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Karma-Diagnostik

Бесплатный фрагмент - Karma-Diagnostik

Buch 4. Kontakt mit der Zukunf


Объем:
250 стр.
Возрастное ограничение:
18+
ISBN:
978-5-4483-4363-6

18+

Книга предназначена
для читателей старше 18 лет

Einleitung

Im Frühjahr 1996, nach der Veröffentlichung meines dritten Buches, entschied ich, dass mein System im Prinzip abgeschlossen ist. Immer öfter traf ich Menschen, die mir erzählten, dass die Lektüre meiner drei Bücher ihren Cha­rakter und ihre Weltanschauung verändert hätte. Etliche gesundheitliche Störungen lösten sich spurlos auf, wenn der Leser das in den Büchern Gesagte gründlich analysierte. Zugegeben, es gab Situationen, in denen mein Wissen, meine Erfahrung und Intuition gegenüber der Krankheit machtlos waren. In solchen Fällen verspürte ich den Wunsch, meine Forschung an den Nagel zu hängen und etwas ande­res zu machen.

Viel häufiger gab es jedoch Fälle erstaunlicher Genesung, was mich zum Weitermachen motivierte. Sehr wichtig war die Tatsache, dass es mir gelungen war, eine kolossale Menge an Informationen zu ein paar einfachen und verständlichen Thesen zusammenzufügen. Die Meinungen über meine Bü­cher gingen völlig auseinander. Manche sagten, dass das Sy­stem zu einfach wäre. Andere behaupteten, es sei zu schwer und unverständlich. Die einen meinten, dass das erste Buch am wirkungsvollsten wäre. “Nein, die größte Wirkung wird im dritten Buch erzielt”, meinten die anderen. Und manche sagten, dass das zweite Buch die anderen übertreffen würde und führten gute Argumente dafür an.

So bin ich darauf gekommen, dass die Information von den Menschen unterschiedlich aufgefasst wird, und dass ein und dasselbe Buch auf jeden eine andere Wirkung hat. Wie stark die Wirkung des Buchs sein kann, konnte ich am eigenen Leibe erfahren, als ich das Manuskript meines ersten Buches zum ersten Mal durchlas.

Als ich mit dem Lesen anfing, erfolgte auf der feinstoff­lichen Ebene nach ein paar Minuten ein derart starker Schlag, dass meine feinstofflichen Feldhüllen in Fetzen auseinander­flogen. Dann begann der Kokon meiner Feldstruktur langsam von der physischen Hülle “abzurutschen”. Beobachtungen vieler Hellseher zufolge stirbt der Mensch bald, nachdem die Aura sich aufgelöst hat. Ich verstand, wie ernst die Lage war, und versuchte, die Quelle ausfindig zu machen, von welcher der Angriff kam.

Das Ergebnis war äußerst überraschend: Diese Quelle war mein eigenes Manuskript.

Zum ersten Mal in meinem Leben las ich einen Text, der eine energetische Wirkung hatte, das heißt, dass die Geschwin­digkeit, mit der Information in Energie überging, sehr hoch war. Ich stellte mir vor, was mit meinen Lesern hätte passieren können, und ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ich kam zu dem Schluss, dass es hinter der äußeren Informa­tionsschicht des Buches einen viel wirkungsvolleren Hinter­grund gibt. Wenn dieser nicht harmonisch ist, kann auch die in dem Buch enthaltene Information nicht aufgenommen wer­den. Wir führten interessante Experimente durch. Ich gab einer Testperson 2—3 Blätter aus dem Manuskript und bat, sie zu lesen und zu bewerten.

“Es tut mir leid”, sagte der Mensch. “Es ist unmöglich zu lesen. Der Text ist hochgestochen und schwer verständlich. Ich konnte praktisch gar nichts verstehen.”

Ich untersuchte den tieferen Hintergrund auf der feinstoff­lichen Ebene und löste über Gebet und Buße aggressive Pro­gramme auf. Der Text wurde von mir sozusagen energetisch “gereinigt”. Nach zwei Tagen gab ich denselben Text unverän­dert demselben Menschen wieder. Er las und war begeistert.

“Man sieht sofort, dass der Text gut überarbeitet wurde.

Er ist leicht zu lesen, und alles ist sofort verständlich.”

Ich verstand, dass das Wichtigste in jedem Text der tiefe, informativ-sinnesbezogene Kanal ist. Sowohl in der Malerei, als auch in der Poesie oder in einem Lied ist das, was sich hinter jedem Text, jeder Note oder jeder Form unsichtbar ver­birgt, maßgebend. Zwei äußerlich ähnliche Texte können eine absolut unterschiedliche Tiefe haben. Hier könnte man sich bis zur Unendlichkeit perfektionieren. Je mehr Liebe eine In­formation enthält, desto größer ist ihre Dichte und desto mächtiger ihre Wirkung. Es stellt sich heraus, dass die Welt rein gedanklich, ohne eine sinnliche Erkenntnis, nicht erfasst werden kann. Die sinnliche Erkenntnis wird über die Menge der in der Seele angesammelten Liebe zu Gott bestimmt.

Viele, die mein zweites Buch gelesen hatten, sagten, dass man sich danach in Jammer auflösen könnte: Auf das kleinste Vergehen folgt die Strafe, für die Sünden der Eltern und Groß­eltern bezahlen ihre Kinder und Enkelkinder. Ein Gefühl völ­liger Hoffnungslosigkeit entstehe. Ich beruhigte sie. Obwohl die Information in meinen Büchern maximal bearbeitet wurde, ist es dennoch eine Art Bericht über meinen Weg in der Erkenntnis der Welt und ihrer Gesetze. Ich erklärte meinen Patienten: “Der Mensch bezahlt nicht für seine aggressiven Gedanken. Wenn diese nicht durch aggressive Gefühle ver­stärkt werden, dringen sie nicht ein. Wenn jemand äußerlich tobt und schreit, innerlich jedoch die Liebe bewahrt, wird die­ses Verhalten sich nicht auf seine Gesundheit auswirken.”

Außerdem können die negativen Emotionen und Hand­lungen unserer Vorfahren nur dann in unser Feld übergehen und dort bleiben, wenn sie mit unserer geistigen Struktur übereinstimmen. Das heißt, wenn ich in meinen vorherigen Leben nicht eifersüchtig war, wird die Eifersucht meiner El­tern nicht in die Tiefe meiner Seele eindringen. Wenn ich richtig orientiert bin, wird sogar der oberflächliche “Dreck” verschwinden, den ich von meinen Vorfahren mitbekam. Das persönliche Karma entspricht dem elterlichen. Wenn ich in den drei vorherigen Leben Menschen verachtete, weil ich mich für etwas Besseres hielt, bekomme ich in diesem Leben einen ebensolchen Vater, Großvater und Urgroßvater. Wenn jemand anfängt, an sich zu arbeiten und sich an Gott zu wen­den, kann man behaupten, dass er kein Familienkarma mehr, sondern nur noch sein persönliches Karma hat. Je intensiver dabei sein Streben nach Gott und Liebe ist, desto weniger ist er von energetischen Einflüssen der Umgebung, negativen Er­fahrungen seiner Vorfahren und eigenen Erfahrungen aus frü­heren Existenzen abhängig. Beim Schreiben des dritten Buchs hatte ich einige Momente der Ratlosigkeit: Kaum löst man die Anhaftung an einen bestimmten menschlichen Wert, ent­steht eine neue. Der Prozess schien endlos zu sein. Deswegen versuchte ich den Begriff “menschlicher Wert” maximal zu­sammenzufassen. Letztendlich sind im Prinzip zwei Kardi­nalbegriffe geblieben: “Eifersucht” und “Stolz”.

Bestimmte Gruppen von Krankheiten und Unglücksfäl­len waren mit dem Thema der zwischenmenschlichen Bezie­hungen verbunden, andere Gruppen mit dem Thema der Fähigkeiten, des Intellekts, der Vollkommenheit.

Eifersucht rief eine Art von Krankheiten hervor, Stolz eine andere, und die Kombination aus Eifersucht und Stolz ergab in der Regel sehr schwere und oft unheilbare Krankheiten.

Ich erinnere mich, wie eine Frau in meine Sprechstunde kam und sagte: “Ich kann schon wieder gehen und sprechen”.

“Wie bitte?”, wunderte ich mich. “Konnten Sie denn vor­her nicht gehen und sprechen?”

Ihr Gesicht kam mir bekannt vor, ich konnte mich aber nicht erinnern, wo ich sie gesehen haben könnte.

“Ich bin schon zum dritten Mal bei Ihnen”, lächelte die Frau. “Beim ersten Mal musste mich mein Mann in die Sprechstunde tragen. Damals war ich nicht mehr in der Lage zu gehen und zu sprechen. Meine Erkrankung galt als unheil­bar. Muskeln bilden sich nach und nach zurück, und der Mensch kann zuerst nicht mehr gehen, dann nicht mehr spre­chen und schließlich kann er auch nicht mehr atmen. Ein Facharzt für Chirurgie sagte mir, dass man mich nicht operie­ren würde. ‘Du wirst sowieso auf dem OP-Tisch sterben’, sagte er. ‘Du hast nicht mal eine zehnprozentige Überlebens­chance.’ Ich verstand, dass er die Statistik nicht verderben wollte. Man entließ mich also zum Sterben nach Hause. Sie erklärten mir, dass ich sowohl Eifersucht als auch Stolz habe. Ich verstand, dass ich absolut keine Ahnung hatte, worin der Sinn des Lebens besteht, wofür ich lebe und wie man sich ver­halten muss, um glücklich zu sein. Ich überdachte mein gan­zes Leben und vieles wurde mir klar. Je wärmer es in meiner Seele wurde, desto schneller schwand die Krankheit. Die Liebe zu Gott war für mich immer ein abstrakter Begriff, und heute spüre ich sie einfach.”

Der Kontakt mit solchen Patienten bereitete mir Freude.

In der letzten Zeit zehrte der sechsjährige Marathon, der 1990 anfing, immer mehr an meinen Kräften. Angenehm war die Tatsache, dass mein System ohne ein unmittelbares Zutun meinerseits funktionierte. Meine Informationen waren in der Lage, Millionen von Lesern zu helfen. Bis ich mit meiner For­schung anfing, las ich überall ein und dasselbe: “Schicksal kann man nicht ändern. Dem Schicksal kann man nicht ent­fliehen.” Es herrschte die Meinung, dass es praktisch unmög­lich sei, den Charakter eines Menschen zu ändern. Dass man aber das Schicksal eines Kindes noch vor seiner Geburt, sogar vor seiner Empfängnis ändern kann, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Ich wusste noch nicht, wofür der Mensch auf diese Erde kam.

Worin besteht der Sinn des Lebens? Wofür leben wir denn, wenn wir sowieso altern, dabei alles nach und nach ver­lieren und schließlich sterben? Dass der Charakter eines Men­schen sich in wenigen Stunden kardinal ändern kann, wusste ich damals nicht.

Ich erinnere mich an eine Frau, die in meine Sprech­stunde kam. Sie erzählte mir: “Nach Ihrer letzen Sprechstunde ging ich nach Hause. Ich klingelte und meine Tochter ließ mich rein. Plötzlich fragte mich das Mädchen: “Mama, was ist denn mit dir geschehen? Ich habe überhaupt keine Lust, dir zu widersprechen.”

Es stellte sich heraus, dass, kaum hat der Mensch seine Weltanschauung geändert und spürt, wie real die Liebe zu Gott und wie illusorisch und nebensächlich alles andere ist, sich nicht nur Charakter, Gesundheit und Schicksal ändern, sondern auch die Menschen, die ihn umgeben und die ganze Welt um ihn herum. Dass man auf diese Weise nicht nur einen Men­schen, sondern ganze Menschengruppen, eine ganze Stadt, ein Volk oder ein Land retten könnte, hätte ich mir nicht mal im Traum vorstellen können. Je weiter ich jedoch vorankam, desto klarer wurde mir, wie wichtig eine richtige Weltanschauung und die Arbeit an sich sowohl für die Rettung des Einzelnen, als auch für die Rettung größerer Menschengruppen sind.

Für mich war es schwer vorstellbar, dass die größte Kraft im Universum die Liebe ist. Aber obwohl ich damals vieles noch nicht verstand, wurde die Welt für mich viel verständli­cher. Das Neuland in meiner Forschung waren die indische und die chinesische Philosophie. Warum muss man sich von allen Wünschen lossagen, um glücklich zu werden? Warum wird die Welt in der indischen Philosophie als eine Illusion betrachtet? Warum ist der Gedanke der Hauptfeind des Men­schen? Es ist doch der entwickelte Verstand, der den Men­schen ausmacht. Sagen wir so: Für mich selbst konnte ich das schon irgendwie erklären, aber mein System war dazu nicht in der Lage. In meiner Forschung gab es keine solchen Be­griffe wie “Wille”, “Wunsch”, “menschliches Bewusstsein”. Und ich wusste nicht, ob es sie noch geben wird. Ich verstand, dass alle menschlichen Werte auf eine bestimmte Weise ver­eint werden müssen. Dennoch gelang es mir nicht. Es gab also nur zwei klare und definierte Begriffe: “Eifersucht” und “Stolz”. Es gab das Verständnis dafür, wie diese überwunden werden können und wie man die Krankheiten los wird, die durch sie hervorgerufen werden.

Es kristallisierten sich noch zwei Begriffe heraus, die aber noch sehr vage waren. Der erste Begriff schloss Sittlich­keit und Nächstenliebe ein. Der zweite den Kontakt mit der Zukunft, der sich über Ziele, Träume und Ideale realisiert. Ehrlich gesagt, konnte ich ihre wechselseitige Beziehung zu­einander nicht erkennen. Im dritten Buch versuchte ich, alles zu einem System zusammenzufügen, dennoch gelang es mir nicht. In den letzen 6 Jahren arbeitete ich an der Grenze mei­ner Möglichkeiten, und obwohl das System nicht vollendet war, war es dennoch wirksam. Ich konnte mich jeden Tag davon überzeugen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich weiter vorstoßen könnte. Auf jeden Fall war ich davon überzeugt, dass es in der nächsten Zeit keinen Durchbruch in meiner For­schung geben würde.

Je näher die Fertigstellung des dritten Bandes heran­rückte, desto sehnsüchtiger betrachtete ich die leeren Lein­wände in meiner Werkstatt. Schließlich bin ich auch Maler!

Meine Pflicht gegenüber der Menschheit habe ich erfüllt, also könnte ich mich nun entspannen und das Leben genießen. So dachte ich zu Beginn des Jahres 1996. Ich hatte aber noch eine “fixe Idee”, die mich einfach nicht in Ruhe ließ: das Thema Zeit. Ich spürte aber, dass ich es noch nicht bewältigen konnte, deswegen gab ich es vorerst auf. “Ich erhole mich erst ein bis eineinhalb Jahre, und dann sehen wir weiter”, be­schloss ich. Ungefähr einen Monat lang ließ ich alles, was mit meiner Forschung zusammenhing, nach und nach los. Dann kam es zu den Ereignissen, die mich heftig aufrüttelten und mich meine Pläne und Träume vergessen ließen. Neue Infor­mation kommt oftmals in Form des Todes oder einer Reihe von Unglücksfällen, und ich fing an, diese neue Information im Frühling des Jahres 1996 zu erhalten.

Ich schrieb meine Bücher, damit ich meinen Patienten nicht immer und immer wieder dasselbe wiederholen musste. Eine auf den ersten Blick sehr einfache Information wurde öfter nur sehr schwer aufgenommen. Zuerst wollte ich einfach einen Text abtippen und dieses Blatt dann meinen Patienten aushändigen. Dann wurde mir klar, dass diese Information von allen benötigt wird, und beschloss, dass es an der Zeit ist, ein Buch herauszugeben. Einige Zeit später hatte ich die Mög­lichkeit, dies auch in die Tat umzusetzen. Dann sah ich, dass die im Buch enthaltene Information in ihrer Wirkung meiner Sprechstunde gleichwertig war. Mir blieb nur, die Details nachzuarbeiten. So beschloss ich, ein Maximum meines Wis­sens in den Büchern zu veröffentlichen, damit meine Patien­ten sich selbst heilen können und ich nur die schwierigsten Fälle bearbeiten müsste.

Es hat sich bei mir so eingebürgert, dass ich entweder überhaupt nicht arbeite, oder ich arbeite unter maximalem Druck. Wenn ich in dem, was ich gerade mache, qualitativ nicht vorankomme, wird diese Tätigkeit für mich uninteres­sant und ich lasse davon ab. Die Arbeit im Eiltempo mobili­siert alle Kräfte und ermöglicht, qualitativ neue Ebenen zu erreichen. Ein paar Jahre arbeitete ich als Raumdesigner. Ich erinnere mich, wie die Geschäftsführerin einer Einrichtung mir feierlich erklärte: “Der vorherige Künstler saß 15 Stunden lang an der Arbeit und wurde doch nicht immer mit den ihm aufgetragenen Aufgaben fertig. Es interessiert mich überhaupt nicht, wie lange sie an der Arbeit sitzen. Alles, was ich brau­che, sind Ergebnisse.” Einige Wochen später forderte sie mich auf, wenigstens 3—4 Stunden anwesend zu sein.

“Ich erledige doch alles, was Sie mir auftragen”, sagte ich.

“Ja, aber Sie sind doch höchstens eine Stunde anwesend”, wandte sie ein.

“Aber ich schaffe doch die ganze Arbeit.”

“Ich bestehe darauf, dass sie bis zur Mittagspause an Ihrem Platz bleiben”, antwortete sie.

“Ich bitte Sie, diese Forderung an denjenigen zu adres­sieren, der meinen Platz einnehmen wird”, sagte ich und kün­digte daraufhin.

So ein Arbeitsstil wurde ausgesprochen nützlich und för­derlich, als ich anfing, an den Büchern zu arbeiten. Die im er­sten Buch niedergeschriebene Information hätte ich über einige dicke Bände verteilen müssen, dennoch war es mir ge­lungen, sie zum Format einer Broschüre zusammenzupressen. Deswegen ist es manchmal schwer, meine Bücher sofort auf­zunehmen. Dafür können bedeutende Veränderungen stattfin­den. Heute wundere ich mich nicht mehr, wenn ich höre, dass nach der Lektüre meiner Bücher der Charakter sich grundle­gend ändert. Ich wundere mich auch nicht mehr, dass viele Krankheiten verschwinden. Mehr wundere ich mich darüber, wenn sie es nicht tun. Nach der Veröffentlichung meines drit­ten Buches war ich der Meinung, dass bereits praktisch ge­sunde Menschen in meine Sprechstunde kommen müssten.

Und tatsächlich: Zu den Sprechstunden kamen nun Men­schen, deren Charakter, Gesundheit und Schicksal sich ver­ändert hatten. Sie wollten sich lediglich Gewissheit verschaffen, ob sie sich in die richtige Richtung bewegen und ihre Neugier stillen. Aber nach und nach kamen Patienten, bei denen aus der Sicht meiner vorherigen Forschung zwar alles gut war, dennoch kam bei ihnen etwas Neues auf, dass für mich bis dahin unbekannt war. Dieses Neue stellte sich als schwerwiegender und gefährlicher als Anhaftung an Fähig­keiten, Intellekt und Vollkommenheit heraus. In meiner Klas­sifizierung wurde das als “Anhaftung an die Zukunft” bezeichnet. Diese konnte ich aus irgendeinem Grund nicht auflösen. Immer und immer wieder kehrte ich zu diesem Thema zurück. Um sich nicht an die Zukunft zu klammern, darf man nicht von Träumen und Plänen besessen sein. Man muss verstehen, dass alles vom Göttlichen Willen gelenkt wird. Unser Wille ist dabei nur zweitrangig. Immer wieder versuchte ich, das Thema Zukunft zu überwinden, dennoch gelang es mir nicht. Je mehr man Liebe und Wissen abgibt, desto mehr erhält man davon zurück. Deswegen bekam ich gerade während meiner Sprechstunden und Seminare neue Erkenntnisse bezüglich dieses Problems. Bei einem Vortrag erklärte ich:

“Die indische Philosophie besagt, dass Zeit der Grund­pfeiler der uns umgebenden Welt ist, Zeit lässt alles entstehen. Zeit unterteilt sich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vergangenheit ist materiell. Zukunft ist geistig. Das, was wir als Materie oder Stoff benennen, ist eine der Zeitformen. Diese Form wird als “Vergangenheit” bezeichnet. Das, was wir als “Geist”, “Feld” oder “Raum” bezeichnen, ist ebenfalls eine Form der Zeit, die sich “Zukunft” nennt. Zukunft ist gei­stiger Natur, Vergangenheit ist materiell. Gegenwart ist so­wohl materiell, als auch geistig. Liebe gebiert Geist. Geist gebiert Materie. Materie strebt danach, sich mit dem Geist zu vereinen und somit zu Liebe und zu Gott zurückzukommen.

Womit beginnt das Leben? Damit, was wir als “Homö­ostase” bezeichnen. Die räumlichen, stofflichen und energe­tischen Bedingungen ändern sich. Im Inneren einer Zelle verlaufen die Veränderungen jedoch nach einem ganz anderen Schema. Die Wechselwirkung zwischen Stoff, Raum und Energie unterscheidet sich von ähnlichen äußeren Vorgängen. Das heißt, dass die zeitlichen Abläufe in der Zelle sich von den zeitlichen Abläufen in der äußeren Umgebung unterschei­den. Damit die Zelle in ihrer Umgebung überleben kann, muss sie den Zustand des Stoffes, des Raums und der Energie um sich herum kontrollieren!

Kehren wir zur Ausgangskette zurück. Liebe gebiert in­formationelle Feldstrukturen, oder anders ausgedrückt, räum­liche Strukturen. Information verstofflicht sich und gebiert dabei Energie. Energie wird zu Materie, Materie tendiert dazu, Energie und Information zu akkumulieren. Die Kontrolle über materielle und geistige Strukturen und die Wechselwirkung mit ihnen bedeuten den Besitz von materiellen und geistigen Werten. Je entwickelter ein Organismus ist, desto besser kann er die ihn umgebende Zeit, das heißt den Raum und die Ma­terie um sich herum kontrollieren. Geistige und materielle Güter werden jedoch jede Sekunde durch das Gefühl der Liebe wiedererschaffen. Wenn aber das Ausmaß materieller und geistiger Güter den Vorrat an Liebe übersteigt, kommt es dazu, was wir als Krankheiten und Unglücksfälle bezeichnen. So wird die Akkumulierung der materiellen und geistigen Güter gestoppt und die Orientierung auf die Mehrung der Liebe verstärkt. Beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes materieller und geistiger Werte müssen die Vorräte an Liebe eine bestimmte Grenze überschreiten. Dann ziehen sich Raum und Materie zu einem Punkt zusammen, Vergangen­heit, Gegenwart und Zukunft ebenfalls. Alles verwandelt sich in ursprüngliche Zeit und kehrt zur Urquelle zurück. Je mehr materielle und geistige Güter jemand besitzt, desto stärkere Kontrolle über Gegenwart und Zukunft hat er. Wenn Stoff und Raum begrenzt sind, muss es auch für die Zeit einen Grenz­wert geben. In dem Moment, wo die persönliche Zeit eines Lebewesens mit der Endzeit gleichzieht, wird der Entwick­lungszyklus vollendet.

Das Universum ist zuerst als ein Ganzes, als einheitlicher Organismus entstanden. Diese Einheit bleibt auf der feinstoff­lichen Ebene weiter bestehen. Äußerlich völlig unterschied­liche belebte und unbelebte Objekte stellen auf der feinstofflichen Ebene ein Ganzes dar. Einfacher gesagt enthält jede beliebige stofflich-räumliche Einheit, unabhängig von ihrer Größe, die vollständige Information über das gesamte Universum. Deswegen kann man behaupten, dass das Uni­versum nach dem Prinzip eines Hologramms aufgebaut ist. Das Universum ist als ein informativ-sinnlicher Impuls, als das Unbewusste entstanden. Es kann zur Urquelle zurückkeh­ren, indem es sich zu seinem Gegenteil umwandelt. Geist ge­biert Materie. Je weiter dieser Prozess voranschreitet, desto mehr Materie entsteht, desto mehr Wechselbeziehungen bil­den sich in ihr und desto bewusster wird sie. Das Belebte un­terscheidet sich vom Unbelebten durch die hohe Dichte der Zeit, durch die Zeitkonzentration. Diese Dichte wird aber nicht aufgrund der Ausdehnung von Raum oder der Zunahme der Menge an Materie erreicht, sondern durch Informations­verbindungen, das heißt, durch die Zunahme des bewussten Aspektes. Je weiter das Universum evolutionert, desto be­wusster muss es werden, und das individuelle Bewusstsein muss sich nach und nach zum Gruppenbewusstsein entwik­keln, dabei immer mehr an Spannweite gewinnen und letzt­endlich die Größe des Universums erreichen.

Da das Universum als ein einheitliches Wesen entstand, waren das kollektive und das individuelle Bewusstsein zuerst ein Ganzes. Je weiter die Entwicklung des Universums fort­schreitet, desto größer wird die Potentialdifferenz zwischen dem kollektiven und dem individuellen Bewusstsein. Je weiter sich jedoch dieser Prozess entwickelt, desto mehr versucht das individuelle “Ich”, die es umgebende Welt in sich zusammen­zuziehen, und desto deutlichere Merkmale eines kollektiven Bewusstseins weist es dabei auf. Obwohl das Universum sich weiter ausdehnt, fängt es bereits an, sich zusammenzuziehen. Wenn das individuelle Bewusstsein eines jeden Lebewesens die Ausmaße des gesamten Universums erreicht, werden das individuelle und das kollektive Bewusstsein zu einem Ganzen. Das höchste Persönliche und das höchste Unpersönliche ver­schmelzen und der Zyklus wird beendet. Der Entwicklungs­prozess des Universums verläuft impulsartig und schwingt vom Materiellen zum Geistigen und umgekehrt. Das Bewusst­sein ist die Gesamtheit der materiellen, der geistigen und der ihre Grundlage bildenden sinnlichen Aspekte. Die Entwick­lung des Bewusstseins durchläuft 3 Stadien.

Erster Impuls: Verstärkung des Gefühls der Liebe. Zweiter Impuls: Verstärkung des geistigen Aspekts. Und der dritte Impuls bedeutet den logischen, materiellen Aspekt.

Anders gesagt steht die Liebe auf dem ersten Platz, dann kommt die Intuition und erst danach die Logik. Eine neue Er­kenntnis zerstört alte logische Strukturen, was bedeutet, dass auch die Zerstörung der geistigen Strukturen und ihre Desta­bilisierung Formen der Erkenntnis des Neuen sind. Auch die Zerstörung und Destabilisierung der Liebe zu der uns umge­benden Welt sind unabdingbare Voraussetzungen für Erkennt­nis. Je größer der Schritt in der Erkenntnis ist, der einem Menschen bevorsteht, desto massivere Erschütterung aller Grundlagen muss er erfahren. Je stärker in dieser Situation seine Liebe zu Gott ist, desto nebensächlicher werden für ihn seine physische, materielle Hülle, seine geistigen Strukturen und sein Gefühlspotential und desto einfacher wird es für ihn, auf eine neue Ebene zu steigen. Jeder Mensch, wie übrigens jedes Lebewesen schlechthin, hat ein Modell seiner Umwelt. Das sinnliche Modell ist umfassend, jedoch sehr träge. Das Modell unseres Bewusstseins ist zwar weniger umfassend, be­sitzt jedoch eine höhere Adaptionsgeschwindigkeit. Aber egal wie vollkommen ein bewusst-sinnliches Modell der Umwelt ist, bleibt es immer begrenzt. Das bedeutet, dass ein Fehler unumgänglich ist. Dieser führt dann zum Konflikt mit der Umwelt und somit zu Aggression und Krankheiten. Das ein­zig effektive Modell der Zukunft kann man bilden, wenn man die Welt über die Urquelle ergründet, das heißt, über die Liebe zu Gott. Wenn diese Liebe Priorität besitzt, bricht das Be­wusstsein bei einem Konflikt mit der Umwelt nicht zusam­men und geht auch nicht daran zugrunde, sondern stellt sich um und erreicht dabei neue Ebenen. Folglich sind Krankhei­ten, Unannehmlichkeiten, Unglücksfälle ein Anzeichen dafür, dass unser Modell der Umwelt nicht mehr der Realität ent­spricht. Um etwas zu verstehen, müssen wir unsere Intuition verstärken. Um die Intuition verstärken zu können, müssen wir die Liebe zur uns umgebenden Welt steigern, und dafür müssen wir die Liebe zu Gott intensivieren!

Im dritten und vierten Buch versuchte ich, alle mensch­lichen Werte in drei Gruppen einzuteilen: materielle Werte, geistige Werte, zu denen Beziehungen, Fähigkeiten und In­tellekt gehören, und die von mir als “Liebe zu Menschen und zur Welt” bezeichnete Gruppe. Dann stellte sich heraus, dass die Liebe zu Menschen und zur Welt eine noch feinstoffli­chere Schicht der geistigen Werte ist und dass sie eine Grundlage sowohl für Beziehungen als auch für Intellekt und Fä­higkeiten bildet. Noch später erwies sich, dass dies die Form eines erweiterten Kontaktes mit der Zukunft ist. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es das gefährlichste Thema ist, und dass die Anhaftung an den Kontakt mit der Zukunft die Hauptursache für schwere psychische Erkrankun­gen, Krebs, Unfruchtbarkeit oder plötzlichen Tod darstellt.

Die zukunft

Vor mir sitzt eine Patientin.

“Zuerst erzähle ich Ihnen meine Geschichte”, sagt sie.

“Vor ein paar Jahren wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Spä­ter stellte man fest, dass bereits weitverzweigte Metastasen gebildet wurden. Die Behandlung brachte keine besonderen Ergebnisse. Dann stieß ich zufällig auf Ihr erstes Buch. Ich las es und die anderen beiden auch. Ich hatte Glück, denn es waren keine Fälschungen Ihrer Bücher, die es bei uns in New­York genauso viel wie in Russland gibt. Nachdem ich Ihre Bücher gelesen hatte, wurde mein Körper mit offenen Wun­den übersät, aus denen Blut und Eiter austraten. Nach einiger Zeit spürte ich, dass ich gesund bin. Aber japanische Ärzte, die hier in New-York mit ausgezeichneten diagnostischen Ge­räten arbeiten, die durch modernste Computertechnologien kleinste Anzeichen einer Krebserkrankung sehr schnell auf­spüren, sagten mir, dass eine vollständige Heilung nicht er­folgt war. Irgendetwas ist dennoch geblieben. Und heute komme ich zu Ihnen, um zu erfahren, was ich in Ihren Bü­chern nicht verstanden hatte, dass ich nicht vollkommen ge­sund werden konnte?”

Ich sehe sie an und denke, dass es viele Menschen gibt, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Das sind Menschen, deren einzige Hoffnung und einzige Rettungschance die in meinen Büchern niedergeschriebenen Informationen sind. Der Umstand, dass ich es nicht geschafft habe, einige einfache Wahrheiten rechtzeitig zu erkennen, wird nun diese Menschen daran hindern, zu überleben und gesund zu werden.

“Sie haben nur eine Anhaftung”, sage ich zu der Frau.

“Nur ein Problem wurde nicht gelöst. Die Zukunft ist bei Ihnen zu mehr als 100% verschlossen. Solange das so bleibt, werden sie nicht vollständig genesen können.”

“Was bedeutet das: Die Zukunft ist verschlossen?”, fragt mich die Frau. “Heißt das, dass ich zu viel träume und ständig Pläne schmiede?”

“Das ist nicht das wichtigste Anzeichen. Es geht um etwas viel Ernsteres”, sage ich und fange an, ihr die Situation ruhig und methodisch zu erklären. Nach einiger Zeit beobachte ich, wie ihr Feld sich langsam ändert. Das bedeutet, dass ihre “im Hinterhalt sitzende” Krankheit nun zurückweicht.

Ich erinnere mich, wie das Thema Zukunft für mich ak­tuell wurde. Alles fängt mit einem Empfinden der Instabilität und mit dem Verlust der Kontrolle in bestimmten Situationen an. Wir glauben, dass wir über Logik und Gedanken alles be­werten. Der Gedanke ist jedoch ohne Gefühle nicht lebensfä­hig. Wenn aber die Gefühle keine minimale Anpassung an die Umgebung sicherstellen, wird das Bewusstsein unsicher und Angst kommt auf.

Als ich Auto fahren lernte, hatte ich panische Angst und sah ständig zu meinem Fahrlehrer hin, der neben mir saß. Eines Tages setzte ich mich alleine ins Auto und fuhr los. Nach einer Minute überkam mich das Gefühl, als ob ich so etwas schon mein Leben lang gemacht hätte. Ich trat aufs Gas­pedal und fuhr ab diesem Augenblick immer am Limit. Kurze Zeit später hatte ich einen Beifahrer. Etwa 10 Minuten nach­dem wir gestartet hatten, fragte der Mann vorsichtig: „ Sagen Sie mal, wie lange fahren Sie schon?”

“2—3 Monate”, antwortete ich.

Er schwieg einen Augenblick lang und sagte schließlich:

“Naja, dass muss wohl am Charakter liegen.”

Im Frühling 1996 geschah mit mir etwas Seltsames: Ich hatte plötzlich Angst, Auto zu fahren. In ein paar Tagen verur sachte ich 3 Unfallsituationen, bei welchen ich und mein Auto nur rein zufällig unbeschadet davonkamen. Das Interessante dabei war, dass ich auf der Gedankenebene erkannte, dass die Situation gefährlich ist, aber das änderte rein gar nichts. Wenn das Gefühl eine Situation nicht einzuschätzen vermag, wird der Gedanke nur in einem von 4 bis 5 Fällen retten können.

Ich versuchte, etwas vorsichtiger zu fahren, das Sicher­heitsgefühl kehrte jedoch immer noch nicht zurück. Als ich mit dem Autofahren anfing, bemerkte ich, wie sehr der emo­tionale Zustand mit den Vorfällen während der Fahrt zusam­menhängt. Wenn Sie anfangen, über Fußgänger schlecht zu denken, kann es damit enden, dass sie einen Menschen auf der Straße anfahren, wobei es absolut unbeabsichtigt von Ihnen sein wird. Wenn Sie arrogant über Verkehrspolizisten denken, sie gedanklich oder verbal beleidigen, kann es pas­sieren, dass ein Verkehrspolizist Sie noch am gleichen Tag erniedrigt, wobei es völlig ungerechtfertigt und unlogisch sein wird. Für mich erschloss sich daraus eine Regel, die man strikt befolgen muss, wenn man am Steuer eines Autos sitzt. Sie be­steht aus 4 Punkten:

Erstens: Achte Fußgänger. Zweitens: Achte Autofahrer. Drittens: Achte Verkehrspolizisten.

Viertens: Achte auf Verkehrszeichen.

Ich bemerkte, dass Autofahren mir wesentlich leichter fiel. Ich spürte, dass, auch wenn es zu einem Verkehrsunfall kommen sollte, der Schaden deutlich geringer als in einer ge­wöhnlichen Situation ausfallen würde.

Ein Jahr später hatte ich einen Verkehrsunfall und über­lebte nur durch ein Wunder. Ich analysierte die Situation: Ich fing an zu bremsen, obwohl ich sah, dass sich auf dem Rand­streifen Sand befindet. Als der Wagen ins Schleudern geriet, musste ich abbremsen, ohne die Kupplung zu betätigen, damit der Wagen stabil blieb. Die linken Räder fuhren aber durch eine Pfütze, auf deren Boden sich Schlamm befand. In sol­chen Fällen ist der Wagen nicht steuerbar. Die wichtigste Regel wurde befolgt und dennoch baute ich den Unfall. Ich dachte nach und fügte den 5. Punkt hinzu: “Achte auf die Straße, die du befährst, egal wie sie beschaffen ist.”

Später hatte ich immer wieder Gelegenheiten, mich davon zu überzeugen, dass Angeberei und Übermut auf der Straße der direkte Weg zum Selbstmord sind. Unser emotio­naler Zustand bestimmt, ob wir in einen Verkehrsunfall gera­ten und wie schlimm dieser sein wird, und zwar lange bevor dieser tatsächlich passiert.

Diese Regel half mir im Frühling des Jahres 1996. Da­mals spürte ich, dass bei mir mit der Zukunft nicht alles in Ordnung ist. Plötzlich überkam mich Müdigkeit. Ich verlor die Kraft, mir war schwindlig. Ich schaute nach, womit das zusammenhing. Die Antwort war immer die gleiche: Es war mit anderen Welten verbunden. Auch meine Sehkraft ließ nach, und dies geschah auch sehr seltsam. Manchmal konnte ich sogar sehr kleine Schrift lesen, und manchmal sah ich große Buchstaben nur verschwommen. Die Lage war genauso ernst, wie in der Situation, die ich im zweiten Buch beschrieb, als ich am Erblinden war. Diesmal verlief alles viel langsamer und ernsthafter. Ich fühlte mich wie eine Fliege, die in einem Spinnennetz gefangen ist und sich zu befreien sucht. Ich spürte, dass ich das, was auf mich zukommt, nicht zu bewäl­tigen vermag. In einer kritischen Situation kann der Mensch überleben, wenn er sich selbst vergisst und anderen hilft.

Als ich sah, dass die Situation ausweglos ist, baute ich meine heilerische Tätigkeit aus und versuchte, mich selbst zu öffnen sich Reserven, die unzugänglich sind, wenn man nur sich selbst zu retten versucht. Diesmal jedoch half mir dieser Ansatz nicht. Mein Leben ist für mich schon längst wie eine Schachpartie geworden. Ich sehe es mir an, als ob ich ein Au­ßenstehender sei. Diesmal spürte ich, dass der Gegner viel stärker war als ich. Nach wie vor war ich bestrebt, irgendet­was zu unternehmen, sah aber, dass die Situation langsam außer Kontrolle geriet. Das geschah zu der Zeit, als das dritte Buch herauskam. Zu diesem Zeitpunkt versuchte ich, das Leben eines meiner Patienten zu retten. Dieser hatte Lungen­krebs. Er befolgte alles, was ich ihm sagte, aber sein Zustand verschlechterte sich. Irgendetwas in seinem Charakter hin­derte ihn daran, sich zu ändern. Das war aber nur die Hälfte des Problems. Ich spürte, dass ich etwas nicht weiß, dass mir etwas entgleitet. Der Patient siechte langsam dahin. Schließ­lich starb er.

Nachdem mein drittes Buch veröffentlicht war, hielt ich in Moskau einen Vortrag. Anschließend empfing ich Patien­ten. Eine Frau erzählte mir, dass ihr Vater Lungenkrebs hatte.

“Er betete, machte Urintherapie, und nach einiger Zeit war sein Lungenkrebs weg”, erzählte sie. Es schien so einfach zu sein. Aber warum konnte der eine in dieser Situation genesen und der andere nicht? Es gibt Fälle, in denen Menschen, wenn sie von ihrer Krebserkrankung erfahren, aufhören, Fleisch zu essen, strenge Diät halten und auf diese Weise gesund werden. Viele wissen, was Makrobiotik ist. Richtige Ernährung half schon oft, eine Krebserkrankung zu heilen. In New York hatte ich jedoch einen sehr eifrigen Anhänger der Makrobiotik als Patienten. Seine Diagnose lautete Halskrebs. Bei einem an­deren Anführer dieser Bewegung starb seine Frau an Krebs, und seine Tochter wurde nicht mit Diät, sondern mit Magnet­wasser und anderen Mitteln behandelt. Das bedeutet, dass so­wohl die Diät, als auch die Urintherapie und andere Mittel nur die Rahmenbedingungen schaffen, die einem Menschen helfen, sich umzustellen. Warum wendet sich ein Mensch an Gott, und sein Gebet wird erhört und er wird gesund? Warum erhört Gott das Gebet eines anderen nicht? Warum können manche nicht beten und die anderen wollen es nicht?

Damals konnte ich diese Fragen nicht ausreichend beant­worten. Das einzige, was ich wusste, war, dass ein verbitterter und selbstverliebter Mensch kaum in der Lage ist, gesund zu werden, wenn er sich durch Gebet an Gott wendet. Manchmal ist es so, dass ein Mensch rein äußerlich bereit ist, sich zu än­dern, seine Seele jedoch es nicht will. In einem solchen Fall kann er entweder diesem Gefühl nachgeben, und dann wird ihn kaum etwas retten können, oder er wird unter Schmerzen und Qualen in jeder Situation zu spüren versuchen, dass sein Verstand, sein Wille und er selbst zweitrangig sind und die Liebe zu Gott auf dem ersten Platz steht. Nach einem Vortrag erzählte mir ein junger Mann Folgendes: „ Als der Vortrag an­fing, verspürte ich einen starken Drang, den Saal zu verlassen. Es erforderte viel Kraft, an meinem Platz zu bleiben. Zum Schluss schlugen Sie vor, dass wir beten sollen. Ich konnte das nicht, mir war die Zunge wie festgeklebt.”

“Für Ihre Seele sind die menschlichen Werte zu wichtig geworden”, erklärte ich ihm. “Sie stellen zu hohe Ansprüche, besonders an sich selbst. Selbstverachtung, Unzufriedenheit mit sich selbst sind auch eine Art Stolz. Früher konnte ich nicht verstehen, warum vielen Menschen in der Kirche schlecht wird. Jetzt verstehe ich es. In einem Gotteshaus wer­den die menschlichen Werte erniedrigt, in das Unterbewusst­sein wird die Information über ihre Nebensächlichkeit eingeführt. Je mehr die Seele an ihnen haftet, desto schmerz­hafter verläuft der Normalisierungsprozess. Wenn der Mensch außerdem nicht auf maximale Gutmütigkeit eingestellt ist, wenn er ein Gotteshaus betritt, verursacht der Einstellungsbruch eine Aggression, die sich schließlich gegen diesen Men­schen selbst wendet und große Probleme hervorruft.

Je mehr ein Mensch auf seine Fähigkeiten, seinen Intel­lekt, seine Karriere ausgerichtet ist, desto größeren Schaden trägt dabei seine Seele davon und desto schlechter wird er sich in einem Gotteshaus fühlen, da die Anhaftung an geistige Werte die größten Probleme verursacht.

Eine Patientin erzählte mir eine denkwürdige Geschichte.

Ihre Tochter war sehr gut in der Schule und beendete sie mit einer Goldmedaille. Ihre Aufnahme an einer Universität verlief reibungslos. An der Uni war sie eine der besten Stu­dentinnen. Während dieser ganzen Zeit war sie kein einziges Mal in der Kirche, sie hatte einfach nicht die Gelegenheit dazu. Im dritten Studienjahr zog sie etwas in die Kirche. Sie ging hin, hielt sich dort eine Weile auf. Sie fühlte sich nicht schlecht und sie bekam auch keine Schmerzen, aber sie hatte die Emp­findung, dass etwas mit ihrer Psyche geschah. Anschließend kam es zu einer rapiden Verschlechterung ihres psychischen Zustandes und sie wurde in eine Klinik eingewiesen.

“Und nun ist meine Tochter praktisch ein Krüppel”, er­zählte die Frau. “Sagen Sie mir bitte, hängt das, was meiner Tochter widerfahren ist, mit ihrem Besuch in der Kirche zu­sammen, oder nicht?”, fragte sie.

“Ja, es hängt damit zusammen. Die Orientierung auf gei­stige Werte, auf Intellekt, Fähigkeiten und Karriere war bei der jungen Frau um das Hundertfache stärker als die Liebe zu Gott. Hätte sie von Kindheit an die Kirche besucht, hätten Sie sie zu beten gelehrt, wäre ihr die schnelle Entwicklung des Intellekts und der Fähigkeiten von oben sofort versperrt worden, was sie zu lieben angespornt hätte. Wenn der Drang zur Karriere und zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten sich als zu stark herausge­stellt hätte, wäre ihr dies für eine lange Zeit verwehrt geblieben. Sie wäre zu einer ‘geistig Armen’ geworden, bis sie es geschafft hätte, sich eine richtige Orientierung anzuerziehen. Wenn der Zug bereits in voller Fahrt ist, wird die Kehrtwen­dung zu einer Entgleisung führen. Ihre Tochter war zum Tode und zur Unfruchtbarkeit verdammt. Um zu überleben und eine Chance auf Nachkommen zu erhalten, musste sie all das ver­lieren, weswegen ihre Seele zu zerfallen drohte. Dieser Weg ist unvermeidbar, und je früher der Mensch ihn beschreitet, desto glücklicher wird er letztendlich sein.”

Ich denke, dass diese Frau mich verstanden hatte und dass sie spürte, wie sie beten muss, damit ihre Tochter gesund wird. Es scheint so einfach zu sein: Bewahre die Liebe zu Gott, egal was geschieht. Wenigstens ein bisschen Liebe muss in der Seele vorhanden sein, wenn die Unannehmlichkeiten beginnen. Seltsamerweise schaffen es nicht viele.

Erst einige Zeit später fing ich an zu verstehen, warum das so ist. Der Mensch geht stufenweise zu Gott. Er ist nicht abhängig von der Stufe, die hinter ihm liegt. Er ist aber ab­hängig von der Stufe, die ihm bevorsteht. Um sie besteigen zu können, muss er sie eine Weile erleben, sie spüren, sie sich zum Ziel machen, das ist notwendig. Sobald er sich aber daran gewöhnt hat und sich eine Empfindung für die Stabilität auf der nächsten Stufe einstellt, muss er zurückfallen. Dann ver­liert er die Verbindung zu der Stufe vor ihm, hat aber auch keine Verbindung mehr zu der Stufe, die hinter ihm liegt.

In diesem Moment, wenn die Existenz einzustürzen droht, wird der Mensch die Liebe zu Gott zu erhalten versuchen. Je stärker er das Aufflammen der Liebe verspürt, während sich ihm neue menschliche Werte öffnen, desto größeren Schmerz muss er überwinden, damit seine Seele sich nicht an sie hängt. Es gibt Schmerzen, es gibt aber auch Qualen. Je mehr der Mensch daran gewöhnt ist, das Gefühl der Liebe zu verteidigen und zu bewahren, desto mehr wird die Katastrophe zu einem Wettbewerb, bei welchem der Mensch sich weiterent­wickelt und das Unglück immer mehr zum Training wird.

Je stärker der Mensch ist, desto höher ist sein Bewusst­seinsstand und desto weniger Überlebenschancen hat er, wenn seine Orientierung falsch ist. Leider denken die Eltern bei der Förderung ihrer Kinder nur daran, was einen sofortigen Erfolg verspricht.

Aber, damit ein Mensch zu einem richtigen Menschen wird und seine Menschlichkeit auch weiterhin bewahrt, muss man immer wieder wiederholen, dass er nur rein äußerlich ein Mensch ist. Innerlich ist er göttlich, und diese Göttlichkeit be­steht aus ewiger Liebe. Wie eine Biene Honig sammelt, so ist ein Mensch dazu bestimmt, dieses Gefühl in seiner Seele an­zuhäufen. Je wirklicher der Mensch das Göttliche in seiner Seele spürt, desto menschlicher wird er.

Kehren wir zurück zum Thema der Zeit und der Zukunft. Im April 1996 bat man mich, einem Menschen zu helfen.

Ich sollte zu ihm ins Krankenhaus fahren. Als ich aber erfuhr, dass dieser ein Geschäftsmann war, und zwar ein Großunter­nehmer, beschloss ich, nicht hinzufahren. Oftmals ist es sinn­los, solche Menschen zu behandeln. Sie sind gewohnt, alles, nur eines nicht zu machen, nämlich sich zu ändern. Nachdem sie sich einige Zeit in der führenden Position behauptet und dabei gemerkt haben, dass ihr Bewusstsein, ihr Wille und ihr Intellekt ihnen erlauben, alles zu erreichen, nehmen sie nicht wahr, dass das Bewusstsein, der Wille und der Intellekt sich in einen Galgenstrick verwandeln, wenn sie nicht mehr vom Gefühl der Liebe genährt werden. Wenn ein solcher Mensch sich an mich wendet, dann nur, weil er mich wie eine Tablette gebrauchen will. Für ihn bin ich eine der trendigen Behand­lungsmethoden, von denen er 5—7 gleichzeitig anwendet. Ich erinnere mich an einen Fall, als man mich bat, einen Mann an­zuschauen, der extra dafür aus Kanada gekommen war. Seine Ärzte sagten ihm, dass er nur noch einige Wochen zu leben hätte. Er hatte einen Tumor im Gehirn. Als er klingelte, öffnete ihm mein Bekannter, dem die Räumlichkeiten gehörten.

“Warum ist Ihr Kronleuchter staubig?”, war die erste Frage, die der Kranke stellte.

Das erzählte man mir später. Als er ins Zimmer kam und ich ihm in die Augen sah, verstand ich, dass ich hier nichts machen konnte.

“Welche Garantie können Sie mir geben, wenn ich Ihre Behandlung bezahle?”, fragte er.

“Keine.”

“Warum?”

“Weil in erster Linie alles von Ihnen und Ihrer Bereit­schaft, an sich selbst zu arbeiten, abhängt.”

“Na gut, aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich überlebe, wenn ich nach Ihrer Methode an mir arbeite?”

“Circa sieben Prozent.”

“Das ist aber viel zu wenig.”

“Manchmal ist das sehr viel.” Damit war unser Gespräch beendet.

Wenn ein Krebspatient sich an mich wendet und mich fragt, ob er sich nach einem Gespräch mit mir von den Ärzten behandeln lassen solle, sage ich ihm, dass man in einer kriti­schen Situation alles unternehmen sollte, um die Lage zu ver­bessern. Sowohl eine Diät, als auch Medikamente, Chemotherapie und Bestrahlung können nutzlos sein, wenn der Mensch sich nicht grundlegend ändern konnte. Und um­gekehrt: Ihre Effektivität kann sehr hoch sein, oder sie sind gar nicht mehr notwendig, wenn er gespürt hat, in welcher Richtung er sich bewegen muss.

Ich erinnere mich, wie vor ein paar Jahren eine Frau, die in meine Sprechstunde kam, mir Folgendes erzählte:

“Ich hatte Morbus Hodgkin und wurde mit Chemothera­pie behandelt. Die Laborergebnisse waren nicht besonders gut, und eine ständige Angst lähmte meine Seele. Eines Tages schaute ich mir Kinder an, die ebenfalls an Krebs erkrankt waren, und spürte eine solche Liebe zu ihnen, dass mir meine Angst und Unzufriedenheit mit der Welt und mit mir selbst peinlich wurden. Ich dachte: ‘Sie sind noch so jung und den­noch müssen sie sterben. Was hab ich denn für ein Recht, aus meiner Situation ein Drama zu machen?’ Die Laborergebnisse wurden sofort besser und auf die Chemotherapie reagierte mein Organismus plötzlich allergisch. Die Ärzte mussten die Behandlung abbrechen, ich wurde aber auch so gesund.”

“Gott schützt einen gutmütigen Menschen”, dachte ich.

Ich erinnere mich an ein Telefongespräch mit einem Mann aus Jakutien.

“Sagen Sie mal, soll ich mich einer Operation unterzie­hen?”, fragte er mich und erklärte seine Situation. Sein ganzes Leben lang fühlte er sich gesund, aber als man ihn kürzlich untersuchte, stellte man fest, dass ihm eine Niere fehlte. Nach einer genaueren Untersuchung fand man heraus, dass die Niere doch vorhanden ist, sie sei aber sehr klein und einge­schrumpft und funktioniere allem Anschein nach praktisch gar nicht.

“Sie stört Sie nur”, sagten seine Ärzte. “Es wäre besser, sie zu entfernen.”

Er wurde in ein Krankenhaus eingewiesen und man legte den Termin für die OP fest. Sie kam aber nicht zustande, weil der Chirurg an diesem Tag irgendetwas mit seinem Arm hatte. Der Termin wurde um zwei Wochen verschoben. Als der Tag kam, wurde der Arzt unerwartet wieder krank und die OP wurde wieder verschoben. Beim dritten Mal geschah das Gleiche.

“Ich wurde aus dem Krankenhaus entlassen und nun weiß ich nicht, ob ich mich operieren lassen soll oder nicht”, sagte er.

“Machen Sie das nicht”, antwortete ich ihm. “Die Miss­bildung ihrer Niere dient der Unterdrückung eines sehr star­ken Selbstvernichtungsprogramms. Wenn man diese Niere entfernt hätte, müsste das Programm auf eine andere Weise unterdrückt werden, zum Beispiel über Schlaganfall oder Blindheit. Ein solch starkes Selbstvernichtungsprogramm ist das Ergebnis der Verurteilung und Verachtung anderer Men­schen, der Gesellschaft und der Umgebung. Diese ausge­prägte Tendenz, andere zu verurteilen, haben Sie seit Ihrer Kindheit, weil man Ihnen beigebracht hatte, für Prinzipien und eine schöne Zukunft zu leben. Bei einer solchen Weltan­schauung wird der Drang, alle zu verurteilen und schließlich zu vernichten, immer stärker und wird schließlich zu einem Selbstvernichtungsprogramm. Sie sind aber ein gutmütiger Mensch, und obwohl man Ihnen Ihre Wahrnehmung der Welt verstümmelt hatte, versuchten Sie dennoch die Gutmütigkeit Ihrer Seele zu bewahren. Deswegen haben Sie einerseits eine Missbildung, sind andererseits dennoch gesund, weil die zu­sammengeschrumpfte Niere die falsche Weltanschauung, die in Ihre Emotionen eingeprägt wurde, ausgleicht. Also, wenn Ihre Niere ihnen keine spürbaren Probleme bereitet, sollten Sie sich mit einer OP nicht beeilen.”

Diese Geschichte kam mir in den Sinn, als ich unterwegs zum Krankenhaus war, in welchem ein Geschäftsmann lag, dem ich helfen sollte. Ich beschloss, zu fahren, als ich die Dia­gnose erfuhr. Lungenkrebs. “Vor Kurzem ist ein Lungen­krebspatient von mir gestorben, diesen Mann versuche ich jedoch zu retten”, dachte ich.

Im Krankenzimmer sah ich einen blassen, ausgelaugten Mann. Allerdings merkte man sofort, dass sein Verstand und sein Wille keinen Schaden genommen hatten.

“Von Ihrer Kindheit an sind Sie gewohnt, sich auf Ihren Intellekt und Ihre Fähigkeiten zu orientieren”, sagte ich zu ihm. “Das erlaubte Ihnen, Ihre Ziele zu erreichen, sich selbst weiter zu entwickeln. Je länger und intensiver Sie sich jedoch auf den Intellekt und Ihre Fähigkeiten stützten, desto schmerz­hafter empfanden Sie jede Niederlage. Je mehr einem Men­schen seine Fähigkeiten und sein Intellekt bedeuten, desto stärker versucht er, jede Situation zu kontrollieren und vergisst dabei, dass sein Wille immer zweitrangig sein wird!

Der Konflikt mit der ganzen Welt und dem ganzen Uni­versum wächst immer weiter an. Da die Empfindung unserer primären Wichtigkeit und der Wunsch, uns die Umgebung un­terzuordnen, in unserem Bewusstsein und unserem Körper an­fangen, werden zuerst das Bewusstsein und dann der Körper zerstört. Es fängt mit Rückschlägen, mit unlogischen Missge­schicken und Ungerechtigkeiten an. Wenn der Mensch diese ersten Anzeichen richtig aufnimmt, schafft er es, sich rechtzei­tig auszubalancieren. Wenn er sich jedoch nicht von der Kon­trolle über seine Situation lossagt, sondern sie über Gereiztheit und Unzufriedenheit mit seiner Umgebung auch noch verstärkt, zieht sich die “Schlinge” noch enger zusammen.

“Für Sie wäre es wünschenswert, sich an alle Misserfolge und Unannehmlichkeiten zu erinnern und sie wie eine Arznei anzunehmen. Sie müssen über die Buße allen Groll auf ihre Umgebung, ihre Nächsten und auf sich selbst auflösen. Und beten Sie, dass das höchste Glück für Sie die Liebe zu Gott sein möge”, sagte ich zum Patienten.

Der Kranke verstand mich ausgezeichnet. Er fing an, an sich selbst zu arbeiten. Ich spürte aber, dass er sich dennoch innerlich nicht änderte. Irgendetwas in seinem Inneren hinderte ihn, sich zweitrangig und von einem höheren Willen ab­hängig zu fühlen. Sein Feld wurde langsam ebenmäßiger und reiner. Die Anhaftung an Fähigkeiten, Intellekt und Vollkom­menheit schwand allmählich. Die Situation wurde jedoch nicht besser, da immer noch ein Umstand unverändert blieb, nämlich die Anhaftung an die Zukunft.

“Hören Sie auf zu planen, zu träumen und an die Zukunft zu denken”, sagte ich ihm und seiner Frau.

“Aber wir denken, planen und hoffen doch schon gar nicht mehr”, antworteten sie.

Dennoch, egal wie oft ich ihn testete, blieb der Wert sei­ner Anhaftung an die Zukunft immer noch sehr bedrohlich. Hier war ich machtlos. Irgendetwas blieb mir verborgen, aber was das war, konnte ich nicht verstehen. Da ich mir meiner Unzulänglichkeit bewusst war, versuchte ich, andere Fach­leute hinzuzuziehen. Eine Bekannte von mir, eine erstklassige Hellseherin, musste ehrlich zugeben: “Ich verstehe rein gar nichts. Ich sehe mir sein Feld an, es ist klar und rein, aber die Energie fließt dennoch ab.”

Die Überlastung erreichte bei mir einen kritischen Punkt und ich spürte das. Es wäre für mich jedoch einfacher, selbst zu sterben, als zuzusehen, wie mein Patient langsam stirbt. Die gefährlichen Prozesse in der Lunge kamen zum Stillstand und er war auf dem Weg der Besserung. Die Lungen reinigten sich, dafür versagten plötzlich die Nieren. Sein Organismus hörte auf, sich der Krankheit zu widersetzen. Ende Juli starb er. Je mehr ich versuchte, ihn zu retten, desto mehr merkte ich, dass bei mir die gleichen Prozesse wie bei ihm in Gang gesetzt wurden. Ich erinnere mich, wie ich vor etwa acht Jah­ren in einer Gesellschaft von Hellsehern war und wir uns die Zeit mit Diagnostik vertrieben. Einer der Hellseher wandte sich plötzlich an mich und sagte: “Und die Ursache Ihres Todes werden die Lungen sein.” Das überraschte mich nicht. Einige Jahre vor diesem Treffen hatte ich im Verlauf weniger Monate drei Lungenentzündungen. Im ersten Jahr auf der Su­vorov-Militärakademie bekam ich plötzlich eine schlimme Bronchitis, die durch nichts geheilt werden konnte. Der Chef­arzt der Sanitätsstelle sah mich mitleidig an und sagte: “Junge, es sieht so aus, als hättest du Tuberkulose.”

Diese Diagnose hatte sich nicht bestätigt, die Medika­mente halfen dennoch nicht. Die Ärzte beschlossen, mich nicht von der Akademie zu entlassen, da sie hofften, dass mein Organismus es selbst schaffen würde. Und tatsächlich, nach einiger Zeit verging die Krankheit von alleine. Später analy­sierte ich, was geschehen war.

Wenn ein Mensch dazu tendiert, zu verurteilen, schlecht über alle zu denken, leidet seine Leber. Wenn er jemanden ge­kränkt hat oder sein Groll stoßweise aufflammt, wird sein Herz in Mitleidenschaft gezogen. Wenn ein Mensch sich oft gekränkt fühlt, und er die Ursache dafür nicht nur in seinen Nächsten, sondern in sich selbst oder seiner momentanen Si­tuation sieht, leidet sein Magen. Die größten Kränkungen kommen auf der feinstofflichen Ebene zum Vorschein, zwar unmerklich, dafür aber ununterbrochen. Je breiter das Spek­trum der Ansprüche ist, desto gefährlicher ist es. Die Unzu­friedenheit mit der Umgebung, mit dem eigenen Schicksal, ständige innerliche Ablehnung der momentanen Situation er­zeugen die tiefsten Kränkungen, was öfter zum Lungenkrebs führt. Im besten Fall endet es mit Tuberkulose oder ständigen Erkrankungen der Bronchien oder Lungenentzündungen.

Im ersten Jahr an der Suvorov-Akademie wollte ich nicht dort sein. Mir gefielen die strenge Disziplin nicht, der Kult der Stärke, der dort sehr ausgeprägt war, ich mochte nicht, dass die jüngeren durch die älteren erniedrigt wurden. Das alles war dort aber bei weitem nicht so schlimm, wie in der sowjetischen und jetzt in der russischen Armee, wo Schikane, Gewalt und Willkür mehr an der Tagesordnung sind als in einem Gefängnis.

Ich stellte fest, dass Lungenkrebs eine Art Protest ist, eine Form der Nichtannahme der uns umgebenden Welt. Das ist die schlimmste Variante des Widerstands, bei der man nicht äußerlich, sondern innerlich kämpft. Je mehr der Mensch sich beleidigt fühlt, je mehr er die Welt innerlich verurteilt, desto weniger Möglichkeiten hat er, die Situation äußerlich zu ver­ändern.

“Ich erzähle Ihnen eine merkwürdige Geschichte”, schrieb mir ein Mann. “Es geht um meinen Sohn. Alles fing mit einer Schlägerei an.”

Sein Sohn hatte seinen Gegner verprügelt, und der Kampf war beinahe beendet. Plötzlich überkam ihn eine pa­nische Angst, die ihn so lähmte, dass er keinen Finger mehr rühren konnte. Sein Gegner sah das, kam auf ihn zu und schlug ihm ein paar Mal ins Gesicht. Er konnte sich aber nicht mehr wehren. Danach hatte man ihn oft verprügelt und ver­höhnt, und er konnte sich nicht mehr schützen. Der junge Mann dachte schon, dass es krankhaft sei, aber seine Feigheit verschwand, sobald er alleine war. Öfter riskierte er sein Leben und empfand dabei keine Angst. Die Angst kam immer nur dann hoch, wenn er sich verteidigen musste.

Dieses Syndrom der Schutzlosigkeit war mir bekannt. Es kam mir so vor, als sei die Rede von mir gewesen. Früher hatte ich ebenfalls Angst, Paroli zu bieten, und ging auch alle möglichen Risiken ein, um mir zu beweisen, dass ich kein Feigling bin. Man erzählte mir mal von einem Jungen, der öfter von seinen Altersgenossen verprügelt wurde. Sie schlu­gen ihn oft nur so zum Spaß. Er schützte nur das Gesicht mit seinen Händen und wiederholte: “Gott, vergib ihnen. Sie wis­sen nicht, was sie tun!”

Hier funktionierte dasselbe Prinzip. Erst als ich mich mit Bioenergetik beschäftigte, erkannte ich, dass die in der Jugend lähmende Angst eine Art Schutzmechanismus darstellt und von einer guten Ausbalancierung des Nervensystems zeugt. Als ich älter wurde, kam es ein paar Mal vor, dass ich Wutan­fälle bekam, wenn Menschen mich reizten, und ich sie dabei fast umgebracht hätte. Nur ein Wunder hielt mich davon ab. Das war besonders schlimm, wenn ich sah, dass sich mir ge­genüber jemand mehr oder weniger unmoralisch benahm. Wenn dieser Aggressionsausbruch nicht durch eine äußerliche Lähmung gestoppt wird, geschieht ein physischer oder ein energetischer Mord. Eine übertriebene Orientierung auf das menschliche “Ich” und auf die mit ihm verbundenen Werte führt dazu, dass man sie zu wichtig nimmt. Dementsprechend wächst der Wunsch, sie zu schützen und ihre Angreifer inner­lich zu hassen. Die Lähmung rettet in diesem Fall sowohl die Seele als auch das Leben. Der Minderwertigkeitskomplex ist also nur eine Folge des Größenwahns. Das Wichtigste, was man dabei entwickeln sollte, ist nicht die Fähigkeit, sich zu schützen und anzugreifen, sondern die Fähigkeit, gutmütig zu bleiben, zu spüren, dass das menschliche “Ich” nebensächlich und das Gefühl der Liebe zu Gott primär ist. Da Pädagogik, Psychologie und Medizin aus menschlichen Werten entstanden sind und alle keine klare Vorstellung davon haben, was ein Mensch und seine Persönlichkeit eigentlich sind, läuft ihre Einwirkung auf den Menschen darauf hinaus, dass man be­stimmte Verfahren und Techniken anwendet, die zuerst ein äu­ßerlich positives Ergebnis erzielen, später jedoch unvorhersehbare Folgen haben. Damals also, auf der Suvorov­Militärakademie konnte ich nur deshalb von der chronischen Bronchitis geheilt werden, weil ich eines grundsätzlich verstanden hatte: Entweder nehme ich die Welt so an, wie sie ist, fange an, mich allmählich an ihr zu erfreuen und äußerlich den­noch aktiven Widerstand zu leisten und Handlungen zu ihrer Änderung zu unternehmen, oder ich werde mit meinem Umfeld und der Situation, in der ich mich befinde, immer unzufriede­ner, werde dadurch noch kränker und sterbe schließlich.

Eigentlich ist Krebs eine Krankheit der Schwermut. Trübsinn, Unzufriedenheit mit sich selbst und seinem Schick­sal rufen fast immer Krebs hervor. Zu Krebserkrankungen nei­gen in erster Linie geistige Menschen, weil ihre Selbstzerfleischung, Bedauern der Vergangenheit, Kritik der Unzulänglichkeiten, Nichtannahme der Umgebung wesent­lich stärker als bei anderen ausgeprägt sind. “Die Groben haben die Freude, die Sensiblen die Trauer”, sagte der Dichter Sergei Jessenin. Für einen sensiblen Menschen sind die gei­stigen Werte am wichtigsten. Je mehr er nur für diese geisti­gen Werte lebt, desto sensibler und trauriger wird er, aber nur rein äußerlich. In seinem Inneren wächst die Verbitterung, und das endet kläglich. Damit der Mensch sowohl geistige also auch materielle Werte leben kann, muss er zuerst die Liebe leben. Als ich jung war, war meine Ausrichtung auf geistige Werte derart stark, dass ich praktisch keine Überlebenschan­cen hatte. Ich spürte, wie meine Seele von Traurigkeit ver­dunkelt wurde, konnte aber nichts dagegen machen. Mich retteten fünf Jahre Arbeit auf einer Baustelle. Zuerst war ich Hilfsarbeiter, dann Zimmermann, Schweißer, Elektriker und schließlich Baumeister. Ehrlich gesagt, war ich kein besonders guter Bauarbeiter. Mir fiel alles aus der Hand, und diese Ar­beit bereitete mir große Mühe. Außerdem war ich prinzipiell gegen das Trinken, und die Arbeit bei minus 30°C nach der Ankunft aus Sotschi, wo ich vorher gewohnt hatte, war oft einfach unerträglich. Um durchhalten zu können, sang ich leise ständig irgendwelche Lieder. Ich erinnere mich, wie unser Vorarbeiter schrie, wenn er den Bauleiter sah: “Michail Semjonowitsch, schaff den Musiker weg! Das hält doch kei­ner aus!” Da aber der Bauleiter mein Onkel war, blieb ich dort, obwohl alles in meinen Händen zerfiel und explodierte. Allmählich wurden mir einfache menschliche Gefühle zu­gänglicher, die ich früher verachtet und auf die ich herabge­sehen hatte. Nach und nach erkannte ich, dass ein Gedanke allein unfruchtbar ist, und dass alle feinen, distinguierten Ge­spinste nebensächlich sind, und das Gefühl der Liebe, Freude und Heiterkeit vorrangig sind.

An der Freude mangelte es aber im Frühling des Jahres 1996. Das dritte Buch ist zwar erschienen, dennoch häuften sich Probleme. Ich versuchte festzustellen, gegen welche Kri­terien ich verstoßen hatte.

Zum ersten war das Thema der Zukunft bei mir nicht in Ordnung, zum zweiten die Beziehung zu anderen Welten und zur Zeit. Der Verstoß gegen Gesetze von anderen Welten war die Ursache für die Verschlechterung der Sehkraft und Ent­kräftung. Aus irgendeinem Grund schwächte sie auch die ethi­sche Immunität. Aus heiterem Himmel wurde ich von anderen schlecht behandelt. Ich merkte es zwar nicht sofort, die Ten­denz war jedoch sehr stark. Warum hing ein und derselbe Ver­stoß sowohl mit der Aggression gegen die Zukunft als auch mit der Aggression gegen andere Welten zusammen?

Auf welche Weise sind andere Welten mit der Zukunft verbunden? Ich erinnerte mich, dass nach dem Tod die Seele eines Menschen zuerst ins Jenseits und dann in die anderen Welten kommt, und je mehr Welten sie durchschreitet, desto geistiger und klüger wird der Mensch bei seiner nächsten In­karnation und desto mehr Fähigkeiten bekommt er. Das be­deutet, dass die anderen Welten mit den höheren Schichten der Geistigkeit verbunden sind. Wenn der Mensch vor seiner Ankunft auf der Erde in anderen Welten gelebt hatte, dann hatte er ein enormes inneres Potential. Oft ahnt er das nicht mal, und man erlaubt ihm nicht, es auszuleben, und in der Regel verläuft sein Schicksal unglücklich. Geisteskraft und überdurchschnittliche Fähigkeiten allein unterscheiden diesen Menschen von anderen. Solche Menschen sind meistens aus­gezeichnete Eltern. Ein unglückliches Schicksal, Unannehm­lichkeiten und Krankheiten spornen sie an, eine richtige Weltanschauung zu entwickeln und die Liebe zu Gott zu meh­ren. Einerseits geben sie an ihre Kinder ein gewaltiges Poten­tial weiter, andererseits bringen sie ihnen eine richtige Weltanschauung bei.

Andere Welten sind also mit dem hohen Niveau der Gei­stigkeit verbunden, auf irgendeine Weise hängen sie auch mit der Zukunft zusammen. Vor langer Zeit bemerkte ich, dass Hellseher oft einen unterbewussten Kontakt mit dem Jenseits herstellen. Diejenigen von ihnen, die andere Welten kontak­tieren, sind eher Propheten oder Heilige. Eine Prophezeiung enthält weniger konkrete Fakten, dafür mehr strategische In­formation. Im Jenseits sind die zeitlichen Ereignisse zusam­mengezogen und man kann dort die Zukunft sehen. In den anderen Welten ist die Sicht der Vergangenheit, der Gegen­wart und der Zukunft noch umfassender.

Man kann das auf folgende Weise beschreiben: Psycho­logen stellten fest, dass das Erfassen der Gegenwart bei einem Menschen im Durchschnitt 12 Sekunden beträgt: 8 Sekunden davon sind bereits Vergangenheit, 2 bis 4 Sekunden die Zu­kunft. Im Jenseits sieht der Mensch nicht nur zwei bis vier Sekunden, sondern mehrere Monate. In anderen Welten sind es Jahrzehnte und Jahrhunderte. Da die Zeit dort komprimiert ist, sieht man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich­zeitig. Dass ich Probleme mit der Zukunft bekomme, spürte ich, als ich anfing, am dritten Buch zu arbeiten. Dass meine Pläne ständig durchkreuzt und Hoffnungen enttäuscht wurden, war nur halb so schlimm. Es kam aber auch zu offen­sichtlichen Absurditäten.

Anfang Dezember 1995 beschloss ich, einen Antrag auf ein dreijähriges Visum für die USA zu stellen. Mit einer Ein­ladung und allen übrigen Dokumenten fuhr ich zum Konsulat. Das Antrags-Annahmegespräch verlief ganz normal.

“Gehen Sie bitte zur Kasse, bezahlen Sie das Visum und nach drei Stunden können Sie ihren Pass abholen”, sagte man zu mir.

Ich kam, aber mein Pass wurde mir nicht ausgehändigt.

“Aus irgendeinem Grund wollte man Sie vom Außenmi­nisterium prüfen lassen. Deswegen warten Sie bitte noch eine Woche, dann kommen Sie, um Ihren Pass abzuholen.”

Eine Woche später ging ich hin.

“Wissen Sie, momentan streiken in den USA die Ange­stellten, deswegen können wir Ihnen nicht sagen, wann wir die Antwort aus Washington bekommen werden. Rufen Sie doch in einer Woche an.”

Nach dem Ablauf der genannten Frist rief ich wieder an.

“Rufen Sie bitte nach Silvester an”, antwortete man mir.

“Vielleicht klärt sich alles bis dahin.” Ich rief Anfang Januar an.

“Der Streik ist beendet, aber ihre Papiere sind noch nicht aus Washington zurückgekommen. Rufen Sie in zehn Tagen an.”

Ich rief Mitte Januar an.

“Wir haben immer noch keine Informationen zu Ihrem Fall bekommen”, sagte man zu mir. “Rufen sie Ende Januar an.”

Ich merkte, dass es noch lange so weiter laufen könnte. Das Heikle an der Sache war, dass mein Pass immer noch beim amerikanischen Konsulat war, und ich deswegen nicht ins Ausland reisen konnte.

“Sie können Ihren Pass jederzeit abholen”, antwortete man mir im Konsulat, als ich danach fragte.

Wenn ich das getan hätte, hätte ich keine Chance mehr gehabt, ein Visum zu bekommen, und das war mir klar. Ich rief eine Bekannte in New York an. Sie versprach mir, sich mit dem Außenministerium in Verbindung zu setzen und nachzufragen, warum ich keine Antwort bekam. Nach ein paar Tagen konnte sie etwas in Erfahrung bringen. Erstaunt erzählte sie mir: “Ich rief den Beamten an, der für Formulare, Dokumente und ähnliches verantwortlich ist. Er ist übrigens sehr gut über dich informiert. Er sagte, dass das Außenmini­sterium keine Dokumente von dir erhalten hat.

“Tu mir bitte einen Gefallen, ruf im Konsulat an und er­zähl ihnen davon”, bat ich.

Nach ein paar Tagen telefonierten wir wieder.

“Was denkst du, was man mir im Konsulat geantwortet hat?”, fragte sie mich mit einem schelmischen Unterton.

“Wahrscheinlich wieder irgend ein Märchen.”

“Genau. Man sagte, dass deine Dokumente schon längst nach Moskau geschickt worden sind.”

“Gut, ich versuche irgendetwas über die Botschaft in Er­fahrung zu bringen”, antwortete ich.

Nach 2,5 Monaten ständiger Telefonate wurde mir klar, dass ich meinen Pass abholen sollte. Alle meine Pläne waren gescheitert. Letztendlich fand ich mich damit ab. Wenn die Möglichkeit, in die USA zu reisen, mir von oben so offen ver­sperrt wird, bedeutet das, dass ich dort nicht sein sollte. Ich sah es ein und beruhigte mich. Zum letzten Mal rief ich im amerikanischen Konsulat an.

“Ihre Dokumente sind gekommen”, teilte man mir mit.

“Ob man sie Ihnen aushändigt oder nicht, wird aber vom ame­rikanischen Konsul selbst entschieden.”

“Sagen Sie mal, wie oft entscheidet denn der Konsul per­sönlich über die Erteilung eines Visums?”, fragte ich interessiert.

Die Antwort kam zögerlich: “Das passiert zum ersten Mal.”

“Gut, wie kann ich mich für eine Audienz beim Konsul anmelden lassen?”

“Er ist gerade im Urlaub, rufen Sie in zwei Wochen an.” Zwei Wochen später rief ich wieder an.

“Der Konsul ist noch nicht da, rufen Sie in ein paar Tagen an”, teilte man mir freundlich mit.

Endlich kam der Konsul aus dem Urlaub wieder.

“Melden Sie sich bitte für eine Audienz an und kommen Sie in zehn Tagen”, sagte man mir.

Es war bereits Mitte März. Man riet mir eine Stunde vor der Audienz zu kommen, was ich auch gewissenhaft tat.

“Der Konsul ist gerade beschäftigt. Warten Sie bitte ein­einhalb Stunden”, wurde ich gebeten.

“Aber natürlich”, antwortete ich.

Nachdem eineinhalb Stunden verstrichen waren, ging ich zu der jungen Frau am Empfang und fragte höflich: “Ent­schuldigen Sie bitte, erinnert sich der Konsul noch an meine Existenz?”

“Alles ist in Ordnung. Machen Sie sich keine Sorgen”, tröstete sie mich. “Der Konsul ist aber gerade weggefahren. Warten Sie noch ein bisschen, man ruft Sie bald auf.”

Ich saß noch drei Stunden lang und schaute schweigend vor mich hin.

Dann rief man mich an den Schalter.

“Wissen Sie, der Konsul ist gerade beschäftigt”, sagte die junge Frau. “Er hat aber sein OK gegeben. Sie können nach fünfzehn Uhr wiederkommen und ihren Pass mit Visum er­halten.”

Das habe ich auch getan.

Erst danach versuchte ich, das Geschehene zu analysieren und den Grund dafür zu erkennen.

Je absurder und erniedrigender die Situation, in der wir uns befinden, wird, desto deutlicher ist das Zeichen, dass wir auf etwas Ernstes vorbereitet werden. Zum damaligen Zeit­punkt zerschlug meine Situation methodisch und exakt alle meine Pläne und Zukunftshoffnungen. Ich erkannte, dass noch so geringe Gereiztheit oder innerliche Verbissenheit mir nicht erlauben würden, die Prüfungen zu bestehen, die mir allem Anschein nach noch bevorstanden. Allmählich ge­wöhnte ich mich an die Tatsache, dass jedes Ziel, jeder Plan bei mir unweigerlich scheiterten. Das war ziemlich einfach.

Viel schwieriger war, Vertrauensbrüche und Ungerech­tigkeiten anzunehmen, die mir noch im selben Frühling wi­derfuhren. Im dritten Buch schrieb ich von einem Geschäftsmann, dessen Feld sich verschlechtert hatte. Sein Schicksal ging in die Brüche und bei seinen Angestellten wur­den negative charakterliche Änderungen beobachtet. Es stellte sich heraus, dass man mit ungerechtfertigt hohem Gehalt einem Menschen sowohl sein Schicksal als auch seinen Cha­rakter verderben kann. Ich kann nun verraten, wer dieser Ge­schäftsmann war. Das war ich selbst. Ich wollte bei mir in der Arbeit Kommunismus einführen, ich wollte, dass es allen Mit­arbeitern an nichts mangelt, zumal die Belegschaft mit nur 7 Personen nicht groß war. Zuerst bemerkte ich, dass die Schicksalsstrukturen meiner Mitarbeiter sich verschlechter­ten, dann ließ bei einigen von ihnen die Sehkraft nach, was ein sehr beunruhigendes Anzeichen war. Dann sah ich, dass bei ihnen stumme Ansprüche gegen mich aufstiegen. Es bil­dete sich eine regelrechte Opposition heraus. Ich verstand, dass ich sie auf keinen Fall verurteilen oder verachten durfte. Wenn ich diese Prüfung nicht bestehe, wird man mir nicht er­lauben, zu verstehen, was geschehen war, ganz abgesehen von den Unglücksfällen und Krankheiten, die danach folgen müssten. Dabei waren die Situationen, die mir widerfuhren, oft ziemlich überraschend.

Ich erinnere mich, wie mein alter Bekannter, dem ich ab­solut vertraute, mir in die Augen sah und sagte: “Hör mal, du hast mir das Leben gerettet, ich werde dich niemals verraten. Was das Geld angeht, kannst du zu 100% sicher sein.”

Später stellte sich heraus, dass diese Worte, gelinde ge­sagt, nicht der Wirklichkeit entsprachen. Alle meine Vorstel­lungen über Anständigkeit, Moral und Ehrlichkeit wurden im Frühjahr 1996 auf einmal zerstört. Ich dachte, dass ich in der Lage bin, jeden Geldverlust, jedes Missgeschick und jeden Beziehungsabbruch ohne mit der Wimper zu zucken anzuneh­men. Ich hielt mich für ausbalanciert. In Wirklichkeit jedoch wirkten sich der Verrat und das unmoralische Benehmen auf mich verheerend aus, und ich konnte nichts dagegen tun.

Ich hatte nicht erwartet, dass meine Seele derart stark von solchen menschlichen Werten wie Ideale, Moral, Sittlichkeit und Gerechtigkeit abhängig ist. Mit dem Kopf verstand ich, dass das Benehmen meiner Mitarbeiter und anderer Menschen mir gegenüber in erster Linie durch meinen Zustand bedingt war, und dass ihr Benehmen mich in irgendeiner Weise warnte und rettete. Der Groll gewann jedoch die Oberhand, und ich war nicht mehr Herr meiner Gefühle.

Bei den Mongolen verhängte man zu Zeiten von Dschin­gis Khan die schlimmste Strafe für ein Verbrechen, das als “Täuschung des dir anvertrauten Menschen” bezeichnet wurde. Einerseits werden Niedertracht und Verrat früher oder später bestraft, andererseits aber wird jeder Mensch von Got­tes Hand geführt, was bedeutet, dass es keine Schuldigen vor Gott gibt. Jede gemeine, verräterische Handlung ist also nicht zufällig, das bedeutet, dass sie die Seele des Verratenen heilt. Aber auf welche Weise dies geschieht, verstand ich nicht, und deswegen konnte ich meinen Groll nicht auflösen. Beim Fort­führen meiner Forschung kam ich zu einem unerwarteten Er­gebnis, das mir alles erklärte und zu überleben half.

Es stellte sich heraus, dass die Zukunft nicht nur Ziele, Aufgaben, Prinzipien und Hoffnungen bedeutet. Die Zukunft schließt auch Ideale, Geistigkeit, Edelmut, Sittlichkeit, Eh­renhaftigkeit und Gerechtigkeit ein. Der Mensch, der an der Zukunft haftet, verliert sie. Der Verlust der Zukunft bedeutet jedoch den Tod. Ich stellte fest, dass Krebserkrankungen dann aufkommen, wenn die Zukunft verschlossen ist. Das bedeutet also, dass der Mensch, der die Durchkreuzung seiner Pläne und Hoffnungen nicht annehmen kann, der einen Verrat, die Unehrenhaftigkeit und die Ungerechtigkeit, den Zusammen­bruch seiner Ideale und die Herabwürdigung seiner Geistig­keit innerlich nicht annimmt und verzeiht, geradewegs auf eine schwere Erkrankung und den Tod zusteuert.

Viele Monate lang rief ich immer wieder diese Vorfälle in Erinnerung und verstand allmählich, was damals geschehen war. Als ich am dritten Buch arbeitete, verstand ich bereits, dass Geistigkeit nicht gleich Gott ist, und dass viele, wenn sie zu Gott beten, in Wirklichkeit geistige Werte anbeten. Das heißt, dass Geistigkeit und Liebe für mich zu vollkommen un­terschiedlichen Begriffen wurden. Wie ich jedoch feststellte, waren Moral, Ehrenhaftigkeit, Ideale und Liebe für mich Synonyme. Sittlichkeit verwechselte ich mit Liebe. Um ganz genau zu sein, war ich unterbewusst immer der Meinung, dass die Moral über der Liebe steht, und dass ich einen Menschen, der mich verraten und gedemütigt hat, nicht lieben kann. Das Leben hat diese Ansichten korrigiert. Später verstand ich noch eine sehr wesentliche Feinheit.

Mein Buch war von einer sehr großen Bedeutung für sehr viele Menschen. Mit einer falschen Weltanschauung kann man auch sehr vielen schaden. Natürlich musste das verhin­dert werden. Das heißt, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, die Liebe zu bewahren, wenn alles Menschliche in die Brüche geht. Wenn ich die Liebe bewahre, kann ich nicht nur überleben, sondern auch diese Zeilen richtig schreiben. Wenn ich aber beim Zusammenbruch menschlicher Werte die Liebe zu Gott nicht aufrecht erhalten kann, ist es absolut nicht wün­schenswert, dass ich lebe, dabei gesund bleibe und vor allem dieses Buch schreibe. Damals, obwohl ich das noch nicht ver­stand, wiederholte ich ständig: “Ich liebe diejenigen, die mich verraten haben. Ich liebe diejenigen, die mich ungerecht be­handelt haben. Ich liebe diejenigen, die meine Ideale gede­mütigt und meine Hoffnungen zerstört haben.” Die Seele lehnte sich auf, dennoch wiederholte ich diese Worte hunderte und aberhunderte Male und redete ihr ein: “Egal welche Un­annehmlichkeiten und egal welches Unglück mir widerfahren, meine Liebe zu Dir, oh Herr, wird nicht schwächer. Jedes Scheitern menschlicher Werte nehme ich an als Läuterung meiner Liebe zu Dir.” Dieses Gebet half mir, in einer kriti­schen Situation nicht zu verbittern.

Als ich hunderte und tausende Male diese und nachfol­gende Ereignisse analysierte, verstand ich immer besser den Zusammenhang zwischen Geschehnissen, die rein äußerlich nicht miteinander verbunden waren. Ich verstand, warum die erste Liebe oft unglücklich verläuft Sie ist ein Symbol für das menschliche Glück. Wenn man die Liebe in der Seele be­wahrt, nachdem alle äußeren Bedingungen für ihre Existenz zerstört worden sind, kann der Mensch später die wahre Liebe empfinden, ohne dass es gefährliche Folgen für sein Leben und seine Gesundheit hat.

Stellen wir uns eine andere Situation vor. Ein Mann ver­liebt sich in eine Frau, und das beruht zunächst auf Gegensei­tigkeit. Plötzlich fängt sie an, sich ihm gegenüber unter einem fadenscheinigen Vorwand entwürdigend, unmoralisch und un­ehrenhaft zu benehmen. Er versteht nicht, was los ist. Auch sie wird später dieses Verhalten nicht erklären können. Der Grund dafür ist jedoch folgender: Das was wir als “Kontakt mit der Zukunft” bezeichnen, das heißt Sittlichkeit, Geistig­keit, Edelmut, Prinzipien, Träume und Ideale, bildet die Grundlage der geistigen Beziehungen, der Vollkommenheit, der Fähigkeiten und des Intellekts. Wenn bei einem verliebten Mann die Orientierung auf die Beziehung mit der geliebten Frau, auf ihre Vollkommenheit und ihre Geistigkeit die kriti­sche Grenze überschreitet, wird dieser Mann entweder sterben oder schwer erkranken. In erster Linie kann man ihm das Leben durch das unmoralische und ungerechte Verhalten der Frau retten. Wenn er dabei die Liebe bewahrt, wird seine An­haftung an die Zukunft aufgelöst, dementsprechend vermin­dert sich auch die Anhaftung an Beziehungen, Fähigkeiten und Intellekt.

Das bedeutet, dass je größer unsere Fähigkeit ist, die Liebe zu bewahren und dem geliebten Menschen zu verzei­hen, der unsere höchsten und edelsten Gefühle beleidigt hat, desto mehr an harmonischen Beziehungen, Fähigkeiten, In­tellekt und dem, was wir als “menschliches Glück” bezeich­nen, wird uns gewährt. Die Erkenntnis dieser Tatsache half mir zu überleben und dem Zerfall, der im Frühjahr 1996 an­gefangen hatte, Einhalt zu gebieten. Das erlaubte mir, anderen Menschen zu helfen, deren schwerste Krankheiten Ergebnis ihrer Unfähigkeit waren, in einer schwierigen Situation die Liebe zu retten.

Neue werte

Das dritte Buch war herausgekommen. Viele sagten, dass es ihnen sehr geholfen hat. Aber schon nach ein paar Monaten sah ich, dass die in ihm enthaltene Information hinter den Kenntnissen, die ich im Sommer 1996 erhalten hatte, zurück­geblieben war. Es war an der Zeit, sich hinzusetzen und ein neues Buch anzufangen. Eigentlich hatte ich mir vorgenom­men, mich zuerst auszuruhen, zu beruhigen, und erst dann ein Buch zu schreiben, in welchem ich auf viele Fragen antworten und viele unverständliche Stellen erklären würde.

Man sagte mir oft, dass die Information äußerst kompri­miert sei, und man mehrere Bücher schreiben könnte, die den Sinn der vorhergehenden Bücher erklären.

Die Ereignisse der Vergangenheit gaben mir zu verstehen, dass das System nicht vollendet ist, dass die Information, die noch kommen kann, sehr überraschend sein wird und dass ich alle meine Kräfte aufbieten muss, um sie rechtzeitig verdauen zu können. Im Herbst dachte ich, dass man alle menschlichen Werte im Prinzip in drei Gruppen unterteilen kann.

Erste Gruppe — Beziehungen.

Zweite Gruppe — Fähigkeiten, Intellekt, Vollkommenheit.

Dritte Gruppe, die die Grundlage für die anderen zwei bildet — Kontakt mit der Zukunft.

Die Erkenntnis jeder neuen Information verlief bei mir auf folgende Weise: Zuerst brach alles um mich herum zu­sammen, und ich verlor die Kontrolle über die Situation. Dann versuchte ich, das, was mit mir geschah, zu analysieren und zu bewerten. Schließlich arbeitete ich ein Verhaltensmodell

in der Praxis aus, das heißt, ich läuterte mich selbst in der vorgegebenen Richtung, entwickelte eine richtige, bewusste Bewältigung hunderter und aberhunderter Situationen, arbei­tete mit Patienten und so weiter. Erst dann konnte man diese neue Information im Buch veröffentlichen. Eine ungeschlif­fene Information konnte für die Leser gefährlich sein. Davon hatte ich mich bereits überzeugt, als ich anfing, das erste Buch zu schreiben.

Die Situation, die sich damals ereignet hatte, war einfach mystisch. Als ich versuchte, den Text des ersten Buchs zu schreiben, hatte ich das Gefühl, als ob ich von oben daran ge­hindert würde. In der Regel schreibt ein Autor den Text seines Buches, sitzt einige Monate lang an seiner Korrektur und läuft dann den Verlegern hinterher, um das Buch zu veröffentlichen. Meine erste Verlegerin fand mich, nachdem sie in der Zeit­schrift “Wissenschaft und Religion” einen Artikel über mich gelesen hatte. Sie war diejenige, die mir vorgeschlagen hatte, ein Buch zu schreiben, und als sie sah, dass ich nicht schreiben konnte, war es ebenfalls sie, die einen Ausweg dafür fand.

“Sie können den Text aufs Band diktieren”, sagte sie.

“Alles andere wird erledigt.”

Außerdem warnte sie unsere gemeinsame Bekannte, dass ich schnell das Interesse an dem Buch verlieren und es hin­schmeißen könnte. Deswegen bekam ich für das noch nicht geschriebene Manuskript eine ordentliche Anzahlung, die ich sofort ausgab. Als ich nach ein paar Monaten tatsächlich die Lust am Schreiben des Buches verlor, da es sich als mühsam und schwer herausgestellt hatte, gab es kein Zurück mehr. Ich stellte fest, dass alles, was mit dem Begriff “Karma” und der Information darüber zusammenhing, einem Wespennest glich. Bei der kleinsten Berührung geschahen Dinge, vor denen man sich nur noch in Sicherheit bringen wollte. Damit es mir leichter fiel, den Text zu diktieren, schlug ich vor, eine kleine Gruppe zu versammeln, der ich einfach von meiner Forschung erzählen würde. Dieser Gruppe trug ich eine unbearbeitete In­formation vor. Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie ge­fährlich das sein kann. Nach ein paar Minuten merkten alle plötzlich, dass etwas Schreckliches geschah. Viele wurden blass, verspürten einen Schwächeanfall, der immer stärker wurde. Das Feld über den Köpfen der Anwesenden sah irgend­wie seltsam aus. Leichte Panik war ausgebrochen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, obwohl etwas getan werden musste.

“Sie durften die Information, die ich Ihnen mitgeteilt habe, nicht bekommen”, sagte ich. Aus irgendeinem Grund ist sie für Sie gefährlich. Ich weiß jedoch nicht, was ich tun soll, außer dass ich sie vielleicht zurücknehme.”

Plötzlich hatte ich einen Geistesblitz. Warum denn nicht?

Ich kann sie doch einfach zurückzunehmen!

“Jetzt vergessen Sie, was ich Ihnen zuvor erzählt habe”, sagte ich zu den Anwesenden. “Nach 9 Sekunden wird alles gelöscht.”

Danach sah ich, wie sich alles normalisierte, und wir führ­ten unsere Unterhaltung fort. Ich verstand, dass eine direkte Verbindung zu verschiedenen Informationsquellen für mich zwar harmlos sein kann, für andere jedoch sich als gefährlich erweist. Ich musste also die Information erst in mir selbst aus­tragen, sie anpassen und erst dann den anderen zugänglich ma­chen. Ich musste eine Art Filter sein. Mit dem Buch war die Lage noch ernster. Egal, wie wichtig die von mir erhaltene In­formation ist, muss erst wenigstens ein halbes Jahr vergehen, bevor ich sie in einem Buch veröffentlichen darf.

Im Herbst 1996 war ich der Meinung, dass kein neues Thema mehr aufkommen kann. Es kam aber, und zwar sehr unerwartet, als ich auf einer Auslandsreise war. Das Staatsoberhaupt des Landes, in dem ich mich befand, wollte sich mit mir treffen. Ich führte vorher eine Ferndiagnose seines Feldes durch: In seinem Feld war eine leuchtende Stelle — das war sein Schutzengel, der sehr mächtig war. Auch der Mensch selbst war sehr geistig und harmonisch. Ich willigte ein, ihn zu treffen. Dieser Mann haftete aber an der Zukunft. An seinem Feld sah man, dass er unmoralische Menschen verachtete.

Während unseres Gesprächs wunderte er sich: “Warum sollte man denn diese Menschen respektieren?”

“Man braucht sie nicht zu respektieren, man darf sie aber nicht verachten”, erklärte ich.

Verachtung und eine erhöhte Unzufriedenheit mit sich selbst bei Misserfolgen entwickeln sich zum Selbstvernich­tungsprogramm, das an Kraft gewinnen und schließlich ge­sundheitliche Probleme bringen kann. In der Nacht fuhr ich hoch, weil ich ein beklemmendes Gefühl der Unsicherheit und den Beginn einer akuten Erkrankung verspürte. Ich bekam einen starken Schnupfen. Dabei ging es um irgendein neues Thema. Es war nicht mit Beziehungen, Fähigkeiten, Prinzi­pien oder Idealen verbunden. Ich schaute nach, woher diese Destabilisierung kam. Es stellte sich heraus, dass es an der Resonanz der Programme zwischen mir und dem Menschen, den ich am nächsten Morgen treffen sollte, lag. Irgendein Pro­gramm, das in seinem Unterbewusstsein aktiv war, kam in Resonanz mit dem entsprechenden Programm bei mir. Da­durch flammte bei mir eine innerliche Aggression gegen die ganze Welt auf, die sich zum Selbstvernichtungsprogramm umwandelte und durch den Schnupfen gestoppt wurde. Diese Erkältung wurde ich zwei Wochen lang nicht los. Ich erinnere mich, wie ich einige Zeit später in meiner Sprechstunde den Patienten erklärte:

“Innerliche Unzufriedenheit mit dem Umfeld, Verurteilung anderer Menschen geht in ein Selbstvernichtungspro­gramm über. Dieses wird dann durch Kopfschmerzen, Kopf­verletzungen, Meningitis, Enzephalitis, Sehkraft­oder Gehörverlust aufgehalten. Die schonendste Variante dieser Blockade ist eine Entzündung im Nasenrachenraum. Falls es dadurch nicht blockiert werden kann, wird das Urogenitalsy­stem angegriffen. Somit ist ein starker Schnupfen eines der ersten Anzeichen dafür, dass die Selbstvernichtung aktiviert wurde.” Dann erinnerte ich mich an meine roten Augen und die geschwollene Nase und fügte hinzu: “Wie sie sehen kön­nen, ist genau so ein Ausbruch bei mir gerade im Gange.” Im Verlauf der nächsten Wochen nach dem Treffen versuchte ich zu analysieren, was mich so aus der Balance bringen konnte.

Das Thema war auf jeden Fall neu und hing mit dem Be­griff “Macht” zusammen. Für mich hatte dieses Thema keine besondere Bedeutung, für meinen Patienten jedoch war sie von erstrangiger Wichtigkeit. Das bedeutete, dass ich mich wegen dieses Themas in irgendeinem meiner vorherigen Leben sehr aggressiv gegenüber anderen Menschen und mei­nem Umfeld verhalten hatte. Es stellte sich heraus, dass Macht in der Hierarchie der menschlichen Werte sehr hoch steht. Macht ist jedoch ein Sammelbegriff. Sie bedeutet nicht nur Kontrolle über die Situation. Sie ist die Summe mehrerer menschlicher Werte.

Immer wieder versuchte ich, dieses Thema auszuwerten, zu analysieren und mich einzufühlen, um zu verstehen, was es damit auf sich hat. Wie ich sah, hatte ich in meinem vierten Leben sehr viel Macht. Es war zu viel und ich verhielt mich auch sehr falsch dabei. In diesem Leben spürte ich schon immer, wie ein bisschen Macht über die Menschen mich über­heblich, hartherzig und despotisch macht. Deswegen bestand mein jetziges Leben hauptsächlich aus einer Reihe von Er­niedrigungen. Sobald ich die Möglichkeit hatte, eine führende Position gegenüber anderen einzunehmen, wurde ich sofort niedergedrückt. Dabei spürte ich unterbewusst, dass Ruhm, Popularität und besonders eine hohe Stellung in der Gesell­schaft mich nicht nur verderben, sondern sogar töten könnten. Bestenfalls werde ich einfach unglücklich. Als ich sah, dass das Programm aktiviert war, verstand ich, dass ich mich im Verlauf der nächsten ein bis zwei Monate mit dem neuen menschlichen Wert nicht vertraut machen darf, sonst werde ich zu Brei zerstampft.

So saß ich und analysierte weiter. Woraus besteht Macht? Macht zu haben bedeutet, die Schicksale anderer Menschen zu lenken, das heißt, auch das eigene Schicksal im Griff zu haben. Somit darf kein Machthaber das besitzen, was sich “Anhaftung an die glückliche Zukunft” nennt. Jede Unan­nehmlichkeit, jedes Unglück und jeden Schicksalsschlag muss er ruhig und gelassen annehmen. Ich überprüfte mehrmals, um es zu bestätigen: In der Tat, der Begriff “Schicksal” ist ein Bestandteil des Begriffs “Macht”. Kein Machthaber kann ohne starke Intuition existieren. Eine starke Intuition bedeutet jedoch einen intensiven Kontakt mit der Zukunft. Die Inten­sivierung des Kontakts mit der Zukunft kann nur bei Men­schen mit einem hohen Vorrat an Geistigkeit erfolgen. Aber sowohl der Begriff “Kontakt mit der Zukunft” als auch der Begriff “Schicksal” waren mir schon bekannt.

Es gab trotzdem noch eine Komponente, und sie war der wichtigste Bestandteil. Allmählich spürte ich sie auf: Es war der Wille. Ohne einen starken Willen kann kein Herrscher sein Land regieren. Er kann fähig, klug, geistvoll und ehrenhaft sein, er kann ein glückliches Schicksal haben, wenn er aber keinen starken Willen besitzt, darf er kein Land regieren, er wird es zugrunde richten. Was ist der Wille eigentlich? Es ist einfacher, ihn zu spüren, als mit dem Verstand zu erfassen. Der Wille ist ein Wunsch, der nicht nur einen Tag lang, son­dern einen Monat, ein Jahr und länger bestehen kann. Der Wunsch entsteht meistens für eine bestimmte Zeit und ver­schwindet schließlich. Wenn jedoch die Bedingungen für die Verwirklichung eines Wunsches nicht mehr da sind, er jedoch trotzdem weiter besteht, ist das schon ein starker Wunsch, und wenn die Bedingungen sich der Verwirklichung dieses Wun­sches auch noch widersetzen, so ist das der Wille.

Ein willensstarker Mensch ist ein Mensch mit strategi­scher Denkweise. Die strategische Denkweise existiert jedoch nicht ohne ein tiefes Verständnis der Welt und ohne ein ent­wickeltes Bewusstsein. Ein starker Willensimpuls ist nur dann vorhanden, wenn man eine richtige Einstellung zur Welt hat und sich richtig in ihr orientiert. Dies ist jedoch nur dann mög­lich, wenn in der Seele genug Liebe zu Gott vorhanden ist, wenn die Welt ausschließlich aus der Sicht der Liebe ergrün­det wurde, und wenn der Mensch völlig auf die Durchsetzung seines Willens verzichtet und in allem den Willen des Schöp­fers gesehen hat. Deswegen kann nur derjenige ein wahrhaftig guter Anführer sein, der sich bewusst von allen menschlichen Wünschen, von seinem Willen, von seinen Idealen, Zielen und Hoffnungen losgesagt hat, und bei dem nur ein Wunsch, ein Ziel und eine Willensrichtung bleiben, nämlich die Grenzen des Menschlichen überschreiten, um die Einheit mit Gott zu spüren. Erst dann verstand ich, warum in der indischen Phi­losophie der Verzicht auf Wünsche eine der Hauptvorausset­zungen für die Erlangung des höchsten Glücks ist.

Ich werde immer wieder gebeten aufzuschreiben, welche Krankheit mit welcher Verletzung der karmischen Gesetze ver­bunden ist. Es kann jedoch keine feste Verbindung geben. So individuell jeder Mensch ist, so individuell ist auch seine Krankheit. Natürlich besteht eine gewisse Wechselbeziehung. Die Bauchspeicheldrüse ist zum Beispiel für die zwischen­menschlichen Beziehungen verantwortlich. Wenn zu oft sehr hohe Ansprüche an einen nahe stehenden Menschen gestellt werden und der Wunsch entsteht, die Beziehung abzubrechen, kann das Diabetes auslösen. Wenn man die Beziehung nicht beenden möchte, dennoch gegen den anderen ständigen Groll hegt, kann es zu Problemen mit dem Zwölffingerdarm und dem Magen kommen. Das kann schließlich Herzkomplikatio­nen und Herzschmerzen verursachen. Wenn man zornig und schlecht über den nahestehenden Menschen denkt, können Leber und Gallenblase in Mitleidenschaft gezogen werden.

Denken wir über die folgende Frage nach. Warum befin­det sich das Sonnengeflecht, das Bündel der Nervenenergie, neben der Stelle, wo die Drüsen aktiv an der Essensverdauung beteiligt sind? Weil über die Nahrungsaufnahme die Erfas­sung der uns umgebenden Welt erfolgt. Der Mensch verdaut sein Essen zuerst informationell. Sehen, Riechen und Schmecken sind Vermittler zwischen zwei Informationssyste­men, dem Essen und dem menschlichen Organismus. Wenn die Information auf diesem Stadium nicht richtig aufgenom­men wird, verliert man entweder die Lust, dieses Essen zu sich zu nehmen, oder es wird vom Magen und vom Darm nicht angenommen, was Durchfall verursacht. In Kantinen und billigen Restaurants kommt es häufiger zu Lebensmittel­vergiftungen, nicht wegen der Qualität der Lebensmittel, son­dern wegen des Zustandes desjenigen, der dieses Essen zubereitet hat. Ein guter Koch zu sein bedeutet in erster Linie innere Gutmütigkeit, Unabhängigkeit von menschlichen Wer­ten und viel Liebe in der Seele. Ein Bekannter erzählte mir:

“Meine Mutter hat immer gebetet, bevor sie mit dem Kochen anfing, und alle fanden, dass sie ausgezeichnet kochte.” Und ich erzählte ihm, dass meine Großmutter als Krankenschwe­ster in einem Lazarett, wo Typhus und Cholera grassierten, gearbeitet hatte. Ich fragte sie einmal: “Oma, hast du dich je angesteckt?” Sie antwortete: “Nein, nie. Ich habe immer vor der Schicht gebetet: ‘Herr, Dein Wille geschehe’, und bin dann zur Arbeit gegangen.”

Danach erinnerte ich mich an einen Fall aus meinem Leben. Als ich erst damit anfing, meine Methode auszuarbei­ten und noch kein Buch geschrieben hatte, war ich einmal in einer kleinen nördlichen Stadt. Ich kam mit dem Chefarzt des örtlichen Krankenhauses ins Gespräch. Er fragte: “Wenn du schon behauptest, dass alles miteinander verbunden ist, dann erklär mir doch mal, warum ich Herzschmerzen habe? Keine Medikamente konnten mir helfen. Die Schmerzen sind gleich stark geblieben.”

“Das ist sehr einfach: Du fühltest dich sehr oft durch Frauen gekränkt.”

“Was soll ich nun tun?”

“Geh in die Kirche, opfere eine Kerze für deine Gesund­heit, verzeih alle Kränkungen, bringe deine Seele in Ordnung, dann wende dich an Gott und bitte darum, dass alle Kränkun­gen deine Seele und die Seelen deiner Nachkommen verlassen mögen, und bitte um Verzeihung, dass du Groll gehegt hast.”

“Und dann gehen die Schmerzen weg?”, wunderte er sich. Ich lächelte nur: “Natürlich werden sie das.” Er wirkte entschlos­sen: “Dann setzen wir uns jetzt ins Auto und fahren zu einer Kirche außerhalb der Stadt. Wir werden etwa eine Stunde brauchen, um dahin zu kommen. So hast du auch Gelegenheit, unsere Natur zu bewundern. Die Ortschaft ist wunderschön, die Kirche ist einige hundert Jahre alt, aus Holz gebaut und steht am Ufer eines Flusses.” Also fuhren wir auf einer Wald­straße, die einen engen Korridor zwischen Tannen und Kie­fern bildete, zu dieser Kirche.

Die südländische Natur ist bei all ihrer Schönheit etwas unruhig. Die nördliche Natur ist von einer solch gewaltigen Kraft, dass die Seele oft in unbegreiflicher Verzückung er­starrt. Die am Flussufer stehende Kirche rief ein derartiges Gefühl der Ehrfurcht hervor, dass ich ohne Worte betete, als ich sie anschaute. Wir fuhren bis kurz vor die Kirche. Sie war verschlossen. Ein Mönch hackte Holz im Hof nebenan. Wir baten ihn um Erlaubnis, die Kirche zu betreten, und er führte uns hinein. Als wir die Kerzen anmachen wollten, kam der Mönch plötzlich auf uns zu und sagte: “Nachdem Sie die Ker­zen angezündet und gebetet haben, sagen Sie zum Schluss un­bedingt ‘Herr, Dein Wille geschehe’. ” Wir bedankten uns und er trat zur Seite. Als wir fertig waren, verließen wir die Kirche, stiegen eine Holztreppe hinunter und setzten uns ins Auto. Auf dem Rückweg dachte ich: “Seltsam, wenn ich eine Kerze anzünde, ein Gebet spreche und um etwas bitte, bedeutet das doch, dass ich meine Wünsche, meinen Willen und mein ‘Ich’ verwirklichen will. Wenn ich aber sage: ‘Herr, Dein Wille geschehe’, ist es so, als ob ich bereit bin, auf meine Wünsche zu verzichten.” Ich spürte, dass dieser Satz aus ir­gendeinem Grund sehr wichtig ist.

Jahre später, als ich gewisse geistige Strukturen des Men­schen erforschte, verstand ich, dass dieser Satz dabei behilf­lich ist, nicht an den eigenen Wünschen anzuhaften und sie nicht zum Hauptziel zu machen. Sonst werden sie entweder nicht in Erfüllung gehen, oder ihre Verwirklichung kann gro­ßes Unglück bringen.

Eine Bekannte sagte einmal zu mir: “Soll ich dir erzäh­len, wie man Wünsche in Erfüllung bringen kann? Wenn du dir etwas wünschst, stell dir eine Acht vor. Je deutlicher du sie vor dir siehst, desto schneller werden deine Wünsche in Erfüllung gehen.” Ich sah mir an, was dabei auf der feinstoff­lichen Ebene geschieht und sagte zu ihr: “Wenn du willst, dass deine Kinder am Leben bleiben, lass es lieber sein. Weißt du, welche Bedeutung die Acht hat? Kannst du dich noch an den Mathematikunterricht erinnern? Die Acht ist ein Zeichen für die Unendlichkeit. Wenn du sie dir vorstellst, wachsen deine Wünsche im Unterbewusstsein um das hundert­und tausend­fache an. Wenn das Ausmaß deines Wunsches gering ist und er sich gegen die Gesetze des Universums richtet, wird er nach und nach verschwinden und du wirst keinen besonderen Schaden davontragen. Wenn aber dein Wunsch um das tau­sendfache größer ist, wird der Widerstand dementsprechend groß sein. In welchem Fall werden deine Wünsche sich gegen das Universum richten? Das geschieht, wenn für dich dein menschliches “Ich” wichtiger als das höhere “Ich” und das Göttliche wird. Wenn die Seele an menschlichen Werten haf­tet, erzeugt sie einen Wunsch, der Keime der Aggression in sich birgt. Je höher deine Abhängigkeit von menschlichen Werten ist, desto aggressionsgeladener ist dein Wunsch. Die Wünsche eines Heiligen können wachsen, ohne dass seine Seele nennenswerten Schaden nimmt. Bei einem gewöhnli­chen Menschen kann es zu Krankheiten und Tod führen, wenn sein Streben nach Liebe und Gott die Entwicklung seiner Wünsche überholt. Wenn ein starker Wunsch tief ins Unter­bewusstsein eingeht und dadurch auch an Nachkommen wei­tergeleitet wird, kann es zum Untergang des ganzen Geschlechts führen. Somit bedeuten die Worte: “Dein Wille geschehe, oh Herr”, dass die Wünsche, die von einer unvoll­kommenen Seele erzeugt wurden, nicht verwirklicht werden sollen, wenn sie dem Willen des Allmächtigen widersprechen. In diesem Fall wird sogar eine fehlerhafte Bitte keine verhee­rende Wirkung mehr haben. Wenn der Mensch in seinem Gebet unterstreicht, dass sein Wunsch, sein Wille, sein Leben und sein menschliches “Ich” nebensächlich und die Liebe zu Gott und der göttliche Wille primär sind, wird er, je öfter er das wiederholt, immer weniger von menschlichen Werten ab­hängig. Seine Seele wird dabei immer reiner und seine Wün­sche gehen immer schneller in Erfüllung und bringen ihm nicht Tod, Verlust und Qualen, sondern die ganze Harmonie menschlichen Glücks.

Wie wichtig das war, was uns der Mönch in der Kirche gesagt hatte, konnte ich deswegen begreifen, weil ich schon zuvor einen Präzedenzfall gehabt hatte. Von meinem Wesen her bin ich ein Maximalist, und wenn ich etwas unbedingt will oder mir ein Ziel gesetzt habe, bleibe ich dran bis zum Schluss. Egal, wie viel Zeit vergeht, lässt ein Wunsch bei mir nicht nach. In meinen letzten Leben war ich ein ziemlich har­monischer Mensch und hatte, allem Anschein nach, groß an­gelegte Wünsche. Von Kindheit an bemerkte ich, dass alle meine Wünsche in Erfüllung gehen. Zuerst freute ich mich darüber, dann bekam ich Angst: Meine Wünsche könnten doch jemandem schaden. So begann ich, einen umfassenden Wunsch in mir zu entwickeln, anderen Menschen bei ihrer Er­kenntnis der Welt zu helfen.

Ich musste einen Schicksalsschlag nach dem anderen er­tragen und verstand nicht, warum ich bestraft wurde. Jetzt ver­stehe ich, dass die Kraft meiner Wünsche und meine falsche Weltanschauung mir praktisch keine Überlebenschancen ge­lassen hatten. Gerettet haben mich ständige Krankheiten, ein unglückliches Schicksal und darüber hinaus der ständige Wunsch, die Welt zu verstehen und ihre Harmonie zu spüren. 1980 fiel mir bei einer Feier ein Trinkspruch ein: “Das Leben ist eine Möglichkeit zu lieben, die uns gegeben wurde. Der Mensch ist ein Mittel, um die Liebe zu sammeln. Der Sinn des Lebens besteht darin, die Liebe zu mehren.” Die Kraft des Wunsches muss der inneren Harmonie entsprechen. Die Liebe ist für einen unharmonischen Menschen mehr eine Folter als ein Glück. Je mehr sich ein Arzt oder ein Heiler wünschen, einem Kranken zu helfen, desto gläubiger müssen sie in ihrem Innersten sein. Das Mitgefühl macht einen Men­schen erst richtig menschlich. Der Wunsch, einem anderen zu helfen, ihn zu retten, fördert die besten menschlichen Eigen­schaften. Wenn wir jedoch vergessen, dass Krankheiten, Un­glück, Leiden und Altwerden die Seele läutern, machen wir die Erlösung vom Leiden zum Selbstzweck. In diesem Fall nehmen Ärzte und Heiler die Krankheit auf sich, sobald sie mit dem Kranken Mitleid empfinden. Der Körper des Kran­ken wird dabei reiner, seine Seele jedoch verbitterter. Das Wissen darüber, dass unser Wille und unser Wunsch, jeman­dem zu helfen, immer nebensächlich sind, und Gottes Wille und die Liebe zu ihm auf dem ersten Platz stehen ist die Be­dingung für eine gute Gesundheit und das Überleben.

1990 arbeitete ich für eine Genossenschaft bei der Ersten medizinischen Hochschule. Bei den Kranken, die ich dort be­handelte, erzielte ich oft erstaunliche Erfolge. Damals, 1990, sah ich zum ersten Mal karmische Strukturen und begann, meine Methode zu entwickeln. Diese Methode entstand in er­ster Linie als Selbstschutzsystem. Mir wurde klar, dass es sich um eine sehr ernste Sache handelt und dass ich unbedingt ler­nen muss, zu sehen, von wem und woher der Angriff kommt, sonst wird es schlecht enden. Zuerst hielt ich alle Felddefor­mationen für Folgen des bösen Blicks oder einer Verwün­schung. Anfangs versuchte ich diese Einwirkungen zurückzuschicken, dann einfach zu zerstören.

Je länger ich arbeitete, desto umfassender wurde meine seherische Fähigkeit. Einmal, als ich erfolglos nach dem Ver­ursacher einer Verwünschung suchte, drang ich zu den feinstofflichen Ebenen vor und erlebte einen meiner größten Schocks. Es ging nicht um eine Verwünschung oder den bösen Blick, es war die Strafe von oben. Ich bekam Gänsehaut, als ich erkannte, wen ich zu bekämpfen versuchte. Ich sah, dass die “Heilung” nur einen vorübergehenden Aufschub bedeutet und letztendlich nichts Gutes bringt. Ich ging in die Kirche, betete und wandte mich an Gott mit der Bitte, dass mir gewährt sein möge, dem Kranken zu helfen, wenn dies seiner Seele nicht schaden würde. Ich verstand, dass man den Menschen zwar helfen soll, man muss es jedoch richtig tun. Mir wurde klar, warum Ärzte weniger leben als Vertreter anderer Berufe. Ein Arzt oder ein Heiler heilen nicht, sie mildern nur die Leiden eines Kranken und helfen ihm bei seiner Genesung. Zu Jesus Christus kamen mehrere Tausend Kranke, er heilte aber nur die wenigen von ihnen, die dazu bereit waren, das heißt, die den größten Teil des Weges selbst gegangen sind. Nicht umsonst fragte er, ob derjenige an Gott glaube. Je größer das Streben nach Gott, desto weniger schadet der Seele jede grund­legende Veränderung. Wie entstand die Aussage: “Der Prophet gilt nichts im eigenen Land”? Als Jesus in sein Dorf kam, konnte er dort niemanden heilen. Für alle war er nur der Sohn des Zimmermanns Joseph. Bevor er ging, machte er diese Aussage, die im Nachhinein allen bekannt wurde.

Wenn ein Arzt in seinem letzten Leben gläubig war, wenn seine Seele viel Liebe enthält, wird ihm sein aufrichtiger Wunsch, dem Kranken zu helfen, nicht schaden. Er wird sich selbst nicht zerfleischen, falls er nicht helfen kann, er wird sich nicht über den Kranken ärgern, falls dieser sich falsch verhält. Wladimir Bechterew sagte: “Wenn ein wirklich guter Arzt das Krankenzimmer betritt, geht es den Kranken sofort besser.” Das bedeutet, dass ein Arzt vorrangig mit seiner Seele heilt. Er übergibt sein Streben nach Liebe und seine Fähigkeit zu lieben seinen Patienten. Das ist die effektivste Behandlung.

Ein Arzt, der die Seele zu erkennen sucht, der die Verbindung zwischen Seele und Körper spürt, wird sich beim Behandeln jeder Erkrankung richtig orientieren können.

In der östlichen Medizin ist die Persönlichkeit des Arztes von besonderer Bedeutung. Eine Chinesin, die ich kannte und die sich mit Akupunktur beschäftigte, erzählte mir, dass eine Frau, die einen akademischen Grad und ein Zeugnis des Aku­punktur-Therapeuten besaß, sie lange Zeit nicht in Ruhe ließ. Sie fragte immer wieder: “Ich steche doch dieselben Punkte wie du. Warum ist die Wirkung bei Dir ausgezeichnet, und bei mir gleich Null?” Meine Bekannte sagte schließlich, dass sie ihr dieses Geheimnis verraten würde. Das Geheimnis lag in der Frau selbst. Man muss einfach gutmütiger sein und an sich arbeiten.

Als ich anfing, mit karmischen Strukturen zu arbeiten, hatte ich eine komische Situation. Ich machte mit Freunden Urlaub auf der Krim. Eines Tages bestellten wir ein Taxi und fuhren damit zum Strand. Ich war zwar diesmal mit dem Be­zahlen dran, als wir jedoch dort ankamen, sagte ich, wie vom Teufel geritten, zu einem meiner Freunde: “Bezahl du doch!”, und sprang aus dem Auto. Ohne ein Wort zu sagen, bezahlte er die Fahrt und wir gingen zum Strand, der am Wasser mit Felsblöcken übersät war. Wir badeten und sonnten uns. Dann holten wir eine Flasche Madeira und den Proviant heraus. Zu Madeira passen Walnüsse und Käse, außerdem hatten wir noch Brot, Tomaten und Gurken dabei. Wir füllten die Gläser und erhoben sie auf “die wunderschöne Natur der Krym und auf Alupka”. So saßen wir noch eine Weile und betrachteten die Natur. Dann füllten wir die Gläser zum zweiten Mal, spra­chen noch einen Trinkspruch aus, tranken und aßen.

Fünf Minuten später bekam mein Freund, der die Fahrt be­zahlt hatte, Bauchschmerzen. “Ich glaube, ich habe eine Le­bensmittelvergiftung”, sagte er. Wir lachten nur, weil wir alle doch das gleiche gegessen hatten. “Mach dir keine Sorgen, nach zwei Minuten ist alles vorbei”, sagten wir. “Trink und iss noch etwas mit uns.” Er fühlte sich jedoch immer schlechter. Ein paar Minuten später wurde er ganz grün im Gesicht und musste sich hinlegen. Wir begriffen, dass es ernst war. Da erinnerte ich mich daran, dass ich doch Heiler bin. Ich sah nach, was los war und beschloss, ein kleines Experiment durchzuführen. Alle verlang­ten von mir, dass ich sofort auf irgendwelche Körperpunkte drücke oder kontaktlos mit den Händen heile. “Ich werde ihn schon heilen”, sagte ich: “Zuerst muss ich aber etwas anderes tun.” Ich kam auf meinen Freund zu, beugte mich über ihn und flüsterte ihm zu: “Du warst sauer auf mich wegen des Taxigel­des. Du musst Gott bitten, Dir zu verzeihen.” Nach einer Mi­nute bekam er wieder eine gesunde Gesichtsfarbe, nach fünf Minuten saß er aufrecht und trank mit uns.

Ich stellte fest, dass man das Essen sogar dann umprogrammieren kann, wenn man es bereits zu sich genommen hat. Das bedeutet, dass man nicht nur vor dem Essen, sondern auch danach beten kann. Sobald der Mensch das Essen sieht und den ersten Bissen davon probiert, beginnt bereits ein ak­tiver Informationsaustausch, deswegen muss der Mensch das Essen zuerst betrachten und ohne Hast essen. Auf diese Weise werden die Nahrungsmittel besser aufgenommen und es ent­stehen weniger informationsbedingte Schlacken. Deshalb können richtig gewählte Nahrungsmittel und Kräutertees bei der Behandlung verschiedenster Erkrankungen sehr gut hel­fen. Nachdem das Essen im Magen angelangt ist, beginnt die zweite Phase der Informationsverdauung, die dritte Phase fängt bei seinem Eintritt in den Darm an. Dort findet der wich­tigste Prozess statt. Während der ersten Phase erledigen nur die Speicheldrüsen den größten Anteil an der Arbeit mit der Information, im Magen sind es hauptsächlich die Wandober­flächen beim Ein­und Austritt. Dafür schalten sich beim Eintritt in den Darm sowohl Gallenblase und Leber, als auch der Zwölffingerdarm und die Bauchspeicheldrüse ein. Die Leber arbeitet dabei mit der Information, die Fähigkeiten, Intellekt und Vollkommenheit betrifft. Die Bauchspeicheldrüse arbeitet mit dem Thema der Beziehungen, der Zwölffingerdarm be­fasst sich mit beidem. Von der Zusammensetzung der Infor­mationsstruktur des Essens, das in den Darm gelangt, hängen der physische und der emotionale Zustand des Menschen ab. Aus diesem Grund verbraucht abwechslungsreiche Feinkost sehr viel Kraft und kann zu Krankheiten und zum Absinken des geistigen und des schöpferischen Potentials führen. Des­halb ernähren sich Menschen, die ein hohes Alter erreichen, in der Regel hauptsächlich abwechslungslos und nehmen nur kleine Portionen zu sich.

Trennkost hilft bei sehr vielen Erkrankungen. Dennoch sind auch ab und zu mal Schocks in Form von übermäßiger Nahrungsaufnahme notwendig. Früher konnte ich nicht ver­stehen, warum man von manchen Menschen mit Bewunde­rung redete: “Er kann an einem Tag einen Ochsen verdrücken.” Völlerei bleibt Völlerei, was kann denn Gutes daran sein? Später verstand ich, damit eine solche Essens­menge verdaut werden kann, müssen alle Drüsen reibungslos wie ein Uhrwerk arbeiten. Um so etwas bewältigen zu kön­nen, darf man nicht eifersüchtig, hartherzig und überheblich sein, was bedeutet, dass ein Vielfraß immer gutmütig bleiben muss, sonst wird er einfach an einer Verdauungsstörung ster­ben. Wenn ein Mensch sehr eifersüchtig ist und sich sehr schnell gekränkt fühlt, lässt die Funktionstüchtigkeit seiner Bauchspeicheldrüse nach, und er wird somit gezwungen, we­niger Süßes zu essen. Wenn er zu anspruchsvoll ist, leidet seine Leber, und er muss weniger bittere, salzige und scharfe Nahrungsmittel zu sich nehmen. Bei einer Fasten­oder Hun­gerkur wird die energetische Anhaftung an menschliche Werte deutlich schwächer. Wenn man dabei auch betet, erzielt man ein noch besseres Ergebnis. Das bedeutet, dass sowohl eine Fasten­als auch eine Hungerkur in erster Linie die Seele läu­tert, was dem Körper dabei hilft, sich ebenfalls zu reinigen. Wenn der Mensch während des Fastens sich beleidigt fühlt, sich Sorgen macht oder sich streitet, kann eine solche Kur dem Körper sogar schaden. Ärzte stellten fest, dass eine län­gere Hungerkur sich besser stationär als ambulant durchfüh­ren lässt. In einem Krankenhaus oder in einem Sanatorium lässt der Mensch seinen Stress und seine Sorgen los und er­zielt dementsprechend ein besseres Ergebnis. Nicht umsonst ging Jesus Christus zum Fasten in die Wüste.

Dennoch spielt die Weltanschauung eines Menschen so­wohl bei seiner Erkrankung als auch bei seiner Genesung die wichtigste Rolle. Ich rede mit einem jungen Mann, der Dia­betes hat. Er war bereits bei mir in der Sprechstunde. Ich sehe mir seine Organe auf der Feldebene an. Der Bereich um die Bauchspeicheldrüse ist stark geschädigt. Seine Bauchspei­cheldrüse ist durch ein unsichtbares Informationsband mit dem Tod seiner Frau in seinen zwei vorherigen Leben ver­bunden. Die Hauptursache für den Tod der Frau liegt in seiner Anhaftung an seinen Willen und seine Wünsche, danach kommt die Anhaftung an Ideale und Prinzipien und schließ­lich die Anhaftung an Beziehungen. So etwas erzeugt Aggres­sion, wenn jemand gegen den Willen und die Wünsche des Betroffenen handelt. Er verhält sich despotisch und hartherzig und betreibt blinde Prinzipienreiterei, wenn jemand seinen Idealen nicht entspricht. In seinen Beziehungen ist er nach­tragend, eifersüchtig und misstrauisch.

“Ich versuche, an mir zu arbeiten”, erzählt der junge Mann. “Aber meine Mutter hindert mich immer daran. Sie legt nie etwas zurück, wo es vorher war, sie ärgert mich stän­dig, stellt irgendwelche Ansprüche.”

“Ihre Mutter fungiert als eine Art Impfung, und Sie neh­men das nicht an. Der kleinste Ärger oder eine Aggression, die gegen Ihre Mutter gerichtet sind, erzeugen eine unterbe­wusste Aggression gegenüber Ihrer zukünftigen Frau”, sage ich zu ihm. “In ihren letzten zwei vorherigen Leben starb Ihre Frau, in diesem und im nächsten Leben werden Sie sterben. Dabei werden Sie vorher entweder blind, oder Sie verlieren Ihre Beine. Bei eifersüchtigen Menschen werden die Arme und besonders die Beine schlecht mit Blut versorgt. Anhaf­tung an Beziehungen und Ideale zerstört die Sehkraft. Entwe­der Sie beginnen jetzt, die Einstellung zu Ihrer Umwelt zu ändern, oder Sie können sich auf das Schlimmste gefasst ma­chen.” Ich sehe ihm in die Augen, die von einer Brille bedeckt sind. “Drei Monate, genau drei Monate lang dürfen Sie in kei­ner Weise auf ihre Umwelt reagieren. Alles kommt rein, aber nichts kommt heraus. Ihre Ziele und Prinzipien, Ihr Wille und Ihre Wünsche, das ‘Ich’ — alles was auf die Umgebung rea­giert, muss verschwinden. Nichts darf reflektiert werden. Über eine Situation nachzudenken ist zulässig, sie zu bewer­ten dagegen nicht. Wenn Sie das schaffen, wird alles sich zum Besseren wenden.”

Man erzählte mir, wie ein junger Mann sich von der Verur­teilung anderer Menschen abhalten wollte. Dafür band er sich einen Faden aus Wolle ums Handgelenk, der ihn daran erinnern sollte, nicht zu urteilen. Er dachte, dass er zwei oder drei Mal am Tag in die Versuchung kommen würde, jemanden zu verur­teilen, es stellte sich aber heraus, dass es mehrere Dutzend Male waren. Ein Bekannter von mir sagte einmal mit Erstaunen:

“Hundert Mal am Tag verurteilen wir jemanden und wundern uns dann noch, dass wir krank werden.” Das Traurige dabei ist, dass ein solches Verhalten zur Norm wurde. Mit diesem “Ge­päck” versuchen wir, uns mit einem geliebten Menschen aus­einanderzusetzen und bekommen zum Lohn Diabetes.

Einmal kam ich in der Sauna ins Gespräch mit einem Mann. Er war stark und kräftig gebaut. Nichts ließ vermuten, dass er Diabetes hatte. “Wissen Sie, ich bin ein willensstarker Mensch”, erzählte er. “Ich habe mir eine strikte Diät verordnet und damit erreicht, dass mein Blutzuckerwert von zwanzig Einheiten auf sechs bis sieben Einheiten fiel. Ich hatte Ihre Bücher gelesen. Vor Kurzem bekam ich Schmerzen in den Zehen. Mir wurde klar, dass ich zwar ein Problem gelöst hatte, ein anderes jedoch zum Vorschein kam.”

“Der Diabetes ist die Tötung der Liebe wegen der Bezie­hungen”, sagte ich zu ihm.

“Ja, vor ein paar Jahren ließ ich mich von meiner Frau scheiden und hatte sehr viel Stress deswegen”, antwortete er.

“Heilen Sie Ihre Seele, und Ihr Körper wird ebenfalls ge­sund”, riet ich ihm.

Ich dachte nach: “Wie vielfältig unsere Welt äußerlich, und wie einheitlich sie doch innerlich ist. Auf den ersten Blick mag es keine Verbindung zwischen der steigenden An­zahl von Homosexuellen und Diabetikern geben. Dennoch haben sie dieselbe Ursache: Eifersucht. Für viele kommt Dia­betes wie ein Blitz aus heiterem Himmel.”

Genau dasselbe war einem meiner Patienten aus New York widerfahren. “Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich Diabetes bekommen habe”, teilte er sich mir mit.

“Ich bin selbst Arzt von Beruf, und zwar ein sehr guter, ich ernähre mich gesund. Ich habe nie Groll oder Hass auf jeman­den empfunden.”

“Na gut”, sagte ich. “Haben Sie sich vielleicht ständig über jemanden geärgert, oder waren Sie unzufrieden mit je­mandem?”

“Ja, das war über mehrere Jahre der Fall, es ging um mei­nen Sohn.”

“Umso gefährlicher für Sie. Ihnen wurden Ihr Wille, Ihre Prinzipien und Ihre Idealisierung der Beziehungen viel zu wichtig. Um Ihre Seele zu läutern, wurde Ihnen ein Sohn ge­geben, dessen Charakter und Weltanschauung ihren Prinzi­pien, Idealen und Wünschen und Ihrem Willen widersprechen. Man darf sich zwar streiten, sich von der Liebe lossagen dagegen nicht. Ihre Prinzipien wurden für Sie jedoch wichtiger als die Liebe. Wenn ein Mensch sich von der Liebe lossagt und versucht, innerlich die Verbindung zum ge­liebten Menschen zu zerreißen, sind Probleme vorprogram­miert. Wenn Sie gesund werden wollen, sagen Sie sich niemals von geliebten Menschen los, egal was geschieht.”

Kasino

Früher konnte ich nicht verstehen, warum Menschen ins Kasino gingen. Ich dachte, sie gehen hin, um eine große Summe Geld zu gewinnen, oder umgekehrt, zu verlieren. Dann verstand ich, dass es nur oberflächlich so ist. Ein Mensch geht ins Kasino, um zu lernen, weniger von mensch­lichen Werten abhängig zu sein. Im alltäglichen Leben erleidet er nur ein paar Mal im Jahr Verluste. Wenn er nicht darauf vorbereitet ist, vergiftet er seine Seele mit negativen Emotio­nen, dann kommen Unglücksfälle und Krankheiten. Wenn je­mand eine einmalige Schockläuterung nicht annehmen kann, wird ihm eine schwere Erkrankung gegeben, die seine Seele durch kleine sekündliche Unannehmlichkeiten läutert.

Diese Rolle kann ein Kasino mit Erfolg übernehmen. In einer Spielhalle kann man an einem Abend hunderte kleine und ein paar große Verluste erleben. Die Einstellung dazu be­stimmt, ob der Mensch in Bezug darauf ins Gleichgewicht kommt, oder in seinen Emotionen “versinkt”. Weil das Ka­sino eine Imitation des Lebens, ein Spiel ist, ist es dort einfa­cher, einen Verlust anzunehmen, als es im richtigen Leben der Fall ist. Auf diese Weise bekommen wir nicht die Krankheit, sondern die Impfung. Wenn der Mensch versteht, dass er ins Kasino geht, um in erster Linie an sich selbst zu arbeiten, um sich selbst zu ändern und von seinen Trieben und Wünschen weniger abhängig zu sein, macht jeder Besuch des Spielhau­ses ihn reicher und glücklicher.

Seine Seele wird reicher, und das ist der wichtigste Reichtum. Wenn er aber mit dem unaustilgbaren Wunsch, sich zu bereichern, dorthin kommt, hat er praktisch keine Gewinnchancen. Auch wenn er gewinnen sollte, wird das schlimme Folgen haben.

Man erzählte mir von einem Amerikaner, der jede Geld­summe, die er übrig hatte, verspielte. Eines Tages gewann er hunderttausend Dollar. Eine Woche lang war er glücklich, konnte aber nicht an sich halten und wollte mehr. Er kam zu­rück und spielte weiter. Er verlor die ganze Summe. Dann ver­lor er alles, was er an Bargeld hatte. Danach verkaufte er sein Haus, weil er darauf hoffte, sein Geld zurück zu gewinnen. Das Haus verlor er ebenfalls. Als der Pechvogel gar nichts mehr hatte, beschloss er, eine Bank auszurauben, um Geld für das nächste Spiel zu haben. Man verhaftete ihn, und er kam ins Gefängnis. Im Gefängnis gibt es bekanntlich kein Kasino. Manche Menschen enden noch schlimmer. Situationen wie diese kommen bei Glücksspielen häufig vor. Ich merkte mir deutlich, dass man sich nach jedem Verlust distanzieren und zu sich selbst kommen sollte. Negative Emotionen brechen unausweichlich aus und dämpfen die Intuition an Ort und Stelle. Ohne die Intuition kann man bei einem Glücksspiel nichts ausrichten. Nebenbei bemerkt braucht man im Kasino nicht besonders viel Geld dabei zu haben. Es gibt dort Auto­maten, wo ein Chip 5 Cent kostet. Man kann auch mit zwan­zig Dollar in der Tasche den ganzen Abend lang spielen.

Einmal fuhr ich in einem Linienbus von New York nach Atlantic City. Dort saßen nur Rentner. Der Bus kommt abends in Atlantic City an und fährt erst am nächsten Morgen wieder ab. Die Reise dauert ungefähr drei Stunden. Auf dem Rück­weg tauschten die Passagiere ihre Erfahrungen aus. Dabei be­trug der größte Verlust 40—50 Dollar. Ich erinnere mich, als ich das erste Mal nach Atlantic City fuhr: Das Geld, das ich mit meinen Sprechstunden verdiente, reichte gerade mal für Fahrkarten und Hotel.

Meine Bekannte, die mich nach New York eingeladen hatte, fragte mich: „ Möchtest du dich mal ganz entspannen und die ganze Nacht im Kasino verbringen?”

“Aber klar doch!”, antwortete ich.

“In New York ist das Glücksspiel verboten. Wir fahren nach Atlantic City. Dafür brauchen wir ungefähr 2,5 Stunden mit dem Auto.”

Um zwölf Uhr nachts sausen wir auf der Straße in südli­cher Richtung. Die Straße erinnert mich an die Abflugbahn eines Flughafens. Jede Fahrbahn ist mit metallischen Vierek­ken markiert, die einen Zentimeter hoch aus dem Straßenbe­lag herausragen und circa zwei Meter voneinander entfernt sind. Die reflektierenden Kanten dieser Vierecke verbinden sich auf der dunklen Straße zu langen, unterbrochenen Linien, und es sieht so aus, als ob leuchtende Lichterketten sich in die Ferne ziehen würden. Einen Meter vom Straßenrand entfernt ist der Straßenbelag wie ein Waschbrett. Wenn der Fahrer am Steuer einschlafen sollte, wird ein unverwechselbares Klopfen hörbar, sobald er sich dem Straßenrand nähert. Auf dem ge­rippten Streifen am Straßenrand ist das Geräusch sogar so laut, als ob man einen Stock mit voller Kraft über das Wasch­brett ziehen würde. Zusätzlich stehen an beiden Seiten der Straße Pfeiler mit Leuchtstreifen. Der Fahrer orientiert sich auf dieser Straße nicht mehr am Licht seiner Scheinwerfer, sondern an den Lichterketten, die die Fahrbahn kennzeichnen und den grellroten Reflektoren an den Straßenrändern. Als ich das erste Mal die USA besuchte, wurde mir die offensichtliche Armseligkeit der Straßen in St. Petersburg bewusst. St. Pe­tersburg ist dennoch eine einzigartige Stadt. Obwohl Weltkul­turzentrum ist diese Stadt äußerlich so schmutzig und hässlich, dass sie den Anschein erweckt, nie wieder schön und sauber werden zu können. Alle ihre Verwalter haben sich ge­genseitig übertroffen in dem Bestreben, einen wichtigen Bei­trag zur Zerstörung und Verwüstung dieser Stadt zu leisten.

Als ich mich im Auto auf den ausgezeichneten amerikani­schen Straßen davontragen ließ, dachte ich an die schmutzige, zerfurchte und mit Müll verstopfte Stadt St. Petersburg. Wir saßen im Auto und sprachen über das bevorstehende Spiel.

“Zuerst könnten wir an die Spielautomaten gehen, oder Roulette spielen”, sagte meine Begleiterin.

“Sag mal, wo sind die Gewinnchancen denn am größ­ten?”, fragte ich.

“Beim Black Jack. In Russland heißt das Spiel Einund­zwanzig. Der Unterschied ist, das As kann je nach Wunsch des Spielers entweder ein oder elf Punkte bedeuten.”

“Warum ausgerechnet Black Jack?”

“Weil beim Roulette oder bei Spielautomaten hauptsäch­lich nur die Intuition von Bedeutung ist. Zugegeben hat jeder Automat eine Stunde am Tag, in der er Gewinne auswirft. Die Profis wissen das und ‘melken’ ihn genau dann. Das ist aber nicht dasselbe. Beim Black Jack muss man nicht nur Intuition, sondern auch Übung haben. Wenn jemand die Glückssträhne spürt, besonders wenn er ein Profi ist, kann er an einem Abend eine ordentliche Summe gewinnen”, erzählte sie.

“Wie hoch kann die denn sein?”

“Vor Kurzem hat hier ein Mann gespielt. Man beobachtete ihn eine Weile, dann erkundigte man sich wahrscheinlich über ihn, schließlich kam der Besitzer des Kasinos auf ihn zu und bot ihm lächelnd hunderttausend Dollar an, damit er mit dem Spielen aufhört. Der Mann lehnte das Angebot ab und sagte, dass er einfach sehr gute Laune habe und nur spielen wolle.”

Ich wollte noch mehr wissen: “Wie hoch war denn die größte Summe, die in der letzten Zeit gewonnen wurde?”

“Neulich hat ein Mann beim Black Jack 11 Millionen Dollar gewonnen. Zwar muss man bei einem Gewinn über tausend Dollar Steuern zahlen, trotzdem ist ihm eine ordent­liche Summe geblieben.”

“Gab es noch ähnliche Fälle?” fragte ich weiter nach.

“Ja, in einem der größten Kasinos, im Trump Plaza, haben Zigeuner gespielt. Wie man sich erzählt, ein ganzer Clan. Die Summe, die sie gewonnen haben, ist zwar unbe­kannt, man weiß jedoch, dass das Kasino nicht genug Bargeld hatte, um sie auszuzahlen.”

Meine Gesprächspartnerin schaute mich an und sagte:

“Das ist doch eigentlich ein Fall für dich. Zigeuner haben eine ausgezeichnete Intuition und können die Zukunft vorhersa­gen. Wenn viele von ihnen zusammenkommen, ballt sich of­fensichtlich ihre energetische Kraft zusammen und sie können den Dealer viel schneller aus dem Gleichgewicht bringen.”

“Was bedeutet das ‘den Dealer aus dem Gleichgewicht bringen’?”

“Das wirst du beim Spiel schon selbst merken.”

“Dennoch, wenn so viele beim Black Jack gewinnen, warum verzichten Kasinos nicht darauf?”, wollte ich wissen.

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