zeit und Raum erreicht sie, desto stärker wird ihre Informationsdichte. Wenn die größte Sättigung erreicht ist, geht das Programm vom physischen Objekt zu seiner Feldstruktur über.

Die Einheit auf der Feldebene führt dazu, dass das Programm der Selbstvernichtung, d.h. die aggressive Emotion gegenüber einem anderen Menschen, sich umkehrt und gegen seine Quelle richtet. Das bedeutet, dass lang gehegter Groll, Hass, Verurteilung, Rachegelüste früher oder später zum Selbstvernichtungsprogramm, zum langsamen oder schnellen Selbstmord mutieren. Somit trägt eine Weltanschauung, die zum Hauptziel materielle oder geistige Werte erhebt, von Anfang an Aggression und zukünftige Probleme in sich.

Auch wenn der Mensch höchste geistige Aspekte zum Ziel setzt, wie etwa Ideale, Moral, Sittlichkeit, Liebe zu einem anderen Menschen oder einer Menschengruppe, ist seine emotionale Erkenntnis des Universums begrenzt und schließt somit die Aggression mit ein.

Wenn ein junger Mensch versteht, dass Sinn und Ziel des Lebens in erster Linie darin bestehen, das Niveau der Liebe zu erreichen, bei welchem das Universum seinen Anfang nahm, dann werden alle seine sekundären, nachträglichen Ziele mit dem Hauptziel verbunden sein, und auf diese Weise werden seine Möglichkeiten zur Anpassung und zur Erkenntnis der Welt maximiert.

Je umfassender die Emotion der Liebe ist, desto stärker ist ihre Informationsdichte, eine desto feinstofflichere Ebene kann sie erreichen und desto näher ist sie zu der ursprünglichen Informationsebene.

Das bedeutet, dass das Gefühl der Liebe nach der Zerstörung der physischen Hülle des Menschen weiter existiert. Im Gegensatz dazu verlieren wir mit dem Alter und dem Tod alle materiellen und geistigen Werte. Deswegen bedeutet für uns der Wunsch, das Sammeln der materiellen und geistigen Werte zum Ziel des Lebens zu machen, von Anfang an ein psychisches Trauma und unüberwindbaren Stress.

Folglich werden unser materieller Wohlstand, das Niveau unserer Talente und unseres Intellekts, das Niveau unserer geistigen Fähigkeiten und die Fähigkeit, die Umwelt steuern zu können, bestimmt durch das Ausmaß unseres Empfindungsvermögens und in erster Linie durch die Fähigkeit, das Gefühl der Liebe zu empfinden.

Je mehr das Gefühl der Liebe von materiellen und geistigen Aspekten, von momentanen Situationen abhängig ist, ein desto geringeres Volumen an Zeit und Raum umfasst es und desto weiter entfernt es sich von der Urquelle. Und umgekehrt: Wenn ein Mensch sich nicht auf aggressive Emotionen, sondern auf Friedfertigkeit und Liebe konzentriert und sich nach und nach von den Abhängigkeiten befreit, die ihn an die Außenwelt binden, nähert er sich der Urquelle und bekommt die Möglichkeit zu seiner harmonischen Weiterentwicklung.

Der Mensch, der die Liebe aus materiellen Gründen oder zugunsten von Prinzipien und Idealen unterdrückt, ordnet strategische Methoden der Welterkenntnis den taktischen unter und wird deswegen früher oder später scheitern. Das Gefühl der Liebe, das den Menschen erfüllt, ist für sich allein wertvoll und seine Unterdrückung kann durch nichts gerechtfertigt werden.

Ein rachsüchtiger, übelnehmerischer Mensch versucht seine Umgebung über seine Prinzipien, seine Moral und Sittlichkeit zu steuern. Die Breite seiner Emotionen schrumpft, die Fähigkeit der Anpassung an seine Umgebung sinkt. Darauf folgt gezwungenermaßen eine neue Welle aggressiver Emotionen. Wenn ein Mensch jedoch von dem Wunsch, Rache zu nehmen, zu verurteilen und zu grollen, bewusst Abstand nehmen kann, wachsen seine Möglichkeiten, die Welt zu erkennen und zu steuern. Und wenn ein Jugendlicher danach strebt, die Friedfertigkeit zu bewahren und sich darauf konzentriert, sein Gefühl der Liebe zu festigen, wird er immer die Situation kontrollieren und Schwierigkeiten überwinden können, egal, wie groß die Spannweite seiner Tätigkeit ist.

Stresssituationen im leben eines jugendlichen

“Stress ist Tod” behauptete der Begründer des Begriffs “Stress” Hans Selye zuerst. Nach einigen Jahren der Forschung kam er zu einer gegensätzlichen Meinung: “Stress ist Leben”. Das bedeutet, dass nicht der Stressmechanismus als solcher eine Gefahr darstellt, sondern eine falsche Einstellung zu dem, was wir als Stress bezeichnen. Wenn ein Ereignis sich für uns als gefährlich herausstellt, werden wir in einen Stresszustand versetzt, der die inneren Reserven unseres Organismus freisetzt und somit sein Überleben ermöglicht. Der Stress spornt in erster Linie zur aktiven Tätigkeit und zu inneren und äußeren Veränderungen an. Äußere aktive Handlungen helfen, im Augenblick zu überleben — das ist das taktische Überleben. Innere Veränderungen dienen dem strategischen Überleben und eröffnen neue Perspektiven.

Die Biologen führten interessante Tests durch: In bereits existierenden Kolonien von Mikroorganismen beträgt die Anzahl der Mutationen im Durchschnitt 2—3%. In der Regel sind die Mutanten kaum lebensfähig. Früher betrachtete man sie als einen Fehler im genetischen Code der Gemeinschaft. Wenn aber die Lebensbedingungen abrupt ungünstig werden, wächst die Anzahl der Mutanten bis zu 30% an. Es entstehen Individuen mit völlig anderen Fähigkeiten, die dafür sorgen, dass die Kolonie überlebt.

Dieser Mechanismus kann auch beim Menschen ziemlich einfach angewendet werden. Zeitweilige äußerliche und innere Destabilisierung ist für die Anpassung an die Umgebung unerlässlich. Die Ergebnisse der anthropologischen Forschung zeigen, dass der Mensch nicht zum Menschen geworden wäre, hätte es keine regelmäßigen, für ihn negativen Veränderungen auf der Oberfläche unseres Planeten gegeben. Wenn der Mensch nichts isst, wird er sterben, wenn er aber ab und zu fastet, wird er länger als üblich leben. Somit ist der Stress nicht nur für die Anpassung des Menschen an seine Umgebung notwendig, sondern auch für seine Entwicklung. Bleibt nur zu klären, in welchen Fällen der Stress gefährlich ist und in welchen nützlich.

Es gibt 3 Arten von Stress: Der Stress als eine unangenehme Situation in der Gegenwart, der Stress als die Nichtannahme und das Bedauern der Vergangenheit und der Stress als die Angst vor der Zukunft. Betrachten wir die erste Art von Stress.

Im Mittelalter führte der Gelehrte Avicenna das folgende Experiment durch: Er band ein gesundes, wohlgenährtes Schaf fünf Meter von einem Wolf entfernt an. Drei Tage später starb das Schaf.

Ein anderes Beispiel: Ein Schaf bringt ein totes Lamm zu Welt. Sein Organismus ist vergiftet und nichts kann es retten. Man gibt ihm ein neugeborenes Lamm eines anderen Schafes. Es fängt an, das Lämmchen zu säugen, kommt auf die Beine und überlebt.

Drittes Beispiel: Eine Horde Affen wird vom plötzlichen Aufheulen einer Sirene erschreckt. Alle Affen laufen panisch weg von diesem Ort. Ein Affe wird so angebunden, dass er nicht fliehen und sich nicht bewegen kann. Dieser Affe bekommt einen Herzinfarkt.

Was ist im ersten Fall geschehen?

Stress setzt Schutzkräfte frei und schaltet den Organismus auf Höchstleistung. Wenn er jedoch zu lange anhält, folgt darauf nervliche und energetische Erschöpfung, die zur Krankheit oder zum Tod führen kann. Somit erlaubt die Fähigkeit, rechtzeitig Stresszustände abzuschalten, Gesundheit und Kräfte für die weitere Entwicklung zu bewahren. Auch wenn es seltsam klingen mag, solche Situationen geschehen bei den Menschen permanent, nur der “Wolf” befindet sich sozusagen etwas weiter entfernt.

Jeder von uns hat Situationen, die direkt oder indirekt unser Leben, unsere Gesundheit, Karriere und unser Glück bedrohen. Wenn wir regelmäßig den Lebensrhythmus und die Situationen, in denen wir uns befinden, ändern, wird aus dem Dauerstress ein wohldosierter Stress, aus dem gefährlichen Stress ein nützlicher. Diejenigen, die Rucksacktourismus lieben, Ausflüge in die Natur machen und Sport treiben, lernen in erster Linie, vom Stress und unangenehmen Situationen, die mit dem Haushalt und der Arbeit verbunden sind, abzuschalten. Wer gelernt hat, den Stress zu steuern, kann dieses Gift zur Medizin umwandeln.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Der Wolf wird so angebunden, dass er sich nicht bewegen kann, das Schaf wird direkt an den Wolf gebunden. Der Stress wird beim Schaf viel schneller vergehen und es wird überleben, da der Wolf nicht mehr nur ein Todessymbol ist, sondern ein Lebewesen mit Fell, Geruch und Bewegungen. Zuerst wird der Stress so groß sein, dass das Bewusstsein sich entweder abschaltet oder verlangsamt. Danach ändert sich die Einstellung zur Gefahrenquelle. Durch die Veränderung der Einstellung zum Stress kann man seinen Stellenwert herabsetzen.

Wenn sich bei einem Menschen die einseitige Einstellung gebildet hat, dass man dem Stress entfliehen, ihn loswerden muss, wird solch eine eingefahrene Herangehensweise bei ihm Probleme hervorrufen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben auf der Arbeit einen Kollegen, der Ihnen gar nicht gefällt. Sie können nicht kündigen, aber ebenso wenig können Sie seine Anwesenheit ertragen. Wenn diese Situation lange andauert, wird Ihre physische und psychische Gesundheit darunter leiden. Jetzt stellen Sie sich vor: Sie werden sich dessen bewusst, was genau sie an diesem Menschen nicht mögen, dann gehen Sie auf ihn zu und fangen ein Gespräch an. Versuchen Sie, soviel wie möglich über ihn und seine Familie zu erfahren, machen Sie es so lange, bis ein warmherziges Gefühl bei Ihnen entsteht. Sobald dieses Gefühl stabil wird, verschwindet der Stress. Die Bewahrung der inneren Friedfertigkeit und die Fähigkeit, positive Eigenschaften in jedem Menschen zu finden, erlauben uns, unsere Einstellung zum Stress zu ändern und ihn zu verringern.

Und nun stellen Sie sich vor, dass Ihr Gespräch mit diesem Menschen damit endet, dass er Sie beschimpft und verflucht. Es mag zwar seltsam erscheinen, aber sie werden sehen, dass sich bei Ihnen innere Friedfertigkeit und das Gefühl der Freude einstellen und am nächsten Tag werden Sie diesem Menschen mit Gleichmut begegnen können. Warum ist das möglich? Weil Sie unterdrückte Vorwürfe auf die äußerliche Ebene gebracht haben, d. h. Sie haben versucht, die Stresssituation zu steuern. Wenn das Schaf vor Angst ständig geblökt hätte, hätte es überleben können. Eine ständig negative Bewertung einer Situation kann zu schweren Erkrankungen und zur Verminderung des schöpferischen Potentials führen. Um es einfach zu sagen, sieht der Mensch einen Wolf dort, wo es ihn nicht gibt. Eine harte Bewertung von Menschen und Umgebung, Fixierung auf negative Seiten des Lebens führen zum ständigen unterbewussten Stress und folglich zu Krankheiten und zum Nachlassen geistiger Fähigkeiten.

Gehen wir zu der zweiten Situation über: Der Organismus des Tieres ist durch die Totgeburt geschwächt, mit Toxinen vergiftet, durch die Schwangerschaft strapaziert. Hier wird weniger die äußere Situation, sondern vielmehr der innerliche Zustand des Organismus destabilisiert. Ein lebender Organismus ist eine Kolonie von Zellen, in welchen es ständig zu Veränderungen und Zerfall kommt. Diese Veränderungen geschehen kontrolliert und sind durch bestimmte Funktionen zusammengefasst. Wenn der Umfang der Destabilisierung jedoch die Funktionskapazität übersteigt, wird der Organismus krank oder stirbt. In diesem Fall musste das Schaf sterben, weil der Umfang der Veränderungen in seinem Organismus zulässige Werte überschritten hatte. Das Schaf bekommt ein neugeborenes Lamm und dadurch wird der Mechanismus der Abgabe von Liebe und Wärme an ein anderes Lebewesen verstärkt. Der Stresspegel wird auf diese Weise ertragbar. Daraus folgt: Die Vorräte an innerer Friedfertigkeit, Liebe und Seelenwärme bestimmen unsere Möglichkeiten beim Überwinden von Stress. Unsere Fähigkeit, den Stress zu überwinden, hängt also direkt von unserem Charakter ab.

Verbitterte, gallige Menschen, ständig versucht, warme, freundschaftliche Gefühle zu unterdrücken, dezimieren ihre Möglichkeiten zur Anpassung und zur Erkenntnis ihrer Umwelt. Früher oder später wird die innere Aggressivität, die Unterdrückung von Liebe und Gutmütigkeit nicht nur die physische Gesundheit beinträchtigen, sondern auch der Psyche schaden und die Fähigkeiten und das schöpferische Potential mindern. In den Konzentrationslagern, wo die Menschen sich im immerwährenden Stresszustand befanden, starben als erste Kriminelle und verbitterte und verzweifelte Menschen. Als letzte starben Adlige und Gläubige, also Menschen, für die Friedfertigkeit und die Bewahrung von Liebe die wichtigsten Prinzipien waren.

Jahrelang versuchten amerikanische Wissenschaftler die Ursache für starke Bauchschmerzen bei Kindern in den ersten Lebensjahren zu finden. Dafür wurden einige tausende Menschen untersucht. Es stellte sich heraus, dass unter solchen Schmerzen vor allem die Kinder leiden, deren Eltern sich vor und während der Schwangerschaft ständig aufregten. Das bedeutet, dass negative Emotionen und nicht überwundener Stress, von den Eltern vor und nach der Empfängnis empfunden, an ihre Kinder weitergegeben werden und sich bei diesen auch noch verstärken.

Die Nachforschungen zeigten an einigen hundert Beispielen, dass der in der Kindheit oder der Jugendzeit nicht überwunde Stress sich negativ auf den Charakter und das Schicksal dieser Kinder auswirken kann. Ein neuer Mechanismus der Selbstregulation wurde entdeckt: Wenn ein Mensch sich auf das Gefühl der Friedfertigkeit und Liebe konzentriert und danach in Gedanken erneut alle Stresssituationen zehnfach oder hundertfach durchgeht, kommt es zu positiven Veränderungen nicht nur bei ihm, sondern auch bei seinem Kind. Über diesen Mechanismus können Eltern die Fähigkeit ihrer Kinder, Stresssituationen zu überwinden, erheblich steigern. Darüber hinaus konnten Eltern in vielen Fällen ihren Kindern helfen, nicht nur physische, sondern auch psychische Krankheiten zu heilen.

Beim nicht überwundenen Stress ist Krankheit eine Hilfe. Physische oder psychische Krankheit destabilisiert den Zustand eines Organismus. Ein Stress wird von einem anderen verdrängt. Im Rahmen einer Krankheit verläuft jede neue Stresssituation viel ruhiger, da sie auch viel ruhiger angenommen wird. Wenn man jedoch innerlich friedfertiger wird und bereit ist, anderen Menschen seelische Wärme zu geben, ob nun mit Worten, Verhalten oder Fürsorge, ist man fähig, jeden Stress zu überwinden. Das akkumuliert sich in unserem Unterbewusstsein, ändert unseren Charakter und hilft uns folglich, viele Krankheiten loszuwerden.

Gehen wir zum dritten Fall über. Belebtes unterscheidet sich vom Unbelebten durch die Reaktion auf die Umgebung. Jede Veränderung der Umgebung ruft bei uns positive oder negative Emotionen hervor. Die Sirene heult auf und das laute Geräusch destabilisiert den inneren, psychischen Zustand der Affen, was auch den physischen Zustand bedroht. Um sich innerlich weiterhin wohlfühlen zu können, fliehen die Affen. Wenn ein Affe handlungsunfähig ist, ruft der ununterbrochene Stress bei ihm Emotionen der Angst, des Hasses und der Lebensmüdigkeit hervor. Die Todesursache bei diesem Affen waren negative und aggressive Emotionen.

Was geschieht im Leben eines Menschen?

Stellen wir uns eine Situation vor, wenn zwei Menschen unverschuldet beleidigt worden sind. Der erste macht seine Ansprüche geltend und versucht, die Situation zu verändern. Je mehr Versuche er unternimmt und je aktiver er dabei ist, die Ursachen für das Geschehene zu ermitteln, desto weniger negative Emotionen wird es in seiner Seele geben. Der zweite ist einfach beleidigt, unternimmt nichts und macht sich damit “bewegungsunfähig”. Als Ergebnis kann er eine Krankheit kriegen. Folglich hängt unsere Fähigkeit, Stress zu überwinden, davon ab, wie engagiert wir sind, in welchem Maß wir bereit sind, eine negative Emotion in verschiedene Handlungen umzuwandeln. Neueste Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler auf dem Gebiet der Langlebigkeit zeigen, dass allen langlebigen Menschen nur zwei Faktoren gemein sind: Friedfertigkeit und aktive Lebensweise. Eben diese Fähigkeiten sind für die erfolgreiche Überwindung von Stresssituationen notwendig.

Eine aggressive, beleidigte Emotion ist ein Selbstverteidigungsversuch, sozusagen ein Wunsch, die Stressquelle zu vernichten. Wenn man also einem Menschen beibringen würde, wie er sich verteidigen kann, gäbe es weniger Groll in seiner Seele, und er würde weniger unter den Folgen des nicht überwundenen Stresses leiden. Nehmen wir an, ich wurde beim Wohnungskauf betrogen. Wenn ich nicht weiß, was ich dagegen unternehmen kann, werde ich von Groll und Hass erfüllt. Wenn ich jedoch die Gesetze kenne, einen Rechtsanwalt konsultiere, Freunde befrage, was man in solchen Fällen machen könnte, besteht meine Verteidigung nicht mehr aus gefährlichen, aggressiven Emotionen, sondern wird zu einem System durchdachter Handlungen. Noch etwas sehr Wichtiges: Wenn ich im Voraus alle möglichen ungünstigen Varianten durchgehe, werde ich auch beim Aufkommen einer unvorhergesehenen Variante weniger gestresst sein. Eine der Hauptbedingungen für die Überwindung von Stress ist, darauf vorbereitet zu sein!

Wenn ich eine Stresssituation als eine für die Entwicklung notwendige Bedingung in mein Leben einschließe, bin ich im Voraus bereit, Stresssituationen zu meistern.

Als die Einwohner von Paris sahen, wie die Soldaten Peters des I. nach dem Schwitzbad ins Eisloch sprangen, dachten sie, dass diese Selbstmord begehen wollten. Das Eiswasser verbunden mit einem gutmütig-fröhlichen Zustand wurde vom Gift zur Arznei. Nach einer alten russischen Tradition ist es verboten, in der Sauna zu streiten und Schimpfwörter zu benutzen. Wenn ein Mensch gereizt und unzufrieden in die Sauna geht, kann er danach krank werden.

Noch vor hundert Jahren starben Schiffbrüchige nach einigen Tagen an Hunger. Heute, nachdem die Menschen erfahren haben, dass Hungern auch gesund sein kann und es Informationen darüber gibt, wie man richtig fastet, führen 20, 40, 50, 70 Tage Fasten zu keiner übermäßigen Unterernährung. Es wurde jedoch folgende Tatsache erkannt: Wenn ein Mensch während des Fastens nervös ist und sich Sorgen macht, sollte man das Fasten abbrechen, da es seiner Gesundheit sonst schaden würde.

Das Unvermögen, eine Form von Stress zu überwinden, dehnt sich sofort auf alle anderen Stresssituationen aus. Viele, die auf eine unüberwindbare Situation stoßen und dabei aggressive Emotionen empfinden, die ja unser Hauptfeind bei der Anpassung an unsere Umwelt sind, fangen an, dieselben Gefühle in jeder Situation zu empfinden und merken das anfangs nicht einmal.

Wenn jemand zum Beispiel früher seine Eltern hart verurteilte, behandelt er danach alle anderen Menschen genauso. Oftmals ist die Stressquelle unsere Weltanschauung. Wenn wir ständig den Schuldigen suchen, erzeugt das unweigerlich aggressive Emotionen und mindert unsere Anpassungsfähigkeit. In der Zeit, als der Personenkult in der Sowjetunion abgeschafft wurde und die Menschen die Wahrheit über das tatsächliche Geschehen erfuhren, befand sich das ganze Land in einem Stresszustand. Als Reaktion versuchte man, Stalin als eines der Staatsoberhäupter für alles verantwortlich zu machen. Es entstanden aggressive Emotionen, Verachtung, Verurteilung, Hass. Dieser nicht überwundene Stress hatte danach negative Folgen. Einige weitsichtige Forscher sagten, dass es gar nicht um Stalin geht. Eine der führenden Persönlichkeiten, Trotzki, war ein noch viel grausamerer Mensch, und, wie sich herausstellte, verletzte Stalin nicht die von Lenin ausgearbeiteten Prinzipien. Nun beschuldigte man Lenin. Die Wahrheit über ihn erwies sich als noch schockierender. Dann wurde aufgeklärt, dass Lenin sich im Prinzip gemäß dem Programm verhielt, das die Werke von Marx und Engels beinhalten. Erst heute fangen viele an zu verstehen, dass die Ursache für die Leiden des Landes nicht in der Unzulänglichkeit irgendeiner Person oder Personengruppe lag, sondern in der Unzulänglichkeit der kommunistischen Theorie und dementsprechend unserer Vorstellung über die Welt und die Menschen.

“Es gibt keine Menschen, es gibt nur Ideen”, sagten die alten Inder. Folglich sind die richtige Vorstellung über die uns umgebende Welt und die Antriebskraft, die Welt zu ergründen, unerlässlich für die Überwindung von Stresssituationen von großem Ausmaß.

Das Studium philosophischer und religiöser Quellenschriften hilft uns eine einseitige Auffassung von Welt und Situationen zu überwinden. Das, was ich heute für schädlich halte, kann sich morgen als nützlich herausstellen. Ein solcher Ansatz kann uns helfen, die negativen Emotionen aufzuhalten und die für die Überwindung von Stress notwendige Friedfertigkeit in jeder Situation zu bewahren.

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch seine Fähigkeit, abstrakt zu denken. Für einen solchen Vorgang sind ein gut entwickeltes Gedächtnis und Vorstellungkraft nötig. Das Gedächtnis erlaubt uns, die vergangenen Ereignisse zu analysieren und sie mit ihrem Ergebnis in der Gegenwart zu vergleichen, Verallgemeinerungen anzustellen, die das Verständnis für die Welt erweitern, was wiederum unsere Anpassungsfähigkeit steigert. Die Vorstellungskraft ermöglicht uns, die Zukunft zu modellieren. Je aktiver unsere Vorstellung arbeitet, je mehr imaginäre Modelle wir bilden können, desto besser können wir uns in der Gegenwart orientieren und uns auf die Zukunft vorbereiten. Aber nicht nur die gegenwärtigen Ereignisse können Stress beinhalten. Manchmal verbirgt er sich in der Vergangenheit oder der Zukunft.

In einer unangenehmen Situation, die uns widerfährt, können wir versuchen, entweder die Situation selbst oder unsere Einstellung dazu zu ändern. Wenn die Situation in der Vergangenheit liegt, ist es nicht mehr möglich, sie zu ändern. Es bleibt nur die Änderung der Einstellung. Wenn wir unsere Emotion aufrechterhalten, immer noch wünschen, diese Situation verändern zu können, die Vergangenheit nicht annehmen und bedauern, entsteht eine psychische Überlastung. Wenn jemand sich sehr lange im Zustand der Überlastung befindet, ob physisch oder psychisch, und dabei minimale positive Emotionen empfindet, entsteht bei ihm ein Stress, der unüberwindbar werden kann und zu gefährlichen Folgen führt. Die Stellung einer unerfüllbaren Aufgabe und der ständige Wunsch, sie dennoch zu erfüllen führen zum physischen oder psychischen Zerfall. Psychische Belastungen sind gefährlicher als physische. Wir merken nicht, wie sie sich anhäufen, aber ihre Folgen spüren wir weitaus länger. Sie können sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken.

Vor Siegmund Freud nahm man an, dass Emotionen spurlos verschwinden, wenn der sie hervorrufende Faktor nicht mehr vorhanden ist. Die Forschungsergebnisse von Freud, Jung und anderen zeigten, dass menschliche Emotionen vielschichtig sind. Es gibt oberflächliche Emotionen als Reaktion auf die Ereignisse um uns herum. Es gibt tief verborgene Emotionen, die wir nicht mal ahnen, aber deren Bedeutung viel größer sein kann als die der oberflächlichen Emotionen. Freud entdeckte, dass unsere Emotionen eine enorme Trägheit besitzen. Auch wenn sie äußerlich verschwunden sind, können sie jahrelang in unserem Unterbewusstsein weiterleben. Die Trägheit der Emotionen ist notwendig für die Funktion des Gedächtnismechanismus. Ohne ein entwickeltes Gedächtnis ist kein Denkprozess möglich. Grundlage des Denkens bildet die Gegenüberstellung von zwei oder mehr Einheiten in Raum und Zeit. Wenn wir eine Situation nicht bewerten, nicht analysieren und keine Vergleiche anstellen, wird der Denkprozess gebremst.

Sowjetische Psychologen führten folgendes Experiment durch: Man tauchte die Hände des Probanden in Gips, der dann hart wurde. An dem Probenden gingen seine Freunde

und Verwandten vorbei, aber er erkannte sie nicht. Es stellte sich heraus, dass der Erkennungsprozess, welcher ja ein Vergleichsprozess, d.h. ein Denkprozess ist, fest mit dem emotionalen Prozess verbunden ist. Wenn der Erkennungsprozess stattfindet, zittern leicht die Finger. Es ist so, als ob der Mensch die Gesichter seiner Nächsten und überhaupt alles, was er sieht, “abtasten” würde. Dieses Experiment und die daraufhin gemachten Schlussfolgerungen sind als Ergebnis folgender Beobachtung entstanden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Lazaretten verletzte Pioniere behandelt, die in der Regel infolge einer Explosion ihre Hände verloren hatten und erblindet waren. Auch wenn ihre Psyche in Ordnung war und der Kopf nicht verletzt wurde, kam es bei ihnen nach ein paar Tagen zu Sprechstörungen, die ziemlich lange andauerten. Wenn man aber dem Patienten aus der Armspindel eine Art Klaue machte, mit der er Objekte abtasten konnte, wurde das Sprechvermögen ziemlich schnell wiederhergestellt.

Aus dem oben Aufgezählten kann man folgende Schlussfolgerung ziehen: Der Hauptmechanismus des Gedächtnisses verbirgt sich in unseren Gefühlen und Emotionen. Ohne das emotionale Gedächtnis kann sich das gedankliche Gedächtnis nicht entwickeln. Alle unsere Emotionen sind mit der uns umgebenden Welt verbunden und helfen uns, sich in ihr zurechtzufinden. Letztendlich werden sie auf die Emotionen zurückgeführt, welche die Basis unserer Instinkte bilden. Diese Emotionen sind viel weitreichender als das Leben eines einzelnen Lebewesens. Sie werden vererbt und umfassen viel mehr Raum und Zeit, als die augenblicklichen Emotionen. Ohne solche langlebigen und weit ausgedehnten Emotionen kann die notwendige Anpassung an die Umgebung nicht stattfinden, da die augenblicklichen Prozesse eine Spiegelung der dauerhaften Prozesse sind. Das bedeutet, dass für die Anpassung eines jeden Lebewesens an seine Umgebung die Basisschicht seines emotionalen Gedächtnisses auf das ganze Universum reagieren muss. Es muss eine Emotion existieren, über welche jedes Lebewesen die Information über alle Prozesse im gesamten Universum erhalten kann. Von der Entstehung allen Lebens an und bis zum heutigen Tag darf diese Emotion nicht unterbrochen werden, und ihre Aktivität muss bei der Bildung informationeller und physischer Strukturen eines Lebewesens maximal sein. Solch eine Emotion kann nur das Gefühl der Liebe sein.

Jedes Lebewesen hat zwei Perioden dieser Emotion. Die erste ist die Bildung der Informationsstrukturen, die zweite ist die Bildung physischer Strukturen. Bei den Tieren wird die erste Periode als Balzspiele bezeichnet, danach kommt die Paarung. Je tiefer ein Mensch das Gefühl der Liebe empfindet, je mehr er dieses Gefühl nährt und bewahrt, um es selbsttätig zu machen, desto mehr Möglichkeiten hat er, sich weiter zu entwickeln.

Das Gefühl der Liebe kann als Hauptinformationsquelle jedes Lebewesens im Universum bezeichnet werden. Es gibt Ereignisse im Umfang des ganzen Universums, Ereignisse im Umfang der Metagalaxis, Ereignisse im Umfang unserer Galaxie usw., und es gibt Ereignisse, die ein paar Meter von uns entfernt stattfinden. Sie alle sind gleich wichtig. Der Unterschied liegt nur in den Zeitabständen. Um den Fortbestand der physischen Hülle oder des mit ihr verbundenen bestimmten Raumes zu sichern, muss ein Lebewesen sich von Zeit zu Zeit aggressiv verhalten. Die Wissenschaftler fanden eine erstaunliche Tatsache heraus: Von allen instinktiven Emotionen erlöschen die aggressiven Emotionen als letzte, woraus manche Psychologen den Schluss zogen, dass der Hauptinstinkt des Menschen und eines jeden Lebewesens der Instinkt der Aggression sein muss. In Wirklichkeit ist die Aggression jedoch die Möglichkeit zur Anpassung in kurzzeitigen Prozessen. Je mehr sich ein Mensch auf diesen Mechanismus konzentriert, desto mehr verschließt er sich der strategischen Anpassung. Um es einfach zu sagen: Menschen mit erhöhter Aggressivität und Feindseligkeit sind auf lange Zeit gesehen nicht lebensfähig. Wenn aggressive Emotionen lange andauern, fangen sie an, das Gefühl der Liebe zu verdrängen und zu zerstören. In diesem Fall wird der Kontakt mit den Informationsprozessen im Universum unterbrochen und das führt zur Krankheit oder zum Tod. Das bedeutet, dass die Trägheit des Gefühls der Liebe und der Friedfertigkeit maximal und die Trägheit von Gefühlen wie Gereiztheit, Aggression und Härte dagegen minimal sein sollen. In einem solchen Fall wird die Anpassung an die Umwelt normal verlaufen.

Kehren wir zur Vergangenheit zurück. Wenn ein Mensch in der Gegenwart eine Situation negativ bewertet, ist es zwar eine kurzzeitige, aber dennoch aggressive Emotion, da jede negative Emotion in sich den Mechanismus der Aggression trägt. In der Gegenwart stellt eine kritische, aggressive Bewertung zwar eine Gefahr dar, diese ist jedoch nicht groß. Wenn wir aber eine Menschengruppe, ein Land oder die ganze Menschheit negativ bewerten, kann sogar eine kurze Einschaltung des Aggressionsmechanismus für den physischen und psychischen Zustand gefährlich sein. Wenn wir die Vergangenheit negativ bewerten, d. h. verachten, verurteilen, bedauern, verstärkt sich die Aggression gegen die Liebe um einige Hundert und Tausend Male. Unsere Anpassungsmöglichkeiten schwinden dementsprechend, und jeder Stress wird unbezwingbar. Deswegen können jegliche negativen Emotionen, die mit vergangenen Geschehnissen verbunden sind, unsere Anpassung in der Gegenwart erheblich mindern, wenn wir unsere Einstellung zum Geschehenen nicht ändern. Der mit den zukünftigen Ereignissen verbundene Stress besteht in der Regel aus den Emotionen der Angst und der Unsicherheit. Wird unser physischer und psychischer Zustand durch diese Emotionen beeinflusst?

Betrachten wir die Emotion der Angst genauer. Für gewöhnlich ist diese Emotion mit der unmittelbaren Bedrohung für das Leben eines Lebewesens verbunden, d. h. sie steht im Zusammenhang mit den kurzzeitigen Prozessen. Ein Leopard setzt zum Sprung an, um einen Affen zu schnappen und ihn zu fressen. Beim Affen entsteht die Emotion der Angst. Diese Angstemotion ist fest mit der Emotion des Hasses und mit dem Wunsch, den Leoparden zu vernichten, verbunden. Jede Angstemotion enthält im Prinzip unterschwellig die Angst und den Wunsch, das Objekt zu vernichten, welches die Angst hervorgerufen hat. Deswegen sind übertriebene Sorge und die Angst vor der Zukunft kurzzeitige aggressive Emotionen, die um das 1000-fache angewachsen sind. Ein Mensch, der sich vor der Zukunft fürchtet, vernichtet sich nicht weniger aktiv, als derjenige, der seine Vergangenheit verflucht und bedauert. Folglich ist eine der Hauptbedingungen zum Überwinden von Stress eine richtige emotionale Einstellung zu der Umwelt und zu den vergangenen und zukünftigen Ereignissen.

Der Organismus eines Oberstufenschülers muss auf den vollkommenen Wechsel des Lebensrhythmus vorbereitet werden. Eine Trennung von den Eltern für das Studium oder den Wehrdienst wird möglich. Man trennt sich von den Schulkameraden. Auf die Stelle des ziemlich ruhigen und gemächlichen Tagesablaufs an der Schule kommen rasante Änderungen, die das Studium oder das Berufsleben mit sich bringen. Der Mehrheit der jungen Männer steht der Wehrdienst bevor, wo es unweigerlich zu physischen und psychischen Überlastungen kommt. Außerdem kommt für gewöhnlich in diesem Lebensabschnitt, 15—18 Jahre, auch die erste Liebe. Der Jugendliche bereitet sich auf das selbstständige Leben vor, darauf, dass er für sich einstehen, seine Interessen verteidigen und seine Ziele verfolgen muss. Er muss sich auch in Konfliktsituationen beweisen.

Die ersten Menschen, die ihm dabei helfen können, sind seine Eltern. Wenn die Eltern eine richtige Position beziehen und ihrem Kind helfen, indem sie nicht nur eine elterliche, sondern auch eine freundschaftliche Beziehung zu ihm kultivieren, ihm zur Seite stehen, dann spürt es ihre Unterstützung in jeder Stresssituation, was das Nervensystem stärkt und die Möglichkeiten erweitert. Die Eltern, die bestrebt sind, jegliches aus ihrer Sicht falsche Benehmen hart zu unterbinden und denken, dass sie damit Ordnung schaffen, irren sich. In Wahrheit schaden sie nur, da sie die Möglichkeiten zur Anpassung verringern, indem sie dem Kind nur das ihrer Meinung nach richtige Verhaltensmodell aufzwingen. Richtige Erziehung muss ständig und tropfenweise geschehen. Ein Eimer auf einmal wird nichts nutzen.

Die Eltern, die sich bemühen zu verstehen, was ihr Kind braucht, fühlen mit ihm und stehen ihm bei, was die Kritik falscher Handlungen nicht ausschließt, und dies hilft besser als jede Belehrung. Wenn die Eltern nicht verstehen wollen, was mit ihrem Kind geschieht und sich mit ihren Forderungen von ihm abschotten, setzen sie es einem unüberwindbaren Stress aus. Das Kind orientiert sich nicht mehr am Gefühl der Liebe und der Freundschaft zu den Eltern, sondern versucht, sich auf sich selbst zu stützen. Das führt zu Egoismus und Hartherzigkeit anderen Menschen gegenüber. Wenn ein Elternteil ständig seine Macht über das Kind zur Schau stellt, unterdrückt er damit die wichtigste Fähigkeit zum Überwinden einer Stresssituation, und zwar die Bewahrung von Liebe und Friedfertigkeit in der Seele des Kindes. Die Erniedrigung des Kindes, die Demonstration der eigenen Überlegenheit dem Kind gegenüber sind keine pädagogischen Maßnahmen und keine Erziehungshilfen, sondern bedeuten eine falsche Konzentration auf die Stärke, den Verstand und auf die eigene Bedeutsamkeit. Je mehr ein Kind innerlich vom Stress geschützt ist, weil seine Seele einen großen Vorrat an Liebe und Friedfertigkeit aufweist, desto schwieriger ist es zu steuern. Man kann ihm nicht befehlen, man muss mit ihm Absprachen treffen. Viele Eltern wollen in ihrem Kind nicht einen Freund sehen, den man respektieren muss, sondern einen Sklaven, der von ihnen abhängig ist. Statt der Liebe und der Friedfertigkeit fühlen sie ihre eigene Überlegenheit und Wichtigkeit. Die ganze Erziehung läuft auf das Verstärken der Abhängigkeit des Kindes vom Elternteil hinaus, auf den Wunsch, eine genaue Kopie von sich selbst anzufertigen. Aber dafür muss man im Kind den wichtigsten Widerstand zerstören, und zwar das Gefühl der Liebe und der Friedfertigkeit. Der Wunsch, das Kind von sich abhängig zu machen, ist bei jedem Elternteil vorhanden. Je weniger er dieser Tendenz nachgibt, je weniger Angst er hat, sich schwach und schutzlos dem eigenen Kind zu zeigen, desto mehr ist er dazu fähig, seinen Kindern nicht die Angst und Verbitterung, sondern Liebe und Friedfertigkeit anzuerziehen, die ihnen später helfen, Prüfungen zu bestehen und vieles im Leben zu erreichen.

Situationskontolle

In letzter Zeit bemerkte ich eine interessante Besonderheit: Man verwehrt mir jeden Versuch, die Situation zu kontrollieren.

Nach einer kurzen Analyse verstand ich, dass das meine Rettung ist. Kaum gehe ich eine Situation an, steigt mein Wunsch, sie vollständig zu kontrollieren, lawinenartig. Sofort reagiere ich mit aufbrausender Gereiztheit bei kleinsten Lappalien.

Meine Patienten erzählten mir oft von einem plötzlich aufkommenden Wunsch, jemanden zu schlagen, auch mit einem Messer zu verletzen, wenn es in der Hand wäre. Auch ich hatte schon mal solche Momente. Ich hielt sie für etwas Krankhaftes, für etwas Pathologisches in meinem Charakter. Jetzt verstehe ich, dass es der ausgeartete Wunsch ist, die anderen zu steuern und diejenigen zu vernichten, die sich nicht fügen. Wenn man sich auf den eigenen Willen konzentriert, vergisst man den Göttlichen Willen. Deswegen ist der Verzicht auf jeglichen Wunsch im Buddhismus die wichtigste Voraussetzung für die Erleuchtung. Man sollte also nicht danach streben zu lernen, wie man die Welt steuert, sondern wie man seine eigene Nachrangigkeit und Schutzlosigkeit spürt. Meinen Patienten erkläre ich oft, dass der Wunsch, die Welt äußerlich zu steuern, eine Entwicklung und Erweiterung der Möglichkeiten ergibt. Der Wunsch, die Welt auf der innerlichen, feinstofflichen Ebene zu steuern ergibt jedoch Krankheiten und den Tod.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund über die Probleme eines gemeinsamen Bekannten.

“Das Niveau seines Hochmuts ist gesteigert”, diagnostizierte ich, “er hat das Gefühl, über den anderen zu stehen, und das ergibt den Verlust von allem, was man hat. Wollen wir mal blind diagnostizieren?”, schlug ich vor, “Und für die Reinheit des Experiments nehmen wir vier Personen, einschließlich uns beiden.”

Ich sah mir die Felder an: “Beim ersten ist alles normal, beim zweiten ist das Niveau des Hochmuts offensichtlich verstärkt.”

“Was ist mit dem dritten?”, fragte mein Freund.

“Das ist ein Todeskandidat, sein Hochmutsniveau lässt bei ihm keine Überlebenschancen zu.”

Ich sah mir noch den vierten Kandidaten an, der mehr oder minder in Ordnung war. Die Nummer zwei war unser Bekannter, der so viele Probleme hatte. Die Nummer drei war ich selbst. Ich verstand sofort, woran es lag. Unterbewusst kam ich auf die viel höheren Ebenen, die andere Welten umfassten. Ein ganzes Jahr betete ich für die Vergebung meiner Anhaftungen an die Geistigkeit, die beim Kontakt mit den vier Welten entstehen. Manchmal ergaben sich bei der Diagnostik Programme auf dem Niveau der siebten und der dreizehnten Ebene. Das war zwar eine oberflächliche, nur Informationszwecken dienliche Diagnostik ohne eine Wechselwirklung, aber bei der energetischen, mehr materiellen Wechselwirkung kommt es zu denselben Folgen, wie wenn man statt eines Rubels eine Million bekommen würde: Der Mensch merkt nicht mal, dass sein Hochmut explosionsartig gestiegen ist und sofort zum Selbstvernichtungsprogramm wurde.

Er ertappt sich nicht bei dem Wunsch, die anderen niederzumachen oder jemanden oder sich selbst umzubringen und begeht Selbstmord oder stirbt an einer schweren Krankheit, ohne verstanden zu haben, was mit ihm los ist. Mir wurde klar, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Es gab nur einen Ausweg, und zwar weiterhin zum Göttlichen zu streben, zu Ihm zu rennen oder zu kriechen und dabei Seine Wirklichkeit in der Seele immer mehr zu spüren.

Wenn ich lerne, vollständig auf die Kontrolle über die Situation zu verzichten, von meinen Wünschen, Plänen und Hoffnungen Abstand nehme, wird mir das zusätzliche Zeit verschaffen und zu überleben helfen.

Diagnostikfehler

Am 27. November wache ich langsam auf und schaue aus dem Fenster. Heute ist schönes Wetter, bei minus 10°C. Die Sonne hat die Zweige der Bäume und die Hauswände rot gefärbt. Ein Hustenanfall erschüttert wieder meinen ganzen Körper. Gleich nach der Präsentation meines fünften Buches bekam ich einen schlimmen Schnupfen und eine Bronchitis. Noch nie hatte ich Probleme vor einem Auftritt, und diesmal wurde mir eine Stunde vor der Präsentation, die am 21. November stattfand, richtig schlecht, sogar bis zur Übelkeit. Ich fühlte mich etwas wackelig auf den Beinen. Ich spürte, dass die Größenordnung der Information, die ich übermitteln will, meine Möglichkeiten der Situationskontrolle übersteigt.

“Gottes Wille geschehe”, dachte ich: “Wenn ich noch ein Zeichen bekomme, werde ich die Präsentation absagen.”

Aber kurz vor Beginn der Präsentation schien es, als ob sich alles wieder legen würde. Gegen Ende der Präsentation war ich völlig heiser und am nächsten Tag fühlte ich mich krank. Etwas wurde beim ersten Auftritt in Bewegung gesetzt, sehr ernste Schichten kamen zum Vorschein. Ich gehe den Ablauf des Auftritts durch und erinnere mich an die wichtigsten Momente, ab denen alles anfing. Das Niveau der Destabilisierung erreichte bei mir die dreizehnte Ebene. Dieses Thema hatte ich schon seit langem und das Selbstvernichtungsprogramm wuchs in mir. Meine Probleme mit dem Sehvermögen und dem Urogenitalsystem verschlimmerten

sich und ich konnte nach wie vor nichts dagegen tun. Im Gedächtnis steigen Sätze aus meinem Auftritt hervor:

“Wenn ein nahestehender, geliebter Mensch Sie gedemütigt hat und Sie eifersüchtig sind, ihn hassen oder verachten, verwandeln sich ihre Emotionen mit der Zeit in ein Selbstvernichtungsprogramm, das im Bereich des Kopfes blockiert wird. Wenn sie in einer zerrütteten Gesellschaft leben, ist es schwieriger, die Schuldigen ausfindig zu machen. Die Unzufriedenheit flammt nicht auf, sondern schwelt die ganze Zeit. Hier wird das Selbstvernichtungsprogramm über den Darm gebremst. Wenn aber unsere Konstanten nicht durch einen Menschen oder eine Menschengruppe zerstört werden, sondern durch die Veränderung der Energetik der Erde oder der Sonne, wird das entflammte Selbstvernichtungsprogramm im Bereich des ersten Chakras blockiert, das bedeutet Funktionsstörungen im Urogenitalsystem oder des Mastdarms, Geschwulste und Verletzungen in diesem Bereich, Impotenz oder Unfruchtbarkeit. Dabei ahnt der Mensch nicht einmal, dass eine Destabilisierung seiner tiefgehenden geistigen Werte begonnen hat. Sein Organismus kann aber mit einem unterbewussten Ausbruch von Aggression und Unzufriedenheit antworten, worauf das Selbstvernichtungsprogramm sein erstes Chakra zerstört, wo sich die Informationssteuerung des gesamten Organismus befindet.

Es gibt eine interessante Tatsache: Die Vergebung, d. h. die Bewahrung von Liebe, oder der Ärger als Aggression gegen die Liebe, schalten sich unabhängig von unserem Willen und Verstand ein, sie werden jedoch durch unsere vorangegangene Erfahrung bestimmt. Konntest du einem geliebten Menschen verzeihen, der dich erniedrigt hatte, wirst du auch die Liebe bei tief gehenden destabilisierenden Einwirkungen bewahren. Wenn du aber eifersüchtig warst, ihn hasstest und verachtetest, bringen die Aggression und

das darauf folgende Selbstvernichtungsprogramm dich automatisch um, was du nicht mal ahnen wirst.

“Unsere Energetik entspricht immer weniger der Energetik der Erde und der Sonne”, erkläre ich: “Die Rückkehr zu Harmonie wird über die Destabilisierung der menschlichen Werte und die dementsprechend größere Menge an Liebe in der ganzen Menschheit erfolgen.”

Heutzutage kann die Menschheit die Göttliche Liebe beim Schwanken der Werte bis zur fünften Ebene bewahren, d.h. der Werte die fünf Welten umfassen. In den nächsten Jahren können die geistigen Strukturen bis zur dreizehnten Ebene destabilisiert werden, was um ca. drei Mal unsere Möglichkeiten übersteigt. Dabei müssen nicht unbedingt globale Katastrophen stattfinden. Die reproduzierende Funktion kann einfach blockiert werden und die Frauen hören auf zu gebären.

Das Selbstvernichtungsprogramm kann aber auch unter anderem durch Katastrophen und Kriege erfolgen. Hier werden diejenigen überleben, die geübt sind, die Liebe bei einer tiefgreifenden Destabilisierung zu bewahren.

Zum Beispiel: Unglückliches Schicksal und finanzieller Bankrott ergeben Schwankungen bis zur 13. Ebene; Demütigung der ersten Liebe und unglückliche Liebe ergeben die Destabilisierung bis zur 19. oder 21. Ebene.

Beschreiben wir es mit einfachen Worten: Ein junger Mann hat sich zum ersten Mal verliebt, er empfand ein überwältigendes Gefühl der Liebe. Das Objekt seiner Liebe, die junge Frau, hat ihn betrogen, beleidigt und für einen anderen verlassen. Aber obwohl seine menschliche Liebe erniedrigt wurde, konnte er die Göttliche Liebe dennoch in erster Linie bewahren, da er von dieser Göttlichen, allverzeihenden, von nichts abhängigen Liebe mehr hatte, als von der menschlichen, abhängigen, ängstlichen und empfindlichen Liebe.

Dieser junge Mann wird in darauffolgenden Katastrophen überleben, egal ob sie innerhalb der Gesellschaft oder weltweit stattfinden. Wenn jemand die Prüfung der ersten Liebe nicht bestanden hat, wird er, ohne es zu ahnen, in jeder weiteren Lebenssituation ebenfalls nicht bestehen.

Da ich durch meine Arbeit mit der Analyse der feinstofflichen Strukturen beschäftigt bin, die zukünftige Ereignisse beinhalten, geschieht mit mir bereits jetzt, was mit den anderen in der Zukunft geschehen kann. Die Schwankungen bis zu der 13. Ebene habe ich bereits jetzt. Das Selbstvernichtungsprogramm nimmt zu und ich kann nichts dagegen machen. Ich irre in meiner Diagnostik nur dann, wenn ich durch das eigennützige Interesse an den Ergebnissen befangen bin. Je größer das eigennützige Interesse ist, desto weniger Chancen bleiben, um eine reine und präzise Information zu erhalten. Deswegen kann ich nichts sehen und nichts verstehen, wenn mir etwas Schlechtes oder gar ein Unglück widerfährt. Dann habe ich nur eine Aufgabe: Die Liebe zu bewahren und nicht nach Schuldigen zu suchen. Je besser ich diese Prüfung bestehe, desto mehr kann ich die wichtigste Information erkennen und sie zu einem System zusammenfassen.

Früher dachte ich, dass meine seherischen Fähigkeiten und meine Methode mich unverwundbar machen. Dann verstand ich, dass mein Wunsch, unverwundbar zu sein, die Hauptquelle der Gefahr bei mir war. Früher dachte ich, dass ich mir die Information selbst nehme. Es stellte sich heraus, dass man sie mir gibt. Man stellte mich vor einige Lebenssituationen, wo ich absolut schutzlos war. Nichts funktionierte, alles brach zusammen. Ich war gezwungen, mich an das Gefühl der Liebe als die einzige Konstante zu klammern. Durch sie stellten sich das Sehen, die Analyse und mein ganzes System wieder her.

Und nun liege ich, sehe zum Morgenhimmel hinauf und in meiner Brust röchelt es. Ich weiß, dass diese Bronchitis in ein paar Tagen ohne jegliche Medikamente abklingen kann. Das eigentliche Problem wird dadurch aber nicht beseitigt. Ich kann mir kein klares Bild davon machen, was eine Destabilisierung bis zu der 13. Ebene ist. Ist sie mit dem Hochmut, mit dem Wunsch, ein glückliches Schicksal zu haben, verbunden? Ist es das Gefühl, nicht mehr leben zu wollen, wenn alles schief geht, was an die Kinder und Enkelkinder weitergegeben wurde? Aber ich ging doch so viele Male alle schwierigen Lebenssituationen durch und löste meine Unzufriedenheit mit ihnen, unter Bewahrung von Liebe. Warum kamen sie wieder hoch mit einer solchen Wucht? In den letzten paar Tagen versuchte ich bereits hundert Mal zu analysieren, was nun geschieht, konnte aber keine Klarheit gewinnen.

Vorerst sehe ich als eine der Hauptursachen das Heranwachsen meiner Kinder und ihre zukünftigen Probleme, die sie nicht bestehen und überwinden können. Meine Tochter hat bereits seit über zwei Monaten Husten. Das hängt mit ihrem zukünftigen Groll auf die Männer zusammen. Für mich ist die Situation absolut einfach. Ich erklärte ihr:

“Du wirst dich durch die anderen beleidigt fühlen und das bestehst du bereits jetzt nicht. Das kann deinen Kindern schaden, daher kommt dein Husten — als Abbremsung deines Grolls, bevor er überhaupt entstanden ist. Verhalte dich richtig. Ändere dich. Der Husten wird dann aufhören.” Er hört aber nicht auf. Wahrscheinlich liegt die Ursache doch bei mir.

Ich erinnere mich an das Jahr 1971, als alle meine Pläne und Hoffnungen bezüglich einer glänzenden Karriere zu Bruch gegangen sind. Ich dachte, dass ich das ganz ruhig angenommen hätte. Es stellte sich aber heraus, dass ich doch Groll gegen die ganze Welt sowie Unlust zu leben hatte, und zwar in einem ziemlich großen Ausmaß. Aus irgendeinem Grund kommen diese tief versteckten Emotionen mit einer bedrohlichen Geschwindigkeit und Wucht wieder hoch. Eine sehr gefährliche Zeit beginnt.

Vor einigen Jahren sagte ich scherzhaft: “Diejenigen, die uns beleidigten und erniedrigten, haben wir früher gehasst. Jetzt lernen wir, denen zu verzeihen, die unsere höchsten Gefühle verletzt haben. Es kommt die Zeit, in der wir uns wünschen werden, jemand möge uns beleidigen, das wird aber nicht geschehen, und unsere Unvollkommenheit werden wir durch Krankheiten und Tod abarbeiten”. Es sieht so aus, als ob diese Zeit für mich gekommen ist.

Ich fange an, zu zerfallen, ohne eine klar erkennbare Ursache. Und all die Unannehmlichkeiten, die es bei mir neuerdings nur so hagelt, reichen offensichtlich nicht aus, um mich wieder in Ordnung zu bringen.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Medium, das Außerirdische channelte. Der Mann, der andächtig vor sich hin sah, erzählte mir Folgendes:

“Ich war Miteigentümer eines großen Unternehmens. Das Basiskapital befand sich im Westen, um die Arbeit zu erleichtern. Sie verstehen schon, der russische Staat verhält sich wie ein kleiner Gauner. Ich habe nicht nur diese Firma geführt, ich habe auch sehr fähige Unternehmer ausgebildet. Jeder von ihnen lässt bereits großes Kapital auf dem Markt für sich arbeiten. Plötzlich wurde ich von diesen Jungs aus dem Weltall unter die Fuchtel genommen und sie verboten mir, mich mit jeglicher unternehmerischer Tätigkeit zu befassen. Als ich sie fragte, was ich tun könnte, war die Antwort einfach: ‘Geh in die Schule und arbeite dort als Sportlehrer.’ Was sollte ich machen? Ich ging hin und arbeitete dort zwei Jahre. Manchmal war meine Familie halb am verhungern. Mehr als das — meiner Tochter wurde verboten, die Berufsfachschule zu besuchen, obwohl sie nur die besten Noten hatte. Als ich fragte, was sie nun machen solle, erhielt ich eine ähnliche Antwort: ‘Sie soll in ein Dorf ziehen, dort leben und nichts machen.’ Ich verstehe, dass man sich mit mir und meiner Frau sehr ernsthaft beschäftigt. Können Sie mir aber sagen, warum man solche Anforderungen an uns stellt und ist das aus der Göttlichen Sichtweise richtig? Ich wurde gewarnt, dass ich bald eine neue Arbeit bekomme und dort sehr hart arbeiten werde. Das ist für mich sehr verwirrend.”

Ich schaute mir die gesamte Situation auf der feinstofflichen Ebene an und sagte zu ihm:

“Beim Denken werden Objekte und Prozesse in Raum und Zeit einander gegenübergestellt. Je umfassender wir die Ursache mit ihrer Folge verbinden können, desto größere Möglichkeiten hat unser Denkvermögen.

Jetzt beginnen auf der Erde Prozesse, die das heutige Niveau des Denkvermögens nicht umfassend einschätzen kann. Einfacher gesagt, können wir uns die Folgen unseres jetzigen Handelns nicht vorstellen. Die Prozesse fangen an, spontan und unkontrollierbar zu werden, und wir verstehen das nicht immer. Wenn die Menschen nicht die Fähigkeit entwickeln, umfassend zu denken, werden wir in einiger Zeit auf Prozesse stoßen, die wir nicht mehr kontrollieren können. Das wird zwar so oder so geschehen, es geht aber darum, die Prozentzahl solcher befähigten Menschen zu erhöhen. Wenn es nicht gelingt, könnte die ganze Zivilisation zugrunde gehen. Dabei ist eine direkte Hilfe seitens anderer Zivilisationen unmöglich. Wir haben ein Immunsystem nicht nur im physischen Körper, sondern auch im Informationskörper. Eine fremde Information kann die ganze Zivilisation einfach vernichten, auch wenn anfangs eine deutliche äußerliche Besserung der Situation sich bemerkbar macht. Die Information, die für die Rettung der Zivilisation nötig ist, muss zuerst durch ihre Vertreter gefiltert und angepasst werden. In diesem “vorverdauten” Zustand ist sie nicht mehr gefährlich.

Ihre drei Hochschulabschlüsse sind nur ein Staubkorn im Vergleich zu der Information, die Sie in den letzten drei Jahren erhielten. Ihr Unternehmen und andere Tätigkeiten erforderten große Mengen feinstofflicher Energie. Um Ihnen das Leben zu retten, wurde Ihnen verboten, die Energie zu verschwenden und man reduzierte Ihre Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum.

Hier gibt es noch eine Feinheit. Das Niveau unseres Bewusstseins ist durch das Maß des Kontakts mit anderen Welten bedingt. Wenn das Ausmaß des Kontakts schnell zunimmt und dabei die Vorräte an Liebe in der Seele übersteigt, wächst die Abhängigkeit von den höchsten geistigen Stufen rapide an. Im alltäglichen Leben erzeugt die Abhängigkeit von den menschlichen Werten zuerst die Angst, dann den Groll und dann die Krankheit. Beschreiben wir diese Kette genauer: Zuerst kommt die Vergötterung des Menschlichen, dann die Arroganz als Wunsch es zu verteidigen, dann die Angst, es zu verlieren, danach kommt der Groll auf die ganze Welt, der Groll gegen sich selbst, dann wird das Selbstvernichtungsprogramm an die Nachkommen weitergegeben, und schließlich wird das ganze durch Unglücksfälle, Krankheiten und Tod blockiert. Wenn wir aber den Kontakt mit den hohen Ebenen anderer Welten herstellen, wird diese ganze Kette in unserem Unterbewusstsein im Schnelllauf durchgespielt und wir nehmen nur das letzte Kettenglied wahr, das sich als unsere Krankheit oder der Tod unserer Kinder äußert. Deswegen sind hochbegabte Medien entweder unfruchtbar oder ihre Kinder sterben.

Als man damit anfing, Sie als Medium zu benutzen und Ihnen Information zu übermitteln, stieg das Niveau Ihres Hochmuts um das Zehnfache, wenn nicht gar um das Hundertfache, an. Dabei spüren Sie das gar nicht. Nicht mal die Außerirdischen können Sie und Ihre Tochter vor dem Tod retten. Wenn man Sie jedoch in dieser Zeit dazu zwingt, von den menschlichen Sorgen Abstand zu nehmen und die menschliche Logik auszuschalten, können Sie über die Göttliche Logik die ganze Information verarbeiten, die für die neuen Formen des Denkens notwendig ist. Das wird Ihnen ermöglichen, so zu handeln, dass sie den Menschen nicht die Vernichtung, sondern die Rettung bringen.”

Persönlichkeit

Ich liege im Bett und schaue in den blauen Morgenhimmel hinein. Als ich vor einem halben Jahr auf das Thema der Persönlichkeit kam, traten die Anzeichen für eine ernsthafte Gefahr auf, bis hin zu mystischen Vorfällen, die als Warnung dienen sollten. Die Größe einer Persönlichkeit wird durch das Ausmaß der Erfassung anderer Welten bestimmt. Wenn ich mich also mit diesem Thema beschäftige, wird der Umfassungsradius sich unweigerlich ausweiten und es ist möglich, dass ich nicht in der Lage sein werde, das Wachsen meines Hochmuts zu bewältigen.

Entspannt sehe ich aus dem Fenster und denke nach, was man machen könnte. Der Zerfall fing bei mir schon vor über einem Jahr an: Salzablagerungen im ganzen Körper, schlimme Schmerzen in den Knien, und zwar so, dass ich manchmal nicht gehen kann, nachts fühlen sich die Finger an den Händen wie abgestorben an. Man könnte natürlich fasten und die Salze ausspülen, ich habe aber bereits geprüft, was danach passieren würde: Die Elastizität des Körpers wird zwar wieder hergestellt und er wird wieder gehorchen, dafür könnte der Kopf seinen Dienst verweigern, d.h. die Blockierung des Hochmuts kann vom Körper auf die Gehirnfunktionen übergehen. Die letzten 30 Jahre denke ich 24 Stunden am Tag. Und jetzt stehe ich unter Dauerbelastung und brauche meinen Kopf wie noch nie. Jetzt muss ich mit dem unkontrollierbaren Hochmut fertig werden. Seine ersten Anzeichen werden schon sichtbar. In den letzten sechs Monaten reagiere ich mit heftigen Wutausbrüchen, wenn etwas sich auch nur geringfügig von dem von mir Geplanten unterscheidet. Dann wird das Selbstvernichtungsprogramm in Gang gesetzt und ich bekomme starke Kopfschmerzen. Früher hätte ich behauptet, ich habe einen Nervenzusammenbruch oder eine nervöse Erschöpfung. Heute verstehe ich, dass ich das Gleiche machen muss, wie der Medium-Patient, den ich beraten hatte. Ich sollte mit den Auftritten und Reisen aufhören und für einige Zeit an nichts denken. Andererseits, wenn ich vor eine solche Situation gestellt werde, gibt es auch Überlebenschancen. Es gibt auch schlechte Anzeichen. Ich erinnere mich an eine Augustnacht auf der Krim. Wir saßen hoch auf dem Felsen am Lagerfeuer und hörten das Meeresrauschen unter uns.

“Jungs, wollt ihr wissen, welche Einstellung das Meer zu jedem von uns hat?”, fragte ich und erntete neugierige Blicke.

“Das Meer liebt diesen Menschen”, fing ich mit der Diagnostik an: “Und dieser Mensch wird vom Meer geringgeschätzt, es fürchtet ihn sogar. Diesem Menschen gegenüber ist das Meer normal eingestellt. Und diesem Menschen wünscht das Meer den Tod. Er hat eine absolut falsche Einstellung zum Meer. Im Meer baden ist für ihn gefährlich. Wer hatte bei uns die letzte Nummer?”

Ich war mir sicher, dass ich das nicht sein konnte. Bis zu diesem Tag schaute ich oft nach, wie das Meer mir gegenüber eingestellt ist, und jedes Mal sah ich Wohlwollen und Liebe. Ich konnte bei jedem Wetter stundenlang im Meer schwimmen und hatte nie Angst. Auch wenn ich mal einen Beinkrampf hatte, blieb ich ruhig, da ich wusste, dass ich in jeder Situation das Ufer erreichen würde. Als man mir sagte, dass ausgerechnet ich die letzte Nummer hatte, überkam mich ein Gefühl der Ratlosigkeit. Was genau war denn falsch in meinem Verhalten dem Meer gegenüber? Etwas musste in den letzten 24 Stunden geschehen sein. Plötzlich erinnerte ich mich.

In der Gurzuf-Bucht neben dem Bärenberg gibt es im Meer zwei Felsen, die Adalar-Felsen heißen. Zwischen ihnen ist es nicht so tief, etwa 10—12 Meter. Hinter dem zweiten Adalar-Felsen haben wir jedoch 28 Meter Tiefe gemessen. Früher konnte ich ohne Schwimmflossen bis zu 20 Meter tief tauchen, natürlich ohne ein Tauchgerät. In diesem Jahr tauchte ich ebenfalls 20 Meter tief, aber schon mit Schwimmflossen. Das Wasser am Meeresboden war kühl und kristallklar.

“Jungs, heute versuche ich so tief zu tauchen, wie es nur geht”, sagte ich.

An diesem Tag hatte ich Kopfschmerzen und die Nase war fast dicht. In mehr als 10 Meter Tiefe kann das gefährlich werden. Als ich mich zum Tauchen bereit machte, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich am Boden bleiben könnte, wenn ich versuchte, bis ganz hinab in die Tiefe zu tauchen. Plötzlich stellte sich ein ganz ruhiger und klarer Gedanke ein: “Umso besser, dann hören alle Probleme auf”. Danach tauchte ich. Im August 1998 hatte das Wasser +27°С Oberflächentemperatur, ein Wert, der viel höher war, als in den Jahren zuvor. Man sagte, dass es eine solche Temperatur in den letzen 100 Jahren nicht mehr gegeben hatte. Nach 10—15 Metern war es schon kühl, und nach 20 Metern war es kalt wie im Kühlschrank. Es war dunkel und kalt, es bereitete mir überhaupt kein Vergnügen. Ich schwamm schnell wieder nach oben, der Sonne entgegen. Zu allem Überfluss platzte mir ein Blutgefäß in der Nase. Das Blut war nicht dunkel, sondern hellrot. Wenn ich noch länger unter Wasser geblieben wäre, hätte ich ernsthafte Probleme bekommen können. Am Abend wurde mir klar, dass ich am Tag praktisch Selbstmord begehen wollte, und zwar so, dass keiner es hätte merken können. Einen Menschen, der in über 20 Meter Tiefe liegt, können sogar zwei erfahrene Schwimmer kaum retten. Ich verstand, dass in meinem Unterbewusstsein in letzter Zeit sehr leicht und kaum merkbar das Selbstvernichtungsprogramm anwuchs. Im Sommer dachte ich, dass es an Müdigkeit läge und das Ergebnis einer starken nervlichen Belastung wäre. Es lag jedoch daran, dass ich den Kontakt mit neuen Bewusstseinsschichten herstellte und mit neuen Informationsquellen interagierte. Es wurde klar, warum ich bei allen meinen Geschäftsideen und großangelegten Plänen gebremst wurde. Die Situationen, die ich im Sommer hatte, sah ich plötzlich in einem ganz anderen Licht. Eine davon war so absurd, dass sie zugleich sehr hilfreich war, um mich wieder in Ordnung zu bringen.

Es ging um Folgendes: Ich kannte einen Mann, der mir in einigen Situationen geholfen hatte, und das auch noch ganz uneigennützig. Das waren zwar ganz kleine Gefälligkeiten, aber ich fand es nett. Einmal sagte er zu mir: “Wissen Sie, ich möchte Sie ebenfalls um einen Gefallen bitten. Ich muss auf ein Auslandskonto eine bestimmte Summe überweisen. Kennen Sie jemanden, der das für mich im Ausland machen könnte? Ich werde die entsprechende Summe in bar Ihnen hier geben und Sie leiten dann diese Summe an denjenigen weiter, der von diesem Menschen bestimmt wird.”

Ich brannte darauf, ihm zu helfen, und fing an, alle Bekannten abzutelefonieren. Es ging aber um eine ziemlich hohe Summe, die keiner überweisen konnte. Ich rief meinen Bittsteller an. Er sagte: “Wahrscheinlich schaffen wir es nicht mehr. Wenn der Betrag in zwei Tagen nicht überwiesen wird, hat alles keinen Sinn mehr. Danke, dass Sie mir helfen wollten und vergessen wir das Ganze.”

Diese Situation ließ mir aber keine Ruhe. Wie konnte das nur sein, dass ich mich so ins Zeug gelegt und es dennoch nicht geschafft hatte? Das konnte ich so nicht auf sich beruhen lassen und versuchte es immer weiter. Einen Tag später traf ich meinen Bittsteller wieder: “Sie haben Glück!”, sagte ich zu ihm: “Ich habe jemanden gefunden, der das Geld überweisen wird. Ich komme in ein paar Tagen bei Ihnen vorbei.”

“Ausgezeichnet!”, freute sich der Mann. Wir trafen uns zwei Tage später.

“Heute ist ein Verwandter des Mannes gekommen, der für Sie das Geld überwiesen hat. Sie müssen ihm diese Summe in bar erstatten.”

Ich erntete ein breites Lächeln.

“Ich habe kein Geld”, sagte er. Ich schaute ihn erstaunt an und versuchte, irgendetwas zu verstehen.

“Sie sagten doch, dass Sie das Geld zurückgeben.”

“Ich meinte damit, dass ich es nach einer Weile mache.

So hätte ich es auch ohne Sie geschafft.”

“Gut. Wann können Sie die Summe zurückzahlen?”

“Ich versuche, es so früh wie möglich zu tun. Realistisch wäre das aber in drei Monaten.”

“Gut”, antwortete ich: “wir warten.”

Am Abend rufe ich meinen Bekannten in Amerika an, der das Risiko eingegangen ist, mir zu helfen, und versuche, mich zu rechtfertigen.

“Ich werde das Geld so schnell wie möglich in Teilsummen zurückgeben. Einen Teil leihe ich, vielleicht gibt es auch eine Gelegenheit, etwas dazuzuverdienen, ich kann auch etwas verkaufen. Egal ob dieser Mensch das Geld zurückgibt oder nicht, ich verspreche, die Summe nach und nach zurückzuzahlen.”

Diese Geschichte war noch nicht zu Ende. Nach drei Monaten besuche ich den Mann, der mich um das Geld gebeten hatte. Davor rief ich ihn jede Woche an, und er bekräftigte sein Versprechen.

“Sind Sie bereit, ihr Versprechen zu erfüllen?”, frage ich.

“Wissen Sie, ich habe kein Geld”, lächelt er wieder.

“Gut, wann können Sie es zurückgeben?”

“Nicht früher als in drei Monaten”, antwortete er.

Ich saß da und schaute zu Boden. Was sollte ich tun? Sollte ich versuchen, dieses Problem nach der in Russland üblichen Methode zu lösen? Oder sollte ich die noch vorhandenen Möglichkeiten nutzen? In dieser Situation war ich nur über das eine überaus erfreut — weder war ich auf diesen Menschen sauer, noch habe ich ihn gehasst. Allein schon dafür ist es wert, jede beliebige Summe zu verlieren. Ich ändere mich zum Besseren, und das ist das wahre Glück. Alles andere ist Alltagskram.

Ich schlug versöhnlich vor: “Machen wir doch Folgendes: Ab diesem Tag fallen die Zinsen an, für den Anfang 10% im Monat. In drei Monaten wird die zurückzuzahlende Summe wesentlich höher sein als jetzt. Wenn sie im Laufe dieses Monats die Summe zurückgeben, fallen keine Prozente an. Sie konnten doch diese Summe von mir leihen, nicht wahr? Also können Sie auch von jemand anderem etwas leihen.”

Ein paar Tage später telefonierten wir wieder.

“Ich konnte ein Darlehen arrangieren, und werde ihnen in zwei Wochen alles zurückzahlen”, sagte er.

“In einer Woche fahre ich auf die Krim”, antwortete ich:

“Ein Verwandter von mir, dem ich absolut vertraue, kommt bei Ihnen vorbei. Er wird dann das Geld an diejenigen weiterleiten, für die es bestimmt ist.”

Nach zwei Wochen rief ich von der Krim in St. Petersburg an. Ich spürte, dass es mit dem Geld irgendwelche Probleme geben muss. “Es wäre sehr seltsam, wenn es meinem Verwandten gelänge, das Geld zu bekommen”, dachte ich.

Es ist tatsächlich etwas Seltsames passiert. Die ganze Summe wurde zurückgezahlt. Aber einen Tag später erfüllten sich meine Vorahnungen. Wegen der Nachlässigkeit meines Verwandten wurde das ganze Geld aus seinem Koffer gestohlen. Mir wurde klar, dass man mich “heilt” und zwar mit ziemlich starken Mitteln, und ich beruhigte mich sofort. Noch einen Monat später, im August 1998 brach zuerst das Bankensystem und dann die ganze russische Wirtschaft zusammen, und mit ihnen auch alle meine Geschäfte. Und meine Seele beruhigte sich nun gänzlich.

Ich habe bemerkt, dass, wenn ich von etwas träume, und dabei nicht nur an das Gewünschte denke, sondern auch meine Gefühle beim Wünschen einschalte, sofort alles schief geht. Das Gefühlspotential soll also hauptsächlich nicht auf das Äußere, sondern auf das Innere, nicht auf das Menschliche, sondern auf das Göttliche ausgerichtet werden, und das besonders in der heutigen Zeit.

Ich gehe gedanklich die bevorstehenden Ereignisse durch. In zehn Tagen habe ich die Präsentation des fünften Buches in Moskau. Wieder werde ich gefragt, was mit Russland los ist. Warum handeln die Menschen, die hier an der Macht sind, dumm und unlogisch und schaden damit den anderen und sich selbst? Hier geht es nicht um einfache Korruption, wenn der Staat ärmer wird und ein Beamter reicher, wenn vernünftige Gesetzgebung vorsätzlich sabotiert wird. Man hat das Gefühl, dass die Menschen in unserem Land das Denken und das Verwalten verlernt haben. Zum Teil könnte man das damit erklären, dass während des Sozialismus Unprofessionalität herrschte. Ein anständiger Mensch konnte nicht an der Macht sein. Gewissenlose und unmoralische Menschen bekamen Geld und Macht nur deswegen, weil das System den Menschen anbetete. Der Mensch ist aber nicht so sehr ein Körper, als vielmehr Geist und Seele,

d. h. Ziele und Prinzipien, Moral und Sittlichkeit. Diese Richtung wird immer noch in unserem Unterbewusstsein beibehalten.

Je stärker in der Seele eines jeden der Wunsch ist, die machthabenden Beamten und sein eigenes Schicksal zu verachten, zu hassen und zu verurteilen, desto mehr Energie wird für die Suche nach Schuldigen und für den Hass auf sie verschwendet, und desto weniger Energie bleibt, um die Situation zu verstehen und richtig zu handeln, damit diese verändert werden kann.

Um die Geschichte richtig zu verstehen und die aktuellen Ereignisse richtig einschätzen zu können, muss man dutzende Male zu sich selbst sagen: “Man darf nicht nach den Schuldigen suchen. Es gibt keine Schuldigen.” Dann wandelt sich die Energie der Zerstörung zur Energie der Erschaffung und des Verständnisses um. Und dennoch: Warum sind unsere Abgeordneten, Beamten und Politiker absolut nicht in der Lage zu denken und zu regieren? Sie tun sich wohl schwer mit der Zeit und können die Ursache mit der Folge nicht verbinden. Ihre Kurzsichtigkeit ist einfach erstaunlich. Denken wir logisch nach: Materie besteht aus Raum, d.h. gemäß der modernen Physik ist das auf eine besondere Weise aufgewickelter Raum. Materie und Raum werden von der Zeit erzeugt. Damit man eine Situation verstehen und steuern kann, muss man von ihr Abstand nehmen und sich über sie erheben. Jedes Ereignis findet in der Zeit statt. Wenn man vom Ereignis Abstand nimmt, nimmt man gleichzeitig Abstand auch von der Zeit. Je mehr Abstand wir von einer konkreten, temporären Situation nehmen, einen umso größeren Zeitumfang können wir erfassen und desto mehr verlangsamt sich die Zeit.

Wenn man das gesamte Universum auf einmal sehen könnte, würde es als fast unbeweglich erscheinen. Alle menschlichen Werte bestehen ebenfalls aus der Zeit. Je mehr wir an Prinzipien, Idealen, Moral und Sittlichkeit, Geld und Karriere haften, desto schwieriger fällt es uns, jegliche Situation zu bewerten und klar zu denken.

In einer neuen, unerwarteten Situation muss der Abstand von ihr, die Abstraktion, um einige Male zunehmen, sonst wird es unmöglich sein, sie zu verstehen und zu steuern.

Eine lange Zeitspanne der wirtschaftlichen und politischen Stabilität verändert unmerklich die Denkweise der westlichen Bevölkerung. Es fällt den Menschen im Westen immer schwieriger, neue Denkformen zu erschaffen. In Russland wurde die Ideologie, d. h. Geistigkeit, Moral und Sittlichkeit zerstört. Alle stürzten sich von den geistigen Werten auf die materiellen. Das goldene Kalb brach ebenfalls zusammen. Russland ist gerade dabei, langsam und qualvoll zu lernen, wie man denkt. Eine neue Ideologie bildet sich heraus, die alten Werte werden revidiert. Die menschliche Logik funktioniert in Russland sehr schlecht. Deswegen sind alle gezwungen, sich immer mehr an der Göttlichen Logik zu orientieren. Unter Einsatz dieser Logik werden später eine neue Kultur, eine neue Ideologie, die Verfassung und neue Gesetze geschaffen. Ich diagnostizierte den Zustand Russlands im Jahr 1917, vor der Revolution. Die Anhaftung an Geist, Seele und Ego war enorm — weit über dem tödlichen Wert. Deswegen mussten die Bolschewiken einfach gewinnen, und die Persönlichkeit des Landes und jedes Bürgers musste erniedrigt werden. Niedergemacht wurde auch die Seele des Landes, d. h. seine Kultur, Ideologie, Moral und Sittlichkeit. Der Geist des Landes, d. h. seine Gesetze, wurde ebenfalls in den Staub getreten. Jetzt wird klar, warum während des Sozialismus die Lüge und die Prinzipienlosigkeit, die Feigheit und der Verrat triumphierten.

Ich diagnostizierte Russland vor der Krise im August 1998 und danach. Erstaunlich, aber nach der Krise wurde die Energetik des Landes weitaus reiner. Genaugenommen staunte ich nicht über die Reinheit, da das absolut natürlich ist. Ich war verwundert über das Ausmaß der Läuterung. Die Abhängigkeit von den menschlichen Werten, und zwar nicht nur von den materiellen, sondern auch von den geistigen, ist drastisch gesunken. Gemessen an der Dynamik, kann man behaupten, dass Russland sehr gründlich von allen Anhaftungen befreit wird. Das bedeutet, dass eine Hoffnung auf die Herausbildung einer neuen, umfassenden Denkweise besteht.

Ich schaute mir andere Länder an, und es stellte sich heraus, dass hier die Situation nicht besonders gut war.

Früher waren die Parameter von den USA einfach ausgezeichnet, jetzt erinnert deren Energetik immer mehr an die Energetik Russlands vor der Revolution. Die Konzentration auf die Prinzipien, auf die Moral und Sittlichkeit wird immer stärker.

In Deutschland ist die Situation katastrophal. Die Konzentration auf die geistigen Werte ist gewaltig. In Holland ist sie noch schlimmer. Jetzt wird klar, woher Drogenkonsum und Homosexualität kommen.

Ich verstehe nun auch die Geschichte, die mir ein Bekannter erzählt hatte:

“Stell dir mal vor — ich eröffne ein Konto in einer Berliner Bank, zahle 10.000 Mark auf dieses Konto ein. Dann überweise ich aus Amerika 20.000 Dollar darauf. Das sind über 30.000 Mark. Insgesamt waren das ca. 43.000 Mark. In Frankfurt kaufte ich mir ein Auto, dafür ging ich in eine Filiale meiner Bank und hob 7.000 Mark ab, die mir für den Kauf fehlten. Es sollten also 35.000 auf dem Konto bleiben. Damit ich nicht jedes Mal zur Bank rennen muss, beschloss ich, eine Karte zu beantragen. Ich ging mit einer Dolmetscherin zur Bank und teilte dort meinen Wunsch mit, eine Karte zu bekommen. Die deutsche Angestellte, die dort am Computer saß, sagte mir, dass man mir keine Karte geben kann, da ich nur 3.000 Mark auf dem Konto habe. Mir fiel die Kinnlade runter. Ich sagte zu ihr: “Wollen Sie behaupten, dass es auf meinem Konto nicht mehr Geld gibt?”

“Ja, mehr haben sie nicht.”

“Was soll ich denn machen?”

“Klären Sie das bei der Hauptverwaltung der Bank in Berlin”, zuckte sie mit den Schultern.

Ich fuhr nach Berlin zum Hauptsitz der Bank, um die Sache zu klären. Ein Bankangestellter sah alles durch und erklärte mir, dass ich tatsächlich kein Geld auf dem Konto hätte. Mir dämmerte, dass ich verloren hatte. Und das sollten korrekte und pflichtbewusste Deutsche sein?!

Mir fiel eine Geschichte ein, die ich mal hörte: Ein Ehepaar kam zu einer deutschen Bank und wollte eine große Summe Bargeld auf sein Konto einzahlen. Ihnen ist nicht eingefallen, einen Beleg zu verlangen, der die Einzahlung bestätigt hätte. Die Bankangestellte erklärte daraufhin, dass sie kein Geld bekommen hätte. Als das Ehepaar sich beim Bankdirektor beschwerte, sagte er ihnen, dass er diese Frau lange kennen würde und so etwas einfach unmöglich wäre. Ich aber habe das Geld über andere Banken überwiesen. Mir wurde klar, dass ich in die USA fahren und Dokumente finden muss, welche die Überweisung auf das Konto bei der deutschen Bank bestätigen könnten. Für den Fall der Fälle erteilte ich einem Freund von mir, der in Berlin wohnte, eine Vollmacht für mein Konto, damit er versuchen konnte, zwischendurch neue Informationen zu erhalten. Nach zwei Wochen rief er mich an, und was glaubst du, was er mir erzählte?”

Ich zucke mit den Schultern: “Ich kann mir absolut nichts vorstellen.”

“Es hat sich herausgestellt, dass auf meinem Konto tatsächlich nur 3.000 Mark liegen. Aber auf dem Dollarkonto lagen nach wie vor 20.000 Dollar. Vielleicht meinen sie, Dollar wäre kein richtiges Geld. Als ich sie fragte, ob ich Geld auf dem Konto hätte, verstanden Sie nur die Mark darunter. In manchen Banken werden Devisen sofort in die Landeswährung konvertiert.

In Russland hätte man mir gesagt: “Sie haben zu wenig Geld auf dem Rubelkonto. Wenn Sie wollen, können Sie von ihrem Devisenkonto die notwendige Summe transferieren, dann bekommen Sie die Karte.” In Deutschland ist so etwas unmöglich. Dort kann ein Rädchen nur eine Position einnehmen. Klick, und es ist fertig, anders geht es nicht. Weißt du, in letzter Zeit stimmt etwas nicht mit deren Verstand. Man glaubt, einen klugen, normalen Menschen vor sich zu haben. Kaum stößt er jedoch auf eine Situation, die nicht dem Standard entspricht, hört er auf zu funktionieren. Im Kopf ist gähnende Leere. Wenn sich auf der Erde alles rapide verändern würde, würden sie wie die Mammuts aussterben.”

Ich tröstete ihn: “Das macht nichts. Russland gleicht alles aus. In der gewöhnlichen Situation lässt uns unser Verstand im Stich, dafür kann man sich in kritischen, ungewöhnlichen Situationen nur wundern, woher die Logik, gesunder Menschenverstand und die Weitsicht kommen.”

Ich erinnere mich an dieses Gespräch. Im Land entstehen die richtige Weltanschauung und normale Gesetze, aus der Wüste verwandelt sich unser Land langsam in einen blühenden Garten. Mit jedem Tag werden Ideen immer materieller. Von der Denkweise, mit welcher der Mensch in das dritte Jahrtausend eintritt, hängt es ab, ob er sich weiterentwickeln oder degenerieren wird.

Ich stehe vom Bett auf und gehe ins Badezimmer. Ich schiebe alle Gedanken allgemeiner Natur beiseite und denke nur an den bevorstehenden Tag. Ein paar Tage werde ich einfach zuhause liegen und nichts tun, und das zum ersten Mal in den letzten Jahren. Vielleicht werde ich auch an nichts denken. Nur habe ich heute einen Termin, ich muss eine Krebskranke besuchen. Sie ist im 4. Stadium und kann nicht mehr aufstehen.

Wenn ich auf die Krim gefahren wäre, wie ich es geplant hatte, hätte ich es nicht geschafft, sie zu sehen. Das muss wohl Schicksal sein. Ich schaue nochmal nach, ob ich sie behandeln darf. So wie es aussieht, darf ich es. Darf ich eine Ferndiagnose stellen? Nein. Das bedeutet, dass ich ähnliche Störungen wie sie aufweise, die bei der Diagnostik in Resonanz kommen können, was für uns beide gefährlich ist. In welcher Hinsicht habe ich die Prüfung nicht bestanden?

Ich schalte mich innerlich von allem ab und gehe die Ereignisse meines Lebens durch. In jedem Ereignis sehe ich ein und denselben Verstoß — überhöhten Stolz, übermäßige Ambitionen und die Konzentration auf das eigene menschliche “Ich”. Hier geht es nicht mehr um Geld und glückliches Schicksal. Die Situation ist komplexer und gefährlicher. Auch die Folgen sind weitaus schwerwiegender. Und mein jetziger starker Schnupfen und die Bronchitis sind ebenfalls damit verbunden. Es geht um die erste Liebe. Das sind die Blitzlichter der Verliebtheit in unserer Jugend. Es stellte sich heraus, dass bei der ersten Liebe die Erfassung der menschlichen Werte um das Hundertfache ansteigt. Hier ist ein richtiges Verhalten auch um das Hundertfache wichtiger, als in anderen Situationen.

Mehrere Dutzende Male gehe ich die Situation durch, als meine Liebe mit den Füßen getreten wurde, aber ich darf nach wie vor meine Patientin nicht diagnostizieren. Na sowas! Ich hätte nicht vermutet, wie viel Unzufriedenheit mit mir selbst, Unlust zu leben, Lossagung von der Liebe ich bei der Erniedrigung meiner erhabensten Gefühle ansammelte.

“Wie interessant doch das Leben eingerichtet ist”, dachte ich: “In ein-zwei Jahren hätte ich Lungenkrebs bekommen und es wäre mir nicht mehr möglich, die Ursache zu erkennen. Wenn ich aber einem anderen helfen möchte, fällt es mir leichter, Abstand von der Situation zu nehmen und sie richtig zu erfassen, was mir später hilft, auch mich selbst zu retten.”

Bei der ersten Liebe werden die höchsten Stufen der geistigen Werte erreicht. Bei unseren gewöhnlichen Emotionen erfassen wir eine bis zwei Welten, beim Aufflammen von Liebe jedoch können alle 33 Welten, d. h. das ganze Universum erfasst werden. Wenn wir bei der Demütigung unserer ersten Liebe nicht nach Schuldigen suchen, verzeihen und die Liebe zu Gott beibehalten, haben wir die Chance, die Abhängigkeit vom Universum zu überwinden und die Realität unseres Göttlichen “Ichs” zu spüren. Zum Kind kann man sagen:

“Deine Seele und dein Körper bereiten sich auf die Liebe vor, und du wirst sie bald erleben. Aber die schönste und wunderbarste erste Liebe kann immer nur ein Mittel zum Ansammeln des Göttlichen in dir sein. Je mehr du spürst, dass die menschliche Liebe nur ein Mittel für die Göttliche Liebe ist, desto weniger abhängig wirst du von jedem menschlichen Glück sein, desto weniger Angst und Kränkungen wirst du dadurch erfahren.”

Einstellung zum heilen

2. Dezember 1998. Heute Nacht fahre ich nach Moskau. Dort werde ich einige Menschen treffen und konsultieren, welche vor unlösbaren Problemen stehen. Danach gibt es einen Vortrag.

Ich lächle, als ich mich daran erinnere, wie sich meine Einstellung zu Sprechstunden und Heilungsséancen wandelte. Der erste Impuls war natürlich, dem Kranken zu helfen. Der zweite veränderte sich bei mir ständig. Zuerst war es der Wunsch, ein Wunder zu bewirken. Kaum strengte ich mich an, schon wurde der Kranke gesund. Wenn ich zum Beispiel ein paar Mal mit meinen Händen über eine Wundrose fuhr, verschwand sie bereits am nächsten Tag. Später konzentrierte ich mich auf meine Fähigkeiten und die Möglichkeit, sie zu vervollkommnen und weiterzuentwickeln. Eine Zeitlang waren die Sprechstunden meine einzige Einnahmequelle, und allmählich lief alles auf das ständige Geldverdienen hinaus. Dann widmete ich mich der Malerei, und meine Seele erholte sich. Nach einigen Jahren sah ich, dass man die Extrasensorik als eine Wissenschaft behandeln kann und ich kehrte wieder zu ihr zurück, da ich merkte, dass ich ohne eine ständige Weiterentwicklung nicht leben kann. Es ging nicht um eine bloße Entfaltung der Fähigkeiten, sondern um die Möglichkeit, mein Weltverständnis zu vertiefen. Dann wurde ich in einem Genossenschaftsbetrieb bei der Ersten Medizinischen Hochschule aufgenommen und meine ganze Philosophie und meine Fähigkeiten wurden wieder zunehmend für die Geldbeschaffung missbraucht. Der Wunsch, die heilerische Tätigkeit fortzusetzen, schwand allmählich. Das war eine Sackgasse.

Im März 1990 spürte ich zum ersten Mal das, was ich später “karmische Strukturen” nannte. Ich berührte eine untergründige Ebene, die vor mir noch keiner erreichte. Auf dieser Ebene waren Medizin, Psychologie, Pädagogik, Physik, Philosophie und Religion ein abgeschlossenes Ganzes. Es entstanden neue Perspektiven der Welterkenntnis. Für mich war das wie eine Droge. Später wurde ich wieder gebremst und zu irgendeinem Zeitpunkt leuchtete mir ein: Ich darf nicht die Menschen heilen, ich muss ihnen helfen, sich selbst zu heilen. Dafür müssen sie sich jedoch ändern. Man sollte also Möglichkeiten und Methoden zu einer tiefgreifenden Veränderung des menschlichen Charakters finden.

Auf der Suche nach solchen Methoden kam ich zu einem einzigen logischen Ausweg: Damit man sich selbst und den eigenen Charakter ändern kann, muss man über die Grenzen seines “Ichs” gehen. Die Wissenschaft kann solche Lösungen nicht bieten. Alle Psychotechniken, chemische Mittel und physische Techniken können nur eine kurzzeitige Ausschaltung bewirken, wobei keine tiefgehenden, stabilen Veränderungen im Charakter eines Menschen geschehen können. Wenn man aber Abstand vom Menschlichen nimmt und die Liebe zu Gott mehrt, wird das möglich. Meine Sprechstunden wurden für mich zur Suche nach Möglichkeiten, den Charakter, die Weltanschauung und die Persönlichkeit zu verändern. Ein wichtiges Detail dabei war: Ich sah, dass der Slogan keine Wirkung zeigt, wenn sein Autor selbst nicht das ausführt, wozu er aufruft. Das Schicksal zwang mich dazu, alle meine Schlussfolgerungen auf meiner eigenen Haut zu prüfen, indem es mich vor unlösbare Situationen stellte. Erst wenn ich, mich an die Göttliche Logik klammernd, diese löste, konnte ich den anderen darüber berichten. Genau diese Situation erlaubte meinen Patienten, sich wirklich zu ändern und in einer kritischen Lage zu überleben. Das Abhalten von Sprechstunden wurde für mich zur Arbeit an mir selbst und zur Möglichkeit, nicht nur mich selbst sondern auch meine Kinder zu retten, da mein Erbe, wie sich herausstellte, nicht besonders gut war. In der letzten Zeit wurden die Sprechstunden für mich allerdings zu einer schweren und erschöpfenden Prozedur. Als mein physischer Zustand in letzter Zeit immer schlechter wurde und alle meine Unternehmungen fehlschlugen, wurde es mir sogar peinlich, die Menschen zu beraten.

Vor Kurzem aber schaffte ich das Thema der “Persönlichkeit” und die Welt wurde für mich wieder schön. Ich verstand, dass eine noch größere Unabhängigkeit von dem menschlichen “Ich” notwendig ist.

Die Anhaftungen werden immer wieder zum Vorschein kommen, solange ich der Meinung bin, dass ich nur ein Mensch bin. Ich komme aus der Urquelle, ich bin mit Ihr verbunden und trage Sie in mir, und mein wirkliches “Ich” ist Göttlich. Es verbirgt sich in Gott und in der Liebe. Zwischen dem menschlichen und dem Göttlichen “Ich” gibt es Zwischenstufen. Ich muss sie erklimmen, indem ich immer mehr die Realität meines Göttlichen “Ichs” spüre und allmählich die Abhängigkeit von dem menschlichen “Ich” verringere.

Neulich bereitete ich mich vor einer Sprechstunde auf eine schwere und qualvolle Arbeit mit Patienten vor und plötzlich ging mir ein Licht auf. Früher sagte ich den Menschen: “Sie sollen nicht beten, um etwas zu erbetteln. Ihre Absicht soll nicht sein, etwas zu bekommen, sondern über das Gebet und die Liebe zu Gott sich selbst zu verändern.” Ich selbst betete aber für die Rettung meines menschlichen “Ichs”. Man muss jedoch für die Rettung des Göttlichen in

sich beten. Je mehr wir dafür leben, das Göttliche in unserer Seele zu erhalten und zu vermehren, desto mehr blüht auch das Menschliche auf und entwickelt sich. Ich sagte zu mir selbst: “Du berätst die Menschen, um ihnen dabei zu helfen, die Realität ihres Göttlichen ‘Ichs’ zu spüren. Die Sprechstunde ist ebenfalls eine Möglichkeit für dich, das Göttliche in deiner Seele zu mehren.”

Läuterung

Ich sitze im Büro und schaue auf die Uhr. Um 11 Uhr muss mich eine Patientin anrufen, der ich versprochen habe, sie telefonisch zu konsultieren. Es ist 11:15 und immer noch kein Anruf. Draußen spürt man bereits den Frühling, obwohl es erst der 19. Februar ist. Die Sonne scheint frühlingshaft, und überall liegt Schnee. Die letzten Schneefälle schmückten zuerst die Stadt, danach aber verwandelten sich die weißen Schneehaufen in einen flüssigen braunen Brei. Die Stadt wurde so, wie sie vorher war — überall Schmutz, grauenvolle Straßen, kaputte Ampeln. “Die Stadt der kaputten Ampeln”, geht mir durch den Kopf. Die Weiterentwicklung dieses Themas beende ich aber sofort. Die Stadt wurde einfach in ihrer Moral, Sittlichkeit und der menschlichen Liebe erniedrigt. Wenn wir früher das Menschliche anbeteten, müssen wir jetzt diese Tendenz qualvoll abarbeiten. Hier würde die Suche nach den Schuldigen die Situation nur noch verschlimmern. Ich erinnere mich an den gestrigen Vorfall und muss lächeln.

Ich fuhr mit einem Bekannten zur Ermitage am Ufer der Newa entlang. Das Wetter war ausgezeichnet. Die zugefrorene Newa funkelte im Sonnenschein. Mein Bekannter fragte mich:

“Sag mal, würdest du nicht mal für deine Kinder Russland verlassen?”

Ich schaute lange aus dem Autofenster und beobachtete die vorbeiziehende Aussicht, dann antwortete ich:

“Gerade wegen meiner Kinder bleibe ich hier. Vor zwei Tagen kam ich aus Berlin zurück. Alle Emigranten wanderten wegen ihrer Kinder nach Deutschland aus, und fast 80% dieser Kinder sind drogenabhängig geworden. Hier waren sie in ihrem menschlichen Glück erniedrigt. Sie kamen dort an und fingen an, dieses Glück anzubeten und nur dafür zu leben. Die Konzentration auf den Verstand, auf das menschliche “Ich” stieg um einige Male. Um zu überleben, müssen ihre Kinder zu Drogen greifen.

“Soll das bedeuten, dass wir in diesem ganzen Mist hier sitzen und die Liebe zu Gott preisen sollen?”, feixte mein Gesprächspartner.

“In diesen Mist sind wir nicht zufällig geraten, und die Liebe zu Gott müssen wir immer preisen. Außerdem rufe ich zu nichts auf, ich teile lediglich Fakten mit. Ich hatte mal in der Sprechstunde ein Mädchen aus Armenien. Wenn sie für ein paar Monate nach Armenien fährt, nimmt sie ab, fühlt sich gut, hat Freude am Leben. Kehrt sie wieder nach Deutschland zurück, nimmt sie sofort rapide zu, die Haare fallen ihr aus, die Sinne werden dumpf. Das alles sind die Anzeichen für ein anwachsendes Selbstvernichtungsprogramm. Die Deutschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, haben eine gewisse Immunität dem größeren menschlichen Wohlstand gegenüber. Wie ich in meiner Diagnostik sah, lebten viele von Ihnen in ihrem letzten Leben in Südafrika. Dort herrscht Konzentration auf die menschliche Liebe und völlige Armut. In Deutschland ist das umgekehrt — Wohlstand und Intellekt sind am wichtigsten. Durch diese Seelenwanderung wurde das trockene und pedantische Deutschland innerlich ausbalanciert. Jetzt verwischen sich weltweit alle Gegensätze und es kommt zu ernsthaften Problemen. Früher widmete sich ein eifersüchtiger Mensch der Karriere, entwickelte seine Fähigkeiten und seinen Intellekt, ein Hochmütiger lebte für die Familie oder wurde Dichter oder Künstler. Heutzutage ist sowohl das eine, als auch das andere überfüllt. Jetzt hilft das Hin und Her von einem menschlichen Wert zum anderen immer weniger. Nun müssen wir das Menschliche beiseite schieben und uns dem Göttlichen so schnell wie möglich zuwenden. Wir sind das jedoch nicht gewohnt, wir können das nicht.”

Mein Gesprächspartner steuerte den Wagen und hörte mir mit halbem Ohr zu. Er setzte seine Gedanken fort:

“Aber meinst du denn nicht, dass alle normalen Menschen dieses Land bald verlassen werden? Na gut, die innere Energetik ist in Russland nicht schlecht. Das wirkt sich positiv auf deine Kinder aus und ihre Seelen werden reiner. Wer soll sie hier jedoch etwas lehren und was sollen sie hier lernen? Die wichtigsten grundlegenden Strukturen sind zerstört. Von der Kultur ist nichts mehr übriggeblieben. Das Potential unserer Wissenschaft ist hin. Soll das etwa eine Garantie für das zukünftige Aufblühen Russlands sein?”

Ich antwortete:

“Ich denke, dass das heute genau der Fall ist, in dem die Situation im Inneren viel wichtiger als die Situation im Äußeren ist. Mit Fasten werden viele Krankheiten geheilt. Wenn man aber ständig fastet, kommt es irgendwann zur physischen Erschöpfung und schließlich zum Tod. Jetzt “fastet” Russland in Hinsicht auf die Geistigkeit, die Sittlichkeit und die menschliche Liebe. Wenn die innerlichen Veränderungen stattfinden, wird sich alles auch äußerlich zum Besseren wenden.

Wenn man oberflächlich beurteilt, sieht es folgendermaßen aus: Die Demokratie ist ohne ein durchdachtes Gesetzessystem unmöglich, und auch ohne die Pressefreiheit, ohne die Kontrolle über die Beamten jeden Ranges, die auch ihres Amtes enthoben werden müssen, wenn sie ihre Aufgaben nicht erfüllen können oder mit ihren Handlungen der Gesellschaft und dem Staat schaden.”

Wir fuhren weiter und ich beobachtete müde und entspannt die von der Sonne beleuchteten Häuser und die in strahlendes Weiß gehüllte Stadt. Mein Begleiter bemerkte eisig kalt:

“Wenn Russland gesund wird, werden wir beide schon tot sein. Das kann doch nicht sein, dass es dir gefällt, in diesem Saustall zu leben!”

“Zum Ersten ist es nicht langweilig”, antwortete ich:

“Und zum Zweiten finde ich an diesem bei uns allgemein verbreiteten Irrsinn zwar keinen Gefallen, aber was soll man machen — die Ordnung wird durch das Chaos geheilt. Vertrauen in die menschliche Logik ist in diesem Land sinnlos. Dafür ist es hier sehr gut, nach der Göttlichen Logik zu leben.

Weißt du, vor einer Woche hatte ich in Deutschland einen interessanten Fall. Eine Frau hatte sich für meine Konsultation einen Termin geholt. Sie fuhr zum Termin mit der S-Bahn. Und nun stell dir mal folgende Situation vor: Sie steht auf dem Bahnsteig, in Deutschland, wo ein Begriff wie Rüpelei einfach ausgeschlossen ist. Eine andere Frau tritt an sie heran, holt aus und schlägt sie auf das Bein, dann schaut sie sie entgeistert an, entschuldigt sich und geht weg. Meine Patientin saß vor mir, erzählte von dieser Situation und auf ihrem schönen Gesicht sah ich immer noch Staunen und Verständnislosigkeit.

“Was war das denn?”, fragte sie mich ratlos.

“Das war ein Zeichen von oben, dass die Behandlung bereits angefangen hat”, antwortete ich.

“Wie bitte?”, konnte sie immer noch nicht verstehen.

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